Poetry Slam über die eigene Psyche: das Stellwerk im Kopf

Über die Seele redet man nicht gern.
Über einen gebrochenen Arm schon.
Aber über eine gebrochene Seele?
Da schweigen viele.
Aus Scham.
Aus Angst.
Aus dem Gefühl, allein zu sein.
Dabei kennt fast jeder dunkle Zeiten.
Phasen, in denen der Kopf nicht mehr will.
In denen alles zu viel ist.
Genau darum gehört das Thema auf die Bühne.
Denn Poesie kann das Schweigen brechen.
Sie kann sagen: Du bist nicht allein.
In diesem Beitrag zeige ich dir, wie du darüber schreibst.
Mit Ehrlichkeit.
Mit Würde.
Und mit Hoffnung.
Wir schauen ins Stellwerk im Kopf.
Über mentale Gesundheit schreiben: raus aus dem Schweigen
Lange war die Seele ein Tabu.
Wer nicht mehr konnte, galt als schwach.
Reiß dich zusammen, hieß es.
Das half niemandem.
Zum Glück ändert sich das langsam.
Immer mehr Menschen reden offen.
Über Depression.
Über Angst.
Über Erschöpfung.
Und die Bühne ist ein guter Ort dafür.
Denn ein Slam-Text erreicht die Herzen.
Er macht aus einer Statistik einen Menschen.
Aus einer Diagnose eine Geschichte.
Wenn du über deine dunklen Zeiten schreibst, hilfst du zweifach.
Dir selbst, weil das Aussprechen entlastet.
Und den Zuhörern, die sich wiedererkennen.
Die spüren: Da geht es jemandem wie mir.
Und der steht trotzdem auf der Bühne.
Das macht Mut.
Das Stellwerk im Kopf: wer stellt die Signale?
Stell dir ein altes Stellwerk vor.
So ein Häuschen am Bahnhof.
Voller Hebel und Schalter.
Von hier aus werden die Weichen gestellt.
Und die Signale.
Rot oder grün.
Halt oder Fahrt.
Unser Kopf ist so ein Stellwerk.
Ständig stellt er Signale.
Er entscheidet, welche Gedanken fahren dürfen.
Und welche warten müssen.
Meistens läuft das gut.
Aber manchmal spielt das Stellwerk verrückt.
Es stellt überall auf Rot.
Nichts geht mehr.
Oder es lässt lauter dunkle Gedanken fahren.
Und die guten müssen warten.
Das ist ein Bild für die Seele.
Das Stellwerk stellt nicht immer die Signale, die wir wollen.
Aber man kann lernen, es zu bedienen.
Mit Hilfe, mit Geduld, mit Zeit.
Warum das Thema auf die Bühne gehört
Manche fragen: Muss das sein?
So ein schweres Thema auf der Bühne?
Ja.
Gerade das muss sein.
Denn Schweigen macht die Sache schlimmer.
Wer glaubt, allein zu sein, verzweifelt eher.
Wer hört, dass es anderen auch so geht, schöpft Hoffnung.
Ein Slam-Text kann diese Brücke bauen.
Er sagt laut, was viele nur leise denken.
Und plötzlich ist das Unaussprechliche ausgesprochen.
Das entlastet den ganzen Saal.
Viele Zuhörer sind heimlich betroffen.
Oder kennen jemanden, der es ist.
Für sie ist so ein Text ein Geschenk.
Er nimmt die Scham.
Er sagt: Es ist okay, nicht okay zu sein.
Das ist ein wichtiger Satz.
Und ein Slam-Text kann ihn in die Welt tragen.
Weiter als jede Broschüre.
Denn er berührt.
Reden hilft — schweigen schadet
Eine einfache, wichtige Wahrheit.
Reden hilft.
Schweigen schadet.
Wer seine Last mit sich allein herumträgt, wird sie immer schwerer.
Wer sie ausspricht, teilt sie.
Und geteilte Last ist leichter.
Das gilt für das Gespräch mit Freunden.
Für das Gespräch mit der Familie.
Und für die Hilfe von Fachleuten.
Es gilt aber auch für das Schreiben.
Wer schreibt, ordnet das Chaos im Kopf.
Er bringt die wirren Gedanken auf Papier.
Und plötzlich sind sie nicht mehr so übermächtig.
Sie stehen da, schwarz auf weiß.
Und man kann sie anschauen.
Das Schreiben ist eine Form des Redens.
Ein Reden mit sich selbst.
Und manchmal der erste Schritt, es auch anderen zu sagen.
Darum ist ein Text über die Seele oft auch ein Stück Heilung.
Abraham Lincoln und die Schwermut
Es tröstet oft, von großen Menschen zu hören, die Ähnliches durchlebten.
Abraham Lincoln ist so ein Mensch.
Einer der berühmtesten Präsidenten der Geschichte.
Ein Mann, der ein ganzes Land führte.
Und doch trug er eine schwere Last.
Sein Leben lang begleitete ihn eine tiefe Schwermut.
So berichten es Zeitzeugen und Biografen.
Es gab Zeiten, da ging es ihm sehr schlecht.
Seine Freunde sorgten sich ernsthaft um ihn.
Er sprach offen von seiner Traurigkeit.
Er versteckte sie nicht hinter einer Maske.
Das war mutig, gerade in seiner Zeit.
Denn damals galt so etwas erst recht als Schwäche.
Doch Lincoln bewies das Gegenteil.
Man kann leiden und trotzdem Großes leisten.
Man kann dunkle Zeiten haben und trotzdem für andere da sein.
Das ist eine tröstliche, wichtige Botschaft.
Stärke trotz dunkler Zeiten
Lincoln gab nicht auf.
Das ist das Entscheidende.
Er lernte, mit seiner Schwermut zu leben.
Nicht sie zu besiegen, ein für alle Mal.
Sondern mit ihr zu fahren.
Wie ein Lokführer, der auch bei Nebel weiterfährt.
Langsam, vorsichtig, aber er fährt.
Und noch etwas ist bemerkenswert.
Seine dunklen Zeiten machten ihn nicht hart.
Sie machten ihn weich.
Mitfühlend.
Er verstand das Leid der anderen.
Weil er das eigene kannte.
Das ist ein schöner Gedanke.
Wer durch dunkle Zeiten gegangen ist, kann andere besser verstehen.
Aus der eigenen Wunde wird Mitgefühl.
Für einen Slam-Text ist das kostbar.
Denn es zeigt: Die dunklen Zeiten sind nicht nur Verlust.
Manchmal schenken sie uns ein tieferes Herz.
Babak Ghassim · „Depression“ · Poetry Slam
Die Signale im Kopf: Gedanken lenken uns
Zurück ins Stellwerk.
Unsere Gedanken sind wie Züge.
Ständig fahren sie durch den Kopf.
Manche sind hell und freundlich.
Manche dunkel und schwer.
Und das Stellwerk entscheidet, welche Vorfahrt haben.
In guten Zeiten lassen wir die hellen fahren.
In dunklen Zeiten übernehmen die schweren.
Sie fahren immer wieder dieselbe Strecke.
Im Kreis.
Das nennt man Grübeln.
Der Zug der düsteren Gedanken dreht seine Runden.
Und findet keinen Ausgang.
Ein Text kann das gut beschreiben.
Dieses Kreisen.
Dieses Nicht-abschalten-Können.
Denn viele kennen es.
Die Nacht, in der ein Gedanke immer wiederkommt.
Ihn in Worte zu fassen, hilft.
Es holt den Zug aus dem Kreis.
Und lenkt ihn auf ein neues Gleis.
Wenn das Stellwerk streikt
Manchmal streikt das Stellwerk ganz.
Dann steht alles still.
Kein Zug fährt mehr.
Kein Gedanke kommt durch.
Man liegt im Bett und kommt nicht hoch.
Nicht, weil man faul ist.
Sondern weil das Stellwerk nicht mehr will.
Das ist wichtig zu verstehen.
Eine Depression ist keine schlechte Laune.
Sie ist kein Sich-gehen-Lassen.
Sie ist eine ernste Sache.
So wie ein gebrochenes Bein nicht durch Willenskraft heilt.
So heilt eine kranke Seele nicht durch Zusammenreißen.
Sie braucht Hilfe.
Ein Text kann das klarmachen.
Er kann mit dem Missverständnis aufräumen.
Dass man nur wollen müsse.
Und er kann sagen: Wenn das Stellwerk streikt, hol dir einen Fachmann.
Das ist keine Schwäche.
Das ist klug.
Über die eigenen dunklen Zeiten schreiben
Der stärkste Text kommt aus der eigenen Erfahrung.
Wenn du selbst dunkle Zeiten kennst, hast du etwas zu sagen.
Etwas Echtes.
Etwas, das niemand nachmachen kann.
Aber geh behutsam mit dir um.
Schreib nur über das, was du schon ein Stück verarbeitet hast.
Eine ganz frische Wunde gehört noch nicht auf die Bühne.
Erst braucht sie Zeit.
Und vielleicht Hilfe.
Wenn aber etwas Abstand da ist, kann das Schreiben heilsam sein.
Es verwandelt den Schmerz in etwas.
In einen Text, der anderen hilft.
Dann war das Leid nicht ganz umsonst.
Es wird zu einer Landkarte.
Für andere, die denselben dunklen Tunnel durchfahren.
Erzähl also von deiner Fahrt durch die Dunkelheit.
Ehrlich.
Aber auch von dem Licht, das du gefunden hast.
Oder das du noch suchst.
Ehrlich, aber nicht ausbeuterisch
Ein feiner, wichtiger Grat.
Ein Text über die Seele soll ehrlich sein.
Aber nicht ausbeuterisch.
Was heißt das?
Ausbeuterisch wäre, den Schmerz für einen Effekt zu benutzen.
Ihn möglichst drastisch zu zeigen, nur um zu schockieren.
Das wird schnell würdelos.
Für dich und für die Betroffenen im Saal.
Ehrlich dagegen heißt: die Wahrheit zeigen.
Aber mit Respekt.
Vor dir selbst.
Und vor allen, die zuhören.
Du musst nicht jedes Detail ausbreiten.
Manches darf angedeutet bleiben.
Die Andeutung ist oft stärker als die Zurschaustellung.
Frag dich bei jeder Zeile: Diene ich der Wahrheit?
Oder nur dem Effekt?
Die Wahrheit berührt.
Der Effekt verpufft.
Und manchmal verletzt er sogar.
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Jetzt Kanal folgenKein Selbstmitleid, sondern Wahrheit
Eine Angst vieler Slammer.
Wirkt mein Text nicht wie Selbstmitleid?
Diese Sorge ist verständlich.
Aber sie ist meist unbegründet.
Selbstmitleid und Wahrheit sind zwei verschiedene Dinge.
Selbstmitleid sagt: Ich Ärmster, schaut mich an.
Es will Mitleid ernten.
Wahrheit sagt: So war es, so fühlte es sich an.
Sie will verstanden werden.
Der Unterschied liegt in der Haltung.
Ein wahrer Text jammert nicht.
Er berichtet.
Klar und ehrlich.
Und oft mit einem Funken Würde.
Sogar mit Kraft.
Denn allein die Tatsache, dass du auf der Bühne stehst, zeigt Stärke.
Du hast überlebt.
Du sprichst darüber.
Das ist kein Selbstmitleid.
Das ist Mut.
Und das Publikum spürt den Unterschied sofort.
Die Kraft, Hilfe anzunehmen
Ein wichtiger Gedanke, der in keinen Text fehlen sollte.
Hilfe anzunehmen ist Stärke.
Nicht Schwäche.
Lange dachte man das Gegenteil.
Ein starker Mensch schafft alles allein.
Was für ein Irrtum.
Wer sich Hilfe holt, ist nicht schwach.
Er ist klug.
Und mutig.
Denn es braucht Mut, um Hilfe zu bitten.
Beim Freund.
Bei der Familie.
Bei einem Arzt oder einer Therapeutin.
Ein Text kann diese Botschaft tragen.
Er kann sagen: Du musst das nicht allein schaffen.
Es gibt Menschen, die helfen.
Und es ist stark, sie zu rufen.
Wie ein Lokführer, der bei einem Problem die Leitstelle ruft.
Das ist kein Versagen.
Das ist genau richtig.
Louise Kenn · „Die Welt ist kein Ort zum Leben“ · Poetry Slam
Du bist nicht allein
Der wichtigste Satz zum Schluss dieses Abschnitts.
Du bist nicht allein.
Egal, wie dunkel es gerade ist.
Es gibt Millionen Menschen, die Ähnliches erleben.
Und es gibt Menschen, die helfen wollen.
Dieser Satz kann Leben retten.
Denn das Schlimmste an dunklen Zeiten ist das Gefühl der Einsamkeit.
Das Gefühl, der Einzige zu sein.
Ein Text kann dieses Gefühl durchbrechen.
Wenn ein Slammer von seiner Dunkelheit erzählt, denkt einer im Saal:
Moment, das kenne ich.
Dann bin ich also nicht allein.
In diesem Moment hat der Text schon geholfen.
Vielleicht mehr, als du je erfährst.
Darum ist es so wertvoll, über die Seele zu schreiben.
Es baut unsichtbare Brücken.
Zwischen einsamen Menschen.
Und sagt ihnen: Wir fahren alle mal durch dunkle Tunnel.
Aber wir fahren.
Und der Tunnel hat ein Ende.
Über Angst schreiben
Ein häufiger Begleiter der Seele ist die Angst.
Sie hat viele Gesichter.
Die Angst vor Menschen.
Die Angst zu versagen.
Die Angst, die ohne Grund kommt und den Atem nimmt.
Über Angst zu schreiben, ist stark.
Denn fast jeder kennt sie.
In der einen oder anderen Form.
Das Schöne ist: Die Angst lässt sich gut in Bilder fassen.
Der enge Tunnel, aus dem kein Licht dringt.
Das Herz, das rast wie ein Zug ohne Bremse.
Die Enge im Brustkorb, als säße man im überfüllten Abteil.
Solche Bilder machen die Angst greifbar.
Und wer sie greifen kann, fürchtet sie ein wenig weniger.
Ein Text über die Angst nimmt ihr etwas von ihrer Macht.
Weil er sie ans Licht holt.
Und was im Licht steht, ist nie mehr ganz so bedrohlich.
Über den Druck und die Erschöpfung
Ein sehr modernes Thema.
Der Druck.
Die ständige Erschöpfung.
Immer erreichbar.
Immer leisten.
Immer schneller.
Viele Menschen fühlen sich ausgebrannt.
Wie ein Zug, der zu lange ohne Pause gefahren ist.
Irgendwann geht der Motor kaputt.
Über diese Erschöpfung zu schreiben, trifft einen Nerv der Zeit.
Denn so viele kennen sie.
Das Gefühl, nicht mehr zu können.
Und trotzdem weitermachen zu müssen.
Ein Text kann hier innehalten.
Er kann fragen: Warum eigentlich immer schneller?
Er kann für Pausen plädieren.
Für das Recht, auch mal stehen zu bleiben.
Auf einem Abstellgleis, um Kraft zu tanken.
Das ist keine Faulheit.
Das ist Selbstschutz.
Und ein wichtiger Gegenpol zu einer rastlosen Welt.
Konkret werden: die Psyche in Bildern
Die Seele ist unsichtbar.
Darum braucht sie Bilder.
Damit man sie zeigen kann.
Das Stellwerk im Kopf ist so ein Bild.
Aber es gibt viele mehr.
Der Nebel, der alles grau macht.
Die schwere Decke, die einen im Bett festhält.
Der Tunnel ohne Licht am Ende.
Der Zug, der immer im Kreis fährt.
Solche Bilder machen das Unsichtbare sichtbar.
Sie helfen den Betroffenen, ihr Gefühl zu benennen.
Und den anderen, es zu verstehen.
Das ist die große Kraft der Poesie.
Sie gibt dem Namenlosen einen Namen.
Und dem Unsichtbaren eine Gestalt.
Suche also dein eigenes Bild.
Für das, was in dir vorgeht.
Und plötzlich lässt es sich teilen.
Das ist der erste Schritt aus der Einsamkeit.
Das Klischee vermeiden
Auch bei diesem Thema gibt es Klischees.
Der Regen, der zur Traurigkeit passt.
Das gebrochene Herz aus Glas.
Die Dämonen, die man bekämpft.
Solche Bilder sind abgenutzt.
Und sie werden dem Ernst des Themas nicht gerecht.
Wie kommst du raus?
Wieder über das Konkrete.
Nicht die allgemeinen Dämonen.
Sondern die eine Sache, die dir morgens schwerfällt.
Das kalte Wasserglas, das seit Tagen am Bett steht.
Die Nachricht, die man nicht beantworten kann.
Die Vorhänge, die zubleiben.
Solche kleinen, echten Details treffen.
Viel mehr als große dramatische Bilder.
Denn sie sind wahr.
Und Betroffene erkennen sich sofort wieder.
Genau in diesen kleinen Dingen zeigt sich die Seele.
Also lass die Dämonen weg.
Und erzähl vom kalten Wasserglas.
Nicht diagnostizieren, sondern erzählen
Ein wichtiger Hinweis.
Ein Slam-Text ist keine Diagnose.
Du bist Dichter, nicht Arzt.
Also spiel keinen Fachmann.
Wirf nicht mit Fachbegriffen um dich.
Erzähl lieber, wie es sich anfühlt.
Das ist deine Stärke.
Ein Arzt kann eine Depression benennen.
Ein Dichter kann sie fühlbar machen.
Das ist etwas anderes.
Und es ist genauso wichtig.
Denn Zahlen und Namen erreichen den Kopf.
Gefühle erreichen das Herz.
Bleib also bei deiner Erfahrung.
Bei dem, was du selbst kennst.
Und überlass die Diagnose den Fachleuten.
Aber weise ruhig auf sie hin.
Ein Text darf sagen: Wenn es dir so geht, sprich mit einem Profi.
Das ist verantwortungsvoll.
Und es rettet vielleicht jemandem den Weg.
Humor darf sein — mit Fingerspitzengefühl
Darf man über die Seele auch lachen?
Ja.
Mit Fingerspitzengefühl.
Humor kann bei einem schweren Thema Gold wert sein.
Er nimmt die Schwere für einen Moment.
Er lässt aufatmen.
Und er zeigt: Trotz allem gibt es noch etwas zu lachen.
Viele Betroffene entwickeln einen feinen, dunklen Humor.
Er hilft ihnen, mit der Last zu leben.
Dieser Humor darf in einen Text.
Aber die Regel ist wichtig.
Man lacht über die eigene Not.
Nie über die von anderen.
Man lacht mit den Betroffenen.
Nie über sie.
Wenn du das beachtest, ist Humor ein Geschenk.
Er macht den Text menschlich.
Und er zeigt eine wichtige Wahrheit.
Selbst in dunklen Zeiten ist das Lachen nicht ganz verloren.
Es blitzt manchmal durch.
Wie ein Sonnenstrahl im grauen Nebel.
Hoffnung als Grundton
Der wichtigste Rat für dieses Thema.
Lass die Hoffnung nicht aus.
Ein Text über die Seele darf dunkel sein.
Er darf ehrlich vom Leid erzählen.
Aber am Ende sollte ein Licht sein.
Und sei es nur ein kleines.
Denn du sprichst vielleicht zu Menschen, denen es gerade schlecht geht.
Sie brauchen keinen Text, der sie tiefer zieht.
Sie brauchen einen, der sie an die Hand nimmt.
Der sagt: Es kann wieder besser werden.
Der Tunnel hat ein Ende.
Das ist keine Lüge.
Denn den meisten geht es irgendwann wieder besser.
Vor allem mit Hilfe.
Diese Hoffnung ist kein Kitsch.
Sie ist verantwortungsvoll.
Sie kann ein Halt sein.
Also lass am Ende deines Textes ein Signal auf Grün springen.
Auch wenn die Fahrt bis dahin dunkel war.
Der achtsame Umgang mit dem Publikum
Bei diesem Thema sitzt fast immer jemand im Saal, der betroffen ist.
Das solltest du bedenken.
Geh achtsam mit deinem Publikum um.
Überfahre niemanden mit drastischen Bildern.
Kündige schwere Stellen ruhig an, wenn nötig.
Gib den Menschen Halt, keinen Schock.
Denn ein Text kann viel bewirken.
Im Guten wie im Schlechten.
Ein achtsamer Text nimmt die Zuhörer an die Hand.
Er sagt: Ich weiß, das ist schwer.
Ich bin behutsam mit dir.
Das schafft Vertrauen.
Und Vertrauen ist die Grundlage, damit ein Text wirken kann.
Achtsamkeit heißt nicht, alles wegzulassen.
Es heißt, mit Verantwortung zu erzählen.
Im Wissen, dass echte Menschen zuhören.
Mit echten Wunden.
Dann wird dein Text zu einem sicheren Ort.
Für einen Moment.
Dramaturgie: durch den Tunnel ins Licht
Ein Text über die Seele hat oft einen Bogen.
Durch den Tunnel ins Licht.
Am Anfang steht die Dunkelheit.
Das rote Signal, der Stillstand, die Schwere.
Das Publikum steigt mit ein in den dunklen Zug.
Dann kommt die Fahrt durch den Tunnel.
Die schwerste Strecke.
Aber ein Tunnel ist kein Ende.
Er ist ein Durchgang.
Und irgendwann zeigt sich Licht.
Erst ein Punkt.
Dann heller.
Bis der Zug wieder ans Tageslicht kommt.
Dieser Bogen ist wichtig.
Denn er gibt dem Leid einen Sinn und eine Richtung.
Er sagt: Auch dieser Tunnel geht vorbei.
Nicht immer von selbst.
Manchmal braucht es Hilfe, um durchzukommen.
Aber es gibt ein Danach.
Und das darf dein Text zeigen.
Der Anfang: das rote Signal
Wie beginnt ein Text über die Seele?
Am besten mit einem konkreten Moment.
Nicht: Ich möchte über Depression sprechen.
Das ist zu allgemein.
Sondern: Es ist elf Uhr, und ich liege noch immer im Bett.
Sofort ist eine Szene da.
Ein Mensch, ein Zustand, eine stille Not.
Oder du beginnst mit dem Bild.
Das Stellwerk steht auf Rot.
Alle Signale halten.
Kein Zug fährt.
Sofort spürt das Publikum den Stillstand.
Diese Schwere.
Ein starker Anfang zeigt, statt zu erklären.
Er lässt uns fühlen, wie es ist.
Wenn im Kopf nichts mehr fährt.
Von dort aus kann die Fahrt beginnen.
Langsam.
Vom roten Signal.
Hin zu einem ersten, zaghaften Grün.
Die Wendung: ein neues Signal
Das Herz eines solchen Textes ist die Wende.
Der Moment, in dem sich etwas bewegt.
Ein Signal springt um.
Von Rot auf Grün.
Was löst so eine Wende aus?
Oft etwas Kleines.
Ein Anruf eines Freundes.
Ein erster Schritt zur Hilfe.
Ein winziger Moment, in dem das Grau kurz aufreißt.
Diese Wende muss nicht die große Heilung sein.
Es reicht ein erster Lichtstrahl.
Ein erstes Signal, das wieder Fahrt erlaubt.
Denn so ist es im echten Leben.
Es wird selten auf einen Schlag gut.
Es beginnt mit einem einzigen grünen Signal.
Und dann noch einem.
Zeig diese kleine Wende ehrlich.
Sie ist glaubwürdiger als ein plötzliches Happy End.
Und sie macht echten Mut.
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Deine Nummer bleibt geheim. Du liest, ich schreibe – ganz ohne Datensammeln.
Jetzt Kanal folgenDas Ende: die Fahrt wird wieder frei
Wie endet ein Text über die Seele?
Mit einem Funken Zuversicht.
Die Fahrt wird wieder frei.
Nicht mit einem großen Triumph.
Das wäre unehrlich.
Sondern mit einem leisen Weiter.
Ein Signal steht auf Grün.
Der Zug rollt wieder an.
Vorsichtig, aber er rollt.
So ein Ende schenkt Hoffnung.
Ohne die Schwere zu leugnen.
Du kannst auch offen enden.
Es ist noch nicht gut, aber es wird.
Ich fahre weiter, Signal für Signal.
Das ist ehrlich.
Und tröstlich zugleich.
Wichtig ist nur: Lass das Publikum nicht im Tunnel zurück.
Führe es zumindest ein Stück Richtung Licht.
Denn genau das kann ein Text schenken.
Die Ahnung, dass es weitergeht.
Auf der Bühne: ein verletzliches Thema tragen
Über die eigene Seele zu sprechen, macht verletzlich.
Das ist mutig.
Und es verlangt einen behutsamen Vortrag.
Sprich ruhig.
Du musst nichts beweisen.
Deine Ehrlichkeit ist schon genug.
Nutze Pausen.
Gerade an den schweren Stellen.
Sie geben dir und dem Publikum Luft.
Es ist in Ordnung, wenn deine Stimme zittert.
Das ist kein Fehler.
Das ist echt.
Und Echtheit berührt am meisten.
Aber pass auch auf dich auf.
Trag nur vor, was du tragen kannst.
Wenn ein Text dich zu sehr aufwühlt, ist das ein Zeichen.
Vielleicht braucht er noch Zeit.
Oder er bleibt ein Text nur für dich.
Beides ist völlig in Ordnung.
Deine Gesundheit geht vor.
Immer.
Selbstfürsorge: Pausen sind erlaubt
Ein Gedanke, der in unsere hektische Zeit gehört.
Pausen sind erlaubt.
Sogar nötig.
Kein Zug fährt endlos ohne Halt.
Er muss tanken, warten, gewartet werden.
Sonst bleibt er irgendwann liegen.
Mit uns Menschen ist es genauso.
Wir können nicht immer nur fahren.
Immer nur leisten.
Immer nur funktionieren.
Auch wir brauchen den Halt am Bahnsteig.
Den Moment der Ruhe.
Das ist keine Faulheit.
Das ist Selbstfürsorge.
Ein Text kann das feiern.
Er kann für das Recht auf Pausen eintreten.
Für das Innehalten in einer rastlosen Welt.
Denn wer nie hält, verliert irgendwann die Kraft zum Fahren.
Sei also gut zu dir.
Gönn dir den Halt.
Er ist kein Rückschritt.
Er ist die Voraussetzung, um weiterzukommen.
Auch das ist eine wichtige Botschaft für die Bühne.
Schreiben als kleine Selbsthilfe
Zum Schluss dieses Abschnitts ein tröstlicher Gedanke.
Schreiben selbst kann helfen.
Nicht als Ersatz für echte Hilfe.
Aber als kleine Unterstützung.
Wer schreibt, holt die Gedanken aus dem Kopf.
Aufs Papier.
Dort verlieren sie einen Teil ihrer Macht.
Man kann sie anschauen.
Man kann sie ordnen.
Man kann sie sogar ein bisschen verändern.
Viele Menschen führen ein Tagebuch.
Gerade in schweren Zeiten.
Weil das Schreiben Halt gibt.
Es ist wie ein Gespräch mit sich selbst.
Ein Ordnen des inneren Stellwerks.
Ein Slam-Text kann daraus entstehen.
Aus einem privaten Blatt wird vielleicht ein Text für die Bühne.
Der dann anderen hilft.
So schließt sich ein schöner Kreis.
Aus der eigenen Not wird ein Trost für andere.
Das ist die stille Kraft des Schreibens.
Übung: dein Text über die Seele

Jetzt bist du dran.
Eine behutsame Übung.
Nur, wenn du dich bereit fühlst.
Nimm dir Zeit und ein leeres Blatt.
Schritt eins: Denk an ein Gefühl, das du kennst.
Traurigkeit, Angst, Erschöpfung, Leere.
Etwas, das schon ein wenig Abstand hat.
Schritt zwei: Finde ein Bild dafür.
Ein Stellwerk, ein Nebel, ein Tunnel.
Oder ein ganz eigenes.
Schritt drei: Beschreib einen konkreten Moment.
Klein und wahr.
Schritt vier: Such nach einem Funken Licht.
Und sei es nur ein einziges grünes Signal.
Und schon hast du dein Gerüst.
Geh sanft mit dir um dabei.
Mach Pausen, wenn es schwer wird.
Und denk daran: Du musst diesen Text niemandem zeigen.
Manchmal reicht es, ihn für sich zu schreiben.
Wenn du selbst Hilfe brauchst
Ein ernster, wichtiger Absatz zum Schluss.
Dieser Beitrag handelt vom Schreiben.
Er ist keine Therapie.
Und er ersetzt keine Hilfe.
Wenn es dir wirklich schlecht geht, dann sprich mit jemandem.
Mit einem Menschen, dem du vertraust.
Mit deinem Hausarzt.
Mit einer Therapeutin oder einem Therapeuten.
In Deutschland gibt es auch die Telefonseelsorge.
Sie ist rund um die Uhr erreichbar.
Kostenlos und vertraulich.
Sich Hilfe zu holen, ist keine Schwäche.
Es ist der mutigste und klügste Schritt.
Ein Gedicht kann trösten.
Es kann das Schweigen brechen.
Aber die Hand eines Menschen ersetzt es nicht.
Also, wenn dein Stellwerk streikt:
Ruf die Leitstelle.
Du musst nicht allein durch den Tunnel.
Niemand muss das.
Fazit: das Stellwerk im Kopf
Wir sind am Ende unserer Fahrt.
Und wir stehen wieder im Stellwerk.
Im Stellwerk im Kopf.
Es stellt nicht immer die Signale, die wir wollen.
Manchmal steht alles auf Rot.
Manchmal fahren nur die dunklen Gedanken.
Aber wir haben gesehen:
Man kann lernen, das Stellwerk zu bedienen.
Mit Hilfe.
Mit Geduld.
Mit der Zeit.
Und über all das kann man schreiben.
Ehrlich, mit Würde, mit Hoffnung.
Abraham Lincoln hat uns gezeigt, dass man leiden und trotzdem Großes leisten kann.
Dass dunkle Zeiten uns sogar mitfühlender machen.
Wenn du über die Seele schreibst, tust du etwas Mutiges.
Du brichst das Schweigen.
Und du sagst allen, die zuhören: Ihr seid nicht allein.
Das ist vielleicht das Größte, was ein Text kann.
Also setz dich hin und schreib.
Behutsam.
Und hol dir Hilfe, wenn du sie brauchst.
Der Tunnel hat ein Ende.
Immer.
