Poetry Slam über Angst: das rote Signal

Poetry Slam über Angst: das rote Signal

Poetry Slam über Angst: ein Bahnsignal leuchtet rot gegen den Abendhimmel, ein Zug wartet
bahn-slam.de

Angst kennt jeder.

Sie ist eines der ältesten Gefühle.

Und eines der stärksten.

Sie sitzt in der Brust.

Sie schnürt die Kehle zu.

Sie lässt das Herz rasen.

Genau darum ist Angst ein großes Slam-Thema.

Denn jeder im Saal kennt sie.

Und keiner spricht gern darüber.

Das macht einen ehrlichen Text so wertvoll.

Er bricht das Schweigen.

In diesem Beitrag zeige ich dir, wie du über Angst schreibst.

Konkret und mutig.

Ohne sie kleinzureden.

Und ohne in ihr zu versinken.

Fangen wir an.

Über Angst schreiben: das Gefühl, das jeder kennt

Angst hat viele Gesichter.

Da ist die große Angst.

Vor Krankheit, vor Verlust, vor dem Tod.

Und da ist die kleine, alltägliche Angst.

Vor einem Anruf.

Vor einer Prüfung.

Vor dem ersten Auftritt auf einer Bühne.

Beide sind echt.

Und beide taugen für einen Text.

Das Schöne am Thema Angst ist:

Es verbindet sofort.

Denn niemand ist ohne Angst.

Auch die Mutigsten nicht.

Sie haben nur gelernt, mit ihr umzugehen.

Wenn du ehrlich über deine Angst schreibst, fühlen sich viele verstanden.

Weil sie glaubten, allein damit zu sein.

Angst macht einsam.

Ein Text über Angst kann diese Einsamkeit brechen.

Er sagt: Ich habe auch Angst.

Und schon ist man nicht mehr allein.

Das ist eine große, heilsame Wirkung.

Das rote Signal: Angst sagt Halt

Denk an ein Bahnsignal.

Wenn es rot ist, muss der Zug halten.

Das rote Signal ist streng.

Es sagt: Bis hierher und nicht weiter.

Genau das tut die Angst.

Sie ist dein inneres rotes Signal.

Sie sagt: Halt, hier ist Gefahr.

Und das ist erst mal gut.

Denn Angst will dich schützen.

Sie ist uralt.

Sie hat unsere Vorfahren vor dem Säbelzahntiger bewahrt.

Ohne Angst wären wir längst ausgestorben.

Das ist wichtig für deinen Text.

Angst ist kein Feind.

Sie ist ein Wächter.

Das Problem beginnt erst, wenn das Signal immer rot bleibt.

Wenn die Angst uns lähmt.

Wenn wir nie mehr losfahren.

Dann steht der ganze Verkehr still.

Die Kunst ist nicht, das Signal abzuschaffen.

Die Kunst ist, zu wissen: Es springt auch wieder auf Grün.

Und dann darf man weiterfahren.

Dieses Bild trägt einen ganzen Text.

Nelson Mandela: Mut ist, die Angst zu überwinden

Denk an Nelson Mandela.

Er kämpfte gegen ein ganzes Unrechtssystem.

Gegen die Apartheid in Südafrika.

Dafür sperrte man ihn ein.

27 Jahre lang.

Ein halbes Leben hinter Gittern.

Man könnte denken, so ein Mann kennt keine Angst.

Aber das Gegenteil ist wahr.

Mandela sprach offen über seine Angst.

Er sagte sinngemäß einen klugen Satz.

Mutig ist nicht, wer keine Angst spürt.

Mutig ist, wer die Angst überwindet.

Das ist ein großer Gedanke.

Denn er nimmt der Angst die Schande.

Angst zu haben ist keine Schwäche.

Jeder Held hat sie.

Der Unterschied ist nur, was man mit ihr macht.

Ob man sich von ihr lähmen lässt.

Oder ob man trotz der Angst weitergeht.

Mandela wartete, bis das Signal auf Grün sprang.

Und dann fuhr er los.

Nach 27 Jahren kam er frei.

Und wurde Präsident seines Landes.

Was lernst du daraus für deinen Text?

Dass Angst und Mut keine Gegensätze sind.

Mut braucht die Angst.

Sonst wäre er keiner.

Wie sich Angst anfühlt

Angst ist zuerst ein Gefühl im Körper.

Und genau da liegt starker Stoff.

Denn Angst kann man zeigen.

Ganz konkret, körperlich.

Das Herz, das bis zum Hals schlägt.

Die Hände, die feucht werden.

Der Magen, der sich zusammenzieht.

Die Luft, die knapp wird.

Das Zittern, das man nicht kontrollieren kann.

Solche Körperbilder sind stark.

Weil jeder sie kennt.

Schreib nicht: Ich hatte Angst.

Schreib: Meine Hände waren nass, mein Herz raste.

Zeig die Angst im Körper.

Dann fühlt das Publikum sie mit.

Es spürt den eigenen Puls schneller werden.

Das ist die Kraft des konkreten Bildes.

Es überträgt das Gefühl direkt.

Ohne Umweg über den Kopf.

Das nächste Video zeigt, wie man über die Angst schreiben und sie überwinden kann.

Ich bin nicht meine Angst.

„Ich bin nicht meine Angst“ · Kim Leopold

Konkret werden: deine eine Angst

Angst im Allgemeinen ist zu groß für einen Text.

Nimm eine bestimmte.

Deine eigene, ganz konkrete Angst.

Die Angst vor dem Alleinsein.

Die Angst, nicht zu genügen.

Die Angst vor der Dunkelheit.

Die Angst, jemanden zu verlieren.

Je genauer die Angst, desto stärker der Text.

Denn eine konkrete Angst hat Bilder.

Sie spielt an einem Ort.

Zu einer Zeit.

Zeig eine Szene, in der die Angst kam.

Nachts, wenn die Gedanken kreisen.

Im Wartezimmer, vor der Diagnose.

Am Telefon, das nicht abgenommen wird.

In dieser einen Szene steckt die ganze Angst.

Konkret, greifbar, wahr.

Vermeide die großen Worte.

Die Angst ist überall, das sagt nichts.

Zeig die eine Nacht, das eine Wartezimmer.

Und das Publikum ist bei dir.

Weil es die eigene Angst darin wiedererkennt.

Auch wenn seine ganz anders aussieht.

Die Angst benennen nimmt ihr Macht

Es gibt eine alte Weisheit.

Was man benennt, verliert einen Teil seiner Macht.

Das gilt besonders für die Angst.

Solange sie namenlos ist, ist sie riesig.

Ein diffuses, dunkles Etwas.

Sobald man sie benennt, wird sie kleiner.

Fassbarer.

Sie bekommt eine Gestalt.

Und was eine Gestalt hat, kann man ansehen.

Genau das tut ein Text über die Angst.

Er benennt sie.

Er holt sie aus dem Dunkeln ins Licht.

Das ist ein mutiger Akt.

Und ein befreiender.

Deshalb tut das Schreiben über Angst so gut.

Man schaut dem Wächter ins Gesicht.

Und stellt fest: Er ist kleiner, als er im Dunkeln schien.

Zeig in deinem Text diesen Moment.

Wie du deiner Angst einen Namen gibst.

Wie du sie beschreibst, ganz genau.

Und wie sie dadurch ein Stück ihre Macht verliert.

Das ist keine Zauberei.

Aber es ist ein echter erster Schritt.

Poetry Slam über Angst: eine Bahnstrecke öffnet sich nach dem Signal ins klare Abendlicht
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Wovor wir wirklich Angst haben

Oft ist die offene Angst nicht die eigentliche.

Man hat Angst vor der Prüfung.

Aber eigentlich vor dem Versagen.

Man hat Angst vor dem Alleinsein.

Aber eigentlich davor, nicht liebenswert zu sein.

Hinter jeder Angst steckt oft eine tiefere.

Das ist spannend für einen Text.

Grab dich durch die Schichten.

Frag: Wovor habe ich Angst?

Und dann: Und wovor dahinter?

Und noch einmal dahinter?

So kommst du zum Kern.

Und der Kern ist meist bei allen ähnlich.

Die Angst, nicht genug zu sein.

Die Angst, verlassen zu werden.

Die Angst vor dem Ende.

Diese Urängste teilen wir alle.

Wenn dein Text bis zu ihnen vordringt, trifft er tief.

Denn dort erkennt sich jeder wieder.

Zeig die kleine, offene Angst.

Und dann die große dahinter.

Dieser Weg in die Tiefe macht den Text stark.

Die Angst vor der Bühne

Eine Angst passt besonders gut zum Slam.

Die Angst vor der Bühne selbst.

Das Lampenfieber.

Fast jeder Slammer kennt es.

Das Zittern vor dem Auftritt.

Der Wunsch, einfach wegzulaufen.

Darüber zu schreiben, ist herrlich ehrlich.

Und das Publikum liebt es.

Denn es sitzt ja selbst da und ahnt, wie mutig dein Auftritt ist.

Ein Text über die Bühnenangst, auf der Bühne vorgetragen, ist etwas Besonderes.

Er zeigt genau das, was gerade passiert.

Du überwindest deine Angst.

Vor aller Augen.

Das ist das rote Signal, das auf Grün springt.

Live, im Moment.

Zeig das Zittern vor dem ersten Wort.

Und dann, wie du trotzdem sprichst.

Wie die Angst kleiner wird, während du redest.

Das ist ein starker, ehrlicher Text.

Und ein Beweis, dass Mut möglich ist.

Denn du stehst ja da und tust es.

Die Angst, nicht zu genügen

Eine Angst haben fast alle.

Die Angst, nicht genug zu sein.

Nicht klug genug, nicht schön genug, nicht erfolgreich genug.

Diese Angst ist leise.

Aber sie ist überall.

Sie sitzt hinter vielen anderen Ängsten.

Und sie treibt uns an, bis zur Erschöpfung.

Darüber zu schreiben, ist mutig.

Weil man eine Schwäche zeigt.

Aber gerade das berührt.

Denn fast jeder trägt diese Angst.

Und glaubt, allein damit zu sein.

Zeig, wie sich diese Angst anfühlt.

Der ständige Vergleich mit anderen.

Das Gefühl, hinterherzuhinken.

Die Stimme, die sagt: Du reichst nicht.

Und dann, wenn du magst, die Gegenbewegung.

Der Gedanke: Vielleicht bin ich doch genug.

So wie ich bin.

Diese Angst zu benennen, ist ein Geschenk ans Publikum.

Es fühlt sich weniger allein.

Mit seiner leisesten, tiefsten Angst.

Angst und Mut gehören zusammen

Viele denken, Mut sei die Abwesenheit von Angst.

Das ist falsch.

Mut ohne Angst gibt es nicht.

Denn wer keine Angst hat, muss nicht mutig sein.

Er tut die Sache ja einfach.

Mutig ist nur, wer Angst hat und trotzdem geht.

Genau das sagte Mandela.

Und das ist ein tröstlicher Gedanke.

Denn er dreht die Angst um.

Deine Angst ist nicht dein Feind.

Sie ist die Bedingung für deinen Mut.

Ohne sie gäbe es keinen.

In deinem Text kannst du das zeigen.

Nicht: Ich hatte keine Angst.

Sondern: Ich hatte große Angst und ging trotzdem.

Das ist viel stärker.

Und viel ehrlicher.

Denn der Held ohne Angst ist unglaubwürdig.

Der Mensch mit Angst, der trotzdem weitermacht, ist echt.

Und er macht Mut.

Zeig also beides.

Das zitternde Herz.

Und den Fuß, der trotzdem vorwärtsgeht.

Wenn die Angst zu groß wird

Ein ehrliches Wort ist hier wichtig.

Manchmal ist Angst mehr als ein Gefühl.

Manchmal wird sie zur Krankheit.

Wenn das Signal dauerhaft rot bleibt.

Wenn die Angst das Leben lähmt.

Wenn Panik kommt, ohne echten Grund.

Das ist keine Schwäche.

Und keine Schande.

Es ist eine ernste Sache.

Über solche Angst darf man schreiben.

Sehr behutsam und ehrlich.

Es kann anderen Betroffenen helfen.

Sich weniger allein zu fühlen.

Aber ein Text ersetzt keine Hilfe.

Wenn dich die Angst wirklich festhält, sprich mit jemandem.

Mit einem Arzt, einer Beraterin, einem vertrauten Menschen.

Es gibt Hilfe.

Und sie zu suchen, ist ein Akt des Mutes.

Nicht des Versagens.

Ein rotes Dauersignal braucht einen Fachmann im Stellwerk.

Das ist kein Widerspruch zur Selbstliebe.

Es ist ihr Ausdruck.

Schreib über deine Angst.

Aber hol dir Hilfe, wenn sie dich überrollt.

„Mut zur Angst“ · Alma M. Ernst

Übung: gib deiner Angst eine Gestalt

Hier eine Übung, die stark wirkt.

Gib deiner Angst eine Gestalt.

Mach aus dem Gefühl eine Figur.

Wie sieht deine Angst aus?

Ist sie ein Schatten, der dir folgt?

Ein schwerer Rucksack, den du schleppst?

Ein Gast, der ungefragt bleibt?

Ein rotes Signal, das nicht auf Grün springt?

Wenn du der Angst eine Gestalt gibst, kannst du mit ihr reden.

Im Text.

Du kannst sie ansprechen.

Du kannst ihr sagen: Ich sehe dich.

Ich weiß, warum du da bist.

Aber du bestimmst nicht mehr allein.

Diese Übung verwandelt das diffuse Gefühl in etwas Greifbares.

Und Greifbares kann man bewegen.

Schreib einen Dialog mit deiner Angst.

Oder beschreib sie als Figur.

Als Begleiter, der immer mitfährt.

Mal im Weg, mal ein Warner.

Das ist ein origineller, starker Text.

Denn er macht das Unsichtbare sichtbar.

Und nimmt der Angst einen Teil ihres Schreckens.

Häufige Fehler beim Angst-Text

Sammeln wir die Stolperfallen.

Fehler eins: die Angst nur behaupten.

Zeig sie im Körper, in einer Szene.

Fehler zwei: zu allgemein bleiben.

Nimm eine konkrete Angst, nicht die Angst an sich.

Fehler drei: die Angst verherrlichen.

Angst ist kein cooles Drama, sondern echt.

Fehler vier: alles ins Dunkle ziehen.

Zeig auch das grüne Signal, den Weg hinaus.

Fehler fünf: ein billiges Happy End.

Nicht jede Angst ist am Ende weg, bleib ehrlich.

Fehler sechs: dramatisieren.

Die ruhige Schilderung trifft tiefer als das große Pathos.

Fehler sieben: kein roter Faden.

Nimm das rote Signal und halt es durch.

Wer diese Fehler kennt, schreibt einen Text, der trägt.

Einen, der die Angst ernst nimmt.

Und trotzdem Mut macht.

Der Ton: mutig, nicht dramatisierend

Der Ton entscheidet beim Angst-Text.

Die Gefahr ist das Dramatisieren.

Große, dunkle Worte.

Ein Übermaß an Verzweiflung.

Das wirkt schnell gewollt.

Der bessere Ton ist ruhig und ehrlich.

Er beschreibt die Angst genau.

Aber ohne sie aufzublasen.

Gerade die nüchterne Schilderung einer Angst trifft tief.

Weil sie echt wirkt.

Nicht wie ein Horrorfilm.

Sondern wie das Leben.

Ein weiterer Trick: der Mut im Ton.

Ein Angst-Text darf am Ende Mut zeigen.

Nicht laut und triumphierend.

Sondern leise und fest.

Ich habe Angst, und ich gehe trotzdem.

Dieser ruhige Mut ist das Stärkste, was ein Angst-Text haben kann.

Er nimmt die Angst ernst.

Und zeigt zugleich, dass sie nicht das letzte Wort hat.

Das grüne Signal kommt.

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Der erste und der letzte Satz

Anfang und Ende tragen viel.

Fang nicht mit einer Erklärung an.

Fang mitten in der Angst an.

„Es ist drei Uhr nachts, und mein Herz schlägt gegen die Rippen.“

Schon ist das Publikum mittendrin.

Es spürt den eigenen Puls.

Der letzte Satz bleibt.

Spar dir dafür dein stärkstes Bild auf.

Vielleicht das Signal, das auf Grün springt.

Vielleicht der erste Schritt trotz allem.

Und dann sei still.

Lass das Bild wirken.

Zwischen Anfang und Ende läuft dein Text.

Vom roten Signal bis zum grünen.

Wenn beide Sätze sitzen, hält die ganze Fahrt.

Übe sie besonders.

Gerade beim schweren Thema geben sie dir Halt.

Das Kopfkino der Angst

Angst hat eine große Fantasie.

Sie malt Bilder.

Von allem, was schiefgehen kann.

Ein Kopfkino der Katastrophen.

Das ist ein starkes Thema für einen Text.

Denn dieses Kopfkino kennt jeder.

Die durchdachten Unglücke.

Die Gespräche, die man sich vorher ausmalt.

Die Diagnosen, die man sich zusammensucht.

Zeig dieses Kopfkino.

Die wilden Bilder, die die Angst produziert.

Und dann die Wirklichkeit.

Die oft viel harmloser ist.

Denn die meisten Ängste treten nie ein.

Das Kopfkino zeigt Filme, die nie laufen.

Diese Erkenntnis kann befreien.

Die Angst ist ein Geschichtenerzähler.

Aber ein Erzähler, der übertreibt.

Wenn du das in deinem Text zeigst, hilft es vielen.

Denn sie erkennen ihr eigenes Kopfkino.

Und lernen, ihm nicht jedes Wort zu glauben.

Hinter der Angst liegt oft ein Wunsch

Ein kluger Gedanke über die Angst.

Hinter jeder Angst steckt ein Wunsch.

Man hat nur Angst um das, was einem wichtig ist.

Die Angst, jemanden zu verlieren, zeigt die Liebe.

Die Angst zu versagen, zeigt, wie sehr man es will.

Die Angst vor der Bühne zeigt, wie wichtig dir dein Text ist.

Das ist ein tröstlicher Gedanke.

Denn er dreht die Angst ins Positive.

Sie ist nicht nur Last.

Sie ist auch ein Zeichen.

Ein Zeichen, dass dir etwas am Herzen liegt.

Zeig das in deinem Text.

Frag nach dem Wunsch hinter deiner Angst.

Wovor habe ich Angst?

Und was sagt das darüber, was ich liebe?

Diese Wendung ist stark.

Sie macht aus der Angst einen Wegweiser.

Er zeigt auf das, was dir kostbar ist.

Und plötzlich ist die Angst nicht mehr nur dein Gegner.

Sondern auch dein Spiegel.

Die Angst vor der Angst

Es gibt eine besondere Angst.

Die Angst vor der Angst selbst.

Man fürchtet den Moment, in dem die Panik wiederkommt.

Und allein diese Furcht macht schon Angst.

Ein Teufelskreis.

Wer das kennt, weiß, wie zermürbend es ist.

Darüber zu schreiben, ist mutig und wichtig.

Denn viele stecken in diesem Kreis.

Und schämen sich dafür.

Zeig, wie die Angst sich selbst nährt.

Wie das Vermeiden alles noch schlimmer macht.

Man meidet den Ort, an dem die Panik kam.

Und der Kreis wird enger.

Bis das Leben klein wird.

Ein ehrlicher Text darüber kann Betroffene erreichen.

Er sagt: Ich kenne das auch.

Und das ist schon ein Trost.

Aber vergiss den Hinweis nicht.

Wer in diesem Kreis feststeckt, darf sich Hilfe holen.

Es gibt Wege heraus.

Und den ersten geht man oft nicht allein.

Geteilte Angst ist halbe Angst

Angst wächst im Verborgenen.

Sie liebt das Schweigen.

Solange man sie für sich behält, wird sie größer.

Sobald man sie teilt, wird sie kleiner.

Das ist eine alte, wahre Erfahrung.

Sag jemandem, wovor du Angst hast.

Und ein Teil der Last fällt ab.

Genau das tut ein Slam-Text.

Er teilt die Angst.

Mit dem ganzen Saal.

Und das Erstaunliche: Der Saal trägt mit.

Denn jeder kennt Angst.

Wenn du deine aussprichst, nicken die anderen.

Und in diesem gemeinsamen Nicken liegt Trost.

Für dich und für sie.

Zeig in deinem Text den Moment des Teilens.

Wie schwer es war, es auszusprechen.

Und wie viel leichter danach.

Das ist die stille Kraft des Redens.

Aus einer einsamen Angst wird eine geteilte.

Und geteilte Angst ist halbe Angst.

Die Wurzeln der Angst in der Kindheit

Viele Ängste beginnen früh.

In der Kindheit.

Ein Schreck, der sich einprägte.

Eine Erfahrung, die tiefe Spuren zog.

Manchmal weiß man gar nicht mehr, woher eine Angst kommt.

Sie war immer da.

Über diese alten Wurzeln zu schreiben, ist tief.

Vielleicht die Angst vor der Dunkelheit, seit einer bestimmten Nacht.

Vielleicht die Angst vor lauten Stimmen, seit einem alten Streit.

Solche Ursprünge sind starker Stoff.

Denn sie erklären, warum eine Angst so festsitzt.

Zeig das Kind, das den ersten Schreck erlebte.

Und den Erwachsenen, der die Angst noch trägt.

Dieser Bogen über die Zeit rührt.

Und manchmal, beim Schreiben, versteht man die eigene Angst neu.

Man sieht ihre Wurzel.

Und beginnt, sie zu lösen.

Denn was man versteht, verliert einen Teil seiner Macht.

Genau wie das Benennen.

Kleine Schritte gegen die Angst

Man besiegt die Angst nicht auf einen Schlag.

Man geht in kleinen Schritten.

Das ist wichtig für einen ehrlichen Text.

Keine großen Wunder.

Sondern kleine Siege.

Der erste Anruf, den man doch macht.

Der erste Schritt aus dem Haus.

Der erste Auftritt trotz Zittern.

Jeder kleine Schritt ist ein grünes Signal.

Ein kurzes Stück freie Fahrt.

Und mit jedem Schritt wird die Strecke vertrauter.

Zeig in deinem Text so einen kleinen Sieg.

Nicht die große Heilung.

Sondern den einen Moment, in dem du der Angst getrotzt hast.

Wie klein er auch war.

Denn im Kleinen liegt das Echte.

Ein Text, der einen winzigen Sieg zeigt, ist glaubwürdiger als einer, der die Angst für immer besiegt.

Und er macht mehr Mut.

Weil kleine Schritte für jeden möglich sind.

Auch für den Ängstlichsten im Saal.

Er hört: Ich muss nicht alles auf einmal schaffen.

Nur den nächsten Schritt.

Atmen gegen die Angst

Es gibt ein einfaches Mittel gegen die Angst.

Den Atem.

Wenn die Angst kommt, wird der Atem flach.

Schnell und hoch.

Und das verstärkt die Angst noch.

Ein Teufelskreis aus Panik und Kurzatmigkeit.

Aber man kann ihn durchbrechen.

Mit einem bewussten, tiefen Atemzug.

Langsam ein, langsam aus.

Der Atem ist wie die Bremse einer Lok.

Er bringt das rasende Herz zur Ruhe.

Das ist ein schönes, konkretes Bild für den Text.

Zeig den Moment der Panik.

Und dann den einen tiefen Atemzug.

Wie er alles verlangsamt.

Wie der Boden wieder fest wird.

Dieser Atemzug ist auch beim Slam nützlich.

Vor dem ersten Wort auf der Bühne.

Ein tiefer Atem, und die Angst wird kleiner.

Nicht weg, aber kleiner.

Klein genug, um trotzdem zu sprechen.

Was ein Angst-Text auslöst

Ein ehrlicher Angst-Text hat eine große Wirkung.

Er befreit.

Denn Angst ist ein einsames Gefühl.

Jeder glaubt, nur er sei so ängstlich.

Nur er sei so schwach.

Wenn du deine Angst zeigst, zerbricht dieser Irrtum.

Das Publikum merkt: Ich bin nicht allein.

Auch der da oben hat Angst.

Und er traut sich trotzdem.

Das macht doppelt Mut.

Zum einen durch die geteilte Angst.

Zum anderen durch dein Beispiel.

Denn du stehst ja da.

Ängstlich vielleicht, aber du stehst.

Das ist ein lebendiger Beweis.

Dass man mit Angst leben und sprechen kann.

Ein Angst-Text kann keine Angst heilen.

Aber er kann Mut machen.

Und das Gefühl geben, verstanden zu sein.

Das ist viel.

Gerade bei diesem einsamen Gefühl.

Die Angst vor der Zukunft

Eine der häufigsten Ängste ist die vor der Zukunft.

Vor dem, was kommt.

Vor dem, was man nicht kennt.

Die Strecke liegt im Nebel.

Und man sieht nicht, wohin sie führt.

Diese Angst ist heute besonders groß.

Die Welt scheint unsicher.

Krisen, Umbrüche, Nachrichten voller Sorgen.

Darüber zu schreiben, trifft viele.

Denn die Zukunftsangst ist weit verbreitet.

Zeig das Bild vom Nebel auf der Strecke.

Wie man nur bis zur nächsten Ampel sieht.

Und wie schwer das ist.

Aber es gibt auch einen Trost.

Ein Zug fährt auch im Nebel.

Langsam, vorsichtig, aber er fährt.

Man muss nicht die ganze Strecke sehen.

Nur das nächste Stück.

Das reicht, um weiterzufahren.

Zeig diesen Gedanken.

Man muss die Zukunft nicht kennen, um in sie zu fahren.

Man muss nur den nächsten Meter sehen.

Und dem Gleis vertrauen.

Humor gegen die Angst

Auch bei der Angst hilft der Humor.

Nicht, um sie kleinzumachen.

Sondern um sie zu entmachten.

Wer über seine Angst lachen kann, ist ihr nicht mehr ganz ausgeliefert.

Denk an die absurden Seiten der Angst.

Das Kopfkino, das die wildesten Katastrophen malt.

Die Sorgen um Dinge, die nie eintreten.

Das dreimalige Prüfen, ob der Herd aus ist.

Darin steckt auch Komik.

Und die darf in den Text.

Ein Lachen über die eigene Angst ist ein kleiner Sieg.

Es schafft Abstand.

Plötzlich steht man neben der Angst.

Statt in ihr.

Aber Vorsicht mit der Balance.

Der Humor darf die Angst nicht verhöhnen.

Er lacht mit dem Ängstlichen, nicht über ihn.

Am besten lacht man über sich selbst.

Über die eigenen absurden Sorgen.

Dann lacht der ganze Saal mit.

Weil jeder solche Sorgen kennt.

Und in diesem gemeinsamen Lachen wird die Angst ein Stück kleiner.

Die Angst wird kleiner, wenn du fährst

Eine letzte Wahrheit über die Angst.

Sie ist vor dem Losfahren am größten.

Im Warten wächst sie.

Im Grübeln wird sie riesig.

Aber sobald man losfährt, schrumpft sie.

Das kennt jeder vom Zahnarzt.

Das Wartezimmer ist schlimmer als die Behandlung.

Das kennt jeder von der Bühne.

Die Minuten davor sind schlimmer als der Auftritt.

Sobald das erste Wort draußen ist, wird es besser.

Die Angst lebt vom Stillstand.

Die Bewegung nimmt ihr die Kraft.

Das ist ein wichtiger, hoffnungsvoller Gedanke.

Zeig ihn in deinem Text.

Wie groß die Angst im Warten war.

Und wie sie schrumpfte, als du endlich losfuhrst.

Das ist eine tröstliche Botschaft.

Warte nicht, bis die Angst weg ist.

Sie geht nicht von allein.

Fahr los, mit der Angst an Bord.

Und unterwegs wird sie kleiner.

Kiel, das rote Signal und dein Text

Stell dir zum Schluss den Bahnhof von Kiel vor.

Am Ende der Strecke, am Wasser.

Ein Zug steht vor einem roten Signal.

Er wartet.

Der Fahrer weiß: Rot heißt Halt.

Aber er weiß auch: Rot bleibt nicht ewig.

Irgendwann springt es auf Grün.

Und dann darf er fahren.

Genau so ist die Angst.

Sie ist dein rotes Signal.

Sie sagt Halt, sie will dich schützen.

Das ist gut und wichtig.

Aber sie darf dich nicht für immer aufhalten.

Denk an Nelson Mandela.

27 Jahre hinter Gittern.

Und die Angst hat ihn nicht besiegt.

Weil er wusste: Mut heißt nicht, keine Angst zu haben.

Mut heißt, mit ihr weiterzufahren.

Genau darüber kannst du schreiben.

Über deine eine, konkrete Angst.

Zeig sie im Körper, in einer Szene.

Gib ihr eine Gestalt.

Benenne sie und nimm ihr damit ein Stück Macht.

Bleib ehrlich, bleib ruhig, dramatisiere nicht.

Und zeig am Ende das grüne Signal.

Den kleinen Schritt, den du trotz allem gehst.

Denn das rote Signal springt um.

Und dann fährst du weiter.

Vergiss nicht: Du bist nicht deine Angst.

Du bist der, der trotz ihr weiterfährt.

Die Angst sitzt vielleicht mit im Zug.

Aber du bist der Lokführer.

Nicht sie.

Fang mit einer einzigen ehrlichen Zeile an.

Über die eine Angst, die du am besten kennst.

Sprich sie aus, und sie wird kleiner.

Und schreib dich dem grünen Signal entgegen.

Denn die ausgesprochene Angst verliert ihre Macht.

Was du benennst, das kannst du auch tragen.

Also fang an, mit dem ersten ehrlichen Satz.

Gute Fahrt.

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Die zweiunddreißig Bücher

Zweiunddreißig Schläge gegen die Stille. Wähle dein Gift.

Die Bahn als Schreibstudio Nr. 1 Die Bahn als Schreibstudio Schreiben in Bewegung Gefühle in Worte fassen Nr. 2 Gefühle in Worte fassen ohne kitschig zu werden Ich bin nicht nervös, ich bin geladen Nr. 3 Ich bin nicht nervös ich bin geladen 3 Uhr nachts Nr. 4 3 Uhr nachts Gedanken zwischen Stationen 120 Schläge Nr. 5 120 Schläge gegen die Gleichgültigkeit Niemand hält deinen Zug auf - 111 Impulse Nr. 6 Niemand hält deinen Zug auf 111 Impulse · Kein Trost Poetry Master Nr. 7 Poetry Master Stimme trifft Seele Genosse Waschbär - Bahn-Slam-Geschichten Nr. 8 Genosse Waschbär Bahn-Slam-Geschichten 147 Gründe, warum ich dich hasse Nr. 9 147 Gründe warum ich dich hasse Genosse Waschbär Band 10 – Was die Welt mir schuldet Nr. 10 Was die Welt mir schuldet Band 10 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 11 – Der konservative Waschbär Nr. 11 Der konservative Waschbär Band 11 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 12 – Der liberale Waschbär Nr. 12 Der liberale Waschbär Band 12 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 13 – Der grüne Waschbär Nr. 13 Der grüne Waschbär Band 13 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 14 – Der rechtskonservative Waschbär Nr. 14 Der rechtskonservative Waschbär Band 14 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 15 – Der populistische Waschbär Nr. 15 Der populistische Waschbär Band 15 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 16 – Der unpolitische Waschbär Nr. 16 Der unpolitische Waschbär Band 16 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 17 – Der schwule Waschbär Nr. 17 Der schwule Waschbär Band 17 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 18 – Die lesbische Waschbärin Nr. 18 Die lesbische Waschbärin Band 18 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 19 – Der Gen-Z-Waschbär Nr. 19 Der Gen-Z-Waschbär Band 19 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 20 – Der Ossi-Waschbär Nr. 20 Der Ossi-Waschbär Band 20 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 21 – Der Wessi-Waschbär Nr. 21 Der Wessi-Waschbär Band 21 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 22 – Der liberale Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 22 Der liberale Waschbär Band 22 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 23 – Der grüne Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 23 Der grüne Waschbär Band 23 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 24 – Der konservative Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 24 Der konservative Waschbär Band 24 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 25 – Der sozialdemokratische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 25 Der sozialdemokratische Waschbär Band 25 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 26 – Der linke Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 26 Der linke Waschbär Band 26 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 27 – Der rechtspopulistische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 27 Der rechtspopulistische Waschbär Band 27 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 28 – Der schwule Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 28 Der schwule Waschbär Band 28 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 29 – Die lesbische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 29 Die lesbische Waschbärin Band 29 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 30 – Der Gen-Z-Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 30 Der Gen-Z-Waschbär Band 30 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 31 – Die unpolitische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 31 Die unpolitische Waschbärin Band 31 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 32 – Das einzige Buch, das du über die Bahn lesen solltest Nr. 32 Alles über die Bahn Band 32 · Das einzige Buch, das du lesen solltest
— Stephan Pinkwart —

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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