Poetry Slam über Hass: das falsche Gleis

Poetry Slam über Hass: das falsche Gleis

Poetry Slam über Hass: eine Weiche lenkt auf ein rostiges, überwuchertes Abstellgleis
bahn-slam.de

Hass ist überall.

In den Kommentarspalten.

In den Nachrichten.

Manchmal im eigenen Herzen.

Und darum ist Hass ein wichtiges Slam-Thema.

Nicht, um ihn zu schüren.

Sondern um ihn zu verstehen.

Und ihm etwas entgegenzusetzen.

Denn Slam war schon immer auch politisch.

Eine Bühne für das, was uns bewegt.

In diesem Beitrag zeige ich dir, wie du über Hass schreibst.

Ohne selbst zu hassen.

Ohne mit dem Finger nach unten zu zeigen.

Sondern klug, mutig und klar.

Denn gegen den Hass hilft kein Gegenhass.

Sondern etwas anderes.

Fangen wir an.

Über Hass schreiben: verstehen, nicht schüren

Zuerst eine wichtige Regel.

Ein Text über Hass darf nicht selbst hassen.

Sonst wird er Teil des Problems.

Es ist leicht, zurückzuhassen.

Die Hasser zu hassen.

Aber das führt nur zu mehr Hass.

Ein kluger Text tut etwas anderes.

Er versucht zu verstehen.

Woher kommt der Hass?

Was steckt dahinter?

Das heißt nicht, den Hass zu entschuldigen.

Es heißt, ihn zu durchschauen.

Denn was man versteht, kann man bekämpfen.

Und es gibt noch eine Regel.

Der Spott zielt nach oben.

Auf die, die den Hass säen.

Auf die Mächtigen, die davon profitieren.

Nie nach unten.

Nie auf die Schwachen.

Ein guter Hass-Text kämpft gegen den Hass.

Nicht gegen die Verängstigten, die ihm verfallen.

Das falsche Gleis: Hass führt ins Abseits

Stell dir eine Weiche vor.

Sie kann dich aufs richtige Gleis lenken.

Oder aufs falsche.

Das falsche Gleis sieht erst aus wie jedes andere.

Man fährt los, mit voller Kraft.

Es fühlt sich nach Fahrt an.

Nach Bewegung, nach Stärke.

Aber es führt ins Abseits.

Auf ein totes, rostiges Gleis.

Das irgendwo im Nichts endet.

Genau das ist der Hass.

Er fühlt sich mächtig an.

Der Hassende glaubt, etwas zu tun.

Er glaubt, stark zu sein.

Aber der Hass führt nirgendwohin.

Er zerstört nur.

Vor allem den, der hasst.

Denn Hass ist eine schwere Last.

Man trägt ihn den ganzen Tag mit sich.

Er vergiftet die Gedanken.

Er raubt den Schlaf.

Das falsche Gleis ist ein starkes Bild.

Weil es zeigt: Hass ist kein Weg.

Er ist ein Abstellgleis.

Woher kommt der Hass?

Kein Mensch wird hassend geboren.

Hass wird gelernt.

Er wächst irgendwo.

Und meistens wächst er aus etwas anderem.

Aus Angst.

Aus Kränkung.

Aus dem Gefühl, zu kurz zu kommen.

Wer hasst, fühlt sich oft schwach.

Und sucht jemanden, an dem er sich stark fühlen kann.

Das ist keine Entschuldigung.

Aber es ist eine Erklärung.

Und für einen guten Text ist das wichtig.

Denn ein Text, der den Hass nur beschimpft, prallt ab.

Ein Text, der ihn durchschaut, trifft.

Frag also in deinem Text nach der Wurzel.

Was hat diesen Menschen so hart gemacht?

Was hat ihm Angst gemacht?

Wer hat ihm eingeredet, dass andere schuld sind?

Diese Fragen machen deinen Text tief.

Und sie machen ihn menschlich.

Angst ist die Wurzel

Ganz oft steckt Angst hinter dem Hass.

Angst vor dem Fremden.

Angst vor Veränderung.

Angst vor dem Abstieg.

Wer Angst hat, sucht einen Schuldigen.

Denn ein Schuldiger macht die Angst greifbar.

Dann ist nicht mehr alles diffus.

Dann gibt es einen Feind.

Und gegen einen Feind kann man kämpfen.

Das fühlt sich besser an als Ohnmacht.

Genau hier setzen die Hetzer an.

Sie schüren die Angst.

Und dann liefern sie den Schuldigen gleich mit.

Meistens sind es die Schwächsten.

Die, die sich am wenigsten wehren können.

In deinem Text darfst du das benennen.

Du darfst zeigen, wie dieser Mechanismus funktioniert.

Denn wer den Trick durchschaut, fällt nicht mehr darauf herein.

Aufklärung ist selbst schon Widerstand.

Und Poesie kann aufklären, ohne zu belehren.

Hass im Netz: die Kommentarspalten

Am lautesten ist der Hass im Internet.

In den Kommentarspalten.

In den sozialen Netzwerken.

Dort ist er billig.

Ein Klick, ein Wort, und die Bosheit ist raus.

Ohne Gesicht.

Ohne Namen.

Ohne Folgen für den, der hetzt.

Das macht es so leicht.

Von Angesicht zu Angesicht würden die meisten schweigen.

Aber hinter dem Bildschirm werden sie mutig.

Ein trauriger Mut.

Über diesen Hass zu schreiben, lohnt sich.

Weil ihn so viele kennen.

Fast jeder hat schon einen fiesen Kommentar gelesen.

Viele haben selbst schon welche bekommen.

Ein Text darüber trifft einen wunden Punkt.

Und er kann Mut machen.

Mut, nicht zu schweigen.

Mut, dagegenzuhalten.

Der Algorithmus verdient am Hass

Es gibt einen Grund, warum der Hass online so laut ist.

Er wird belohnt.

Nicht von Menschen.

Von Maschinen.

Der Algorithmus liebt Aufregung.

Was aufregt, wird geklickt.

Was geklickt wird, wird gezeigt.

Und Hass regt auf wie kaum etwas anderes.

Also wird Hass nach oben gespült.

Die leisen, klugen Stimmen gehen unter.

Die schrillen, wütenden gewinnen.

Das ist kein Zufall.

Das ist ein Geschäft.

Jemand verdient Geld an der Wut.

Und genau da zeigt dein Spott hin.

Nach oben.

Auf die, die an der Spaltung verdienen.

Nicht auf den einsamen Menschen, der abends hetzt.

Sondern auf die Konzerne, die ihn dazu bringen.

Das ist ein Thema, das brennt.

Und ein Slam-Text kann es auf den Punkt bringen.

Gandhi und der Weg ohne Hass

Kommen wir zurück zu Mahatma Gandhi.

Er ist das große Beispiel für den Widerstand ohne Hass.

Gandhi lebte in einer Zeit voller Unrecht.

Indien war eine Kolonie.

Fremde Mächte bestimmten über sein Volk.

Es gab genug Gründe für Wut.

Es gab genug Gründe für Hass.

Viele wollten mit Gewalt antworten.

Gandhi wählte einen anderen Weg.

Den gewaltfreien Widerstand.

Das heißt nicht: nichts tun.

Im Gegenteil.

Es heißt: kämpfen, aber ohne Waffen.

Mit Streik.

Mit Protest.

Mit dem eigenen Körper als Zeichen.

So ist es überliefert.

Und das war unbequem für die Mächtigen.

Denn gegen einen Feind, der nicht zurückschlägt, kann man schlecht kämpfen.

Der Hass läuft dann ins Leere.

Warum Gegenhass nicht funktioniert

Sinngemäß soll Gandhi gesagt haben:

Auge um Auge macht am Ende die ganze Welt blind.

Ein starker Satz.

Er beschreibt, warum Gegenhass nicht funktioniert.

Wenn ich zurückhasse, hasst der andere noch mehr.

Dann hasse ich wieder mehr.

Und so dreht sich die Spirale.

Immer weiter nach unten.

Bis alle blind sind vor Hass.

Der einzige Weg aus der Spirale ist der Ausstieg.

Einer muss aufhören.

Einer muss sagen: Ich mache da nicht mit.

Das ist keine Schwäche.

Das ist die größte Stärke.

Denn es braucht mehr Kraft, nicht zurückzuschlagen.

Genau davon kann dein Text erzählen.

Nicht als Predigt.

Sondern als Bild, als Szene, als Geschichte.

Gandhi hat gezeigt, dass es geht.

Ein ganzes Land wurde frei, ohne Krieg.

Der Unterschied zwischen Wut und Hass

Jetzt ein wichtiger Unterschied.

Wut und Hass sind nicht dasselbe.

Das wird oft verwechselt.

Aber es lohnt sich, genauer hinzusehen.

Wut ist ein Gefühl.

Ein heißes, schnelles Gefühl.

Sie flammt auf und verglüht wieder.

Wut sagt: Hier stimmt etwas nicht.

Sie ist ein Signal.

Hass ist etwas anderes.

Hass ist kalt.

Er bleibt.

Er setzt sich fest.

Hass will zerstören.

Wut will verändern.

Das ist der große Unterschied.

Wut kann etwas bewegen.

Hass bewegt nichts.

Er lähmt nur.

Für deinen Text ist das wichtig.

Denn Wut darfst du zeigen.

Wut ist erlaubt.

Nur der Hass ist das falsche Gleis.

Wut kann gut sein

Ja, Wut kann sogar gut sein.

Denk an die großen Bewegungen der Geschichte.

Sie begannen fast immer mit Wut.

Mit dem Gefühl: So geht das nicht weiter.

Wut über Unrecht ist gerecht.

Wut über Ausbeutung treibt an.

Wut über Lügen macht wach.

Diese Wut ist ein Motor.

Sie bringt Menschen auf die Straße.

Sie bringt Menschen auf die Bühne.

Ein guter Slam-Text darf zornig sein.

Er darf laut werden.

Er darf anklagen.

Aber er richtet die Wut auf die richtige Adresse.

Auf das Unrecht.

Auf die Ursachen.

Nicht auf einen Sündenbock.

Wut, die aufbaut, ist Kraft.

Wut, die nur niedermacht, kippt in Hass.

Lerne, die eine von der anderen zu unterscheiden.

Über die eigene Wut schreiben

Der beste Stoff liegt oft in dir selbst.

Auch du kennst Wut.

Auch du kennst den Moment, in dem es dir reicht.

Vielleicht über eine Ungerechtigkeit.

Vielleicht über einen dummen Spruch.

Vielleicht über die große Politik.

Diese Wut ist ehrlich.

Und ehrliche Wut macht gute Texte.

Frag dich also: Worüber werde ich wütend?

Was bringt mein Blut zum Kochen?

Schreib es auf.

Ungeschönt, roh, direkt.

Das ist dein erster Entwurf.

Danach kommt die Arbeit.

Du formst die Wut.

Du gibst ihr eine Richtung.

Du sorgst dafür, dass sie nach oben zeigt.

Und du achtest darauf, dass sie nicht in Hass kippt.

So wird aus einem Gefühl ein Text.

Aus einem Impuls eine Botschaft.

Hass gegen Gruppen: das gefährlichste Gift

Es gibt eine besonders üble Form von Hass.

Den Hass gegen ganze Gruppen.

Gegen Menschen wegen ihrer Herkunft.

Wegen ihres Glaubens.

Wegen ihrer Liebe.

Wegen ihres Aussehens.

Dieser Hass ist das gefährlichste Gift.

Denn er trifft Menschen für etwas, das sie nicht ändern können.

Und er trifft nicht einen, sondern viele.

Die Geschichte zeigt, wohin das führt.

Erst sind es Worte.

Dann sind es Taten.

Darum darf man solchen Hass nie klein reden.

Nie als Meinung durchgehen lassen.

Ein Slam-Text kann hier klar Stellung beziehen.

Er kann für die einstehen, die getroffen werden.

Er kann ihnen eine Stimme leihen.

Das ist eine der schönsten Aufgaben der Bühne.

Da sein für die, die sonst überhört werden.

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Sprache schafft Wirklichkeit

Worte sind nie nur Worte.

Sprache schafft Wirklichkeit.

Wie wir über Menschen reden, formt, wie wir sie sehen.

Der Hass beginnt mit der Sprache.

Erst werden Menschen zu Zahlen.

Dann zu Problemen.

Dann zu Feinden.

Jeder Schritt macht den nächsten leichter.

Wer einen Menschen erst entmenschlicht hat, dem fällt alles Weitere leicht.

Das ist die dunkle Macht der Worte.

Aber es gibt auch die helle Macht.

Sprache kann Menschen auch groß machen.

Sie kann Würde zurückgeben.

Sie kann aus einer Nummer wieder einen Menschen machen.

Genau das ist deine Aufgabe als Slammer.

Du benutzt die Sprache für das Gute.

Du gibst den Menschen ihre Namen zurück.

Ihre Gesichter.

Ihre Geschichten.

Das ist das genaue Gegenteil von Hass.

Wie du Betroffene sichtbar machst

Hass redet über Gruppen.

Poesie erzählt von Menschen.

Das ist ein feiner, aber wichtiger Unterschied.

Wenn du über die schreibst, die getroffen werden, mach sie konkret.

Gib ihnen einen Namen.

Gib ihnen eine Geschichte.

Erzähl von dem einen Menschen, nicht von der Masse.

Denn eine Zahl berührt uns nicht.

Ein Gesicht schon.

Erzähl von der Frau, die morgens die Straße kehrt.

Von dem Kind, das eine neue Sprache lernt.

Von dem Mann, der Angst hat, angesprochen zu werden.

So machst du das Abstrakte greifbar.

Und du machst das Publikum zu Zeugen.

Es kann nicht mehr wegsehen.

Es lernt einen Menschen kennen.

Und einen Menschen hasst man schwerer als eine Gruppe.

Das ist die stille Kraft deiner Geschichte.

Sie holt die Menschen aus der Anonymität.

Der Spott zeigt nach oben

Ich habe es am Anfang gesagt.

Jetzt vertiefen wir es.

Der Spott in einem guten Text zeigt nach oben.

Was heißt das genau?

Nach oben heißt: auf die Mächtigen.

Auf die, die Verantwortung tragen.

Auf die, die von der Spaltung profitieren.

Auf die Politiker, die mit Angst Stimmen sammeln.

Auf die Konzerne, die an der Wut verdienen.

Auf die Hetzer, die genau wissen, was sie tun.

Nach unten wäre: auf die Schwachen.

Auf die Verängstigten.

Auf die, die selbst kaum eine Stimme haben.

Das ist billig.

Und es ist feige.

Gute Satire tritt nach oben.

Sie nimmt sich die Großen vor.

Nie die Kleinen.

Merk dir diese eine Regel, und du machst schon vieles richtig.

Sie ist der Kompass für jeden politischen Text.

Björn Högsdal · „Hass & Hetze“ · Poetry Slam

Humor als Waffe gegen Hass

Es klingt vielleicht seltsam.

Aber gegen Hass hilft oft Humor.

Denn Hass will ernst genommen werden.

Er will groß und mächtig wirken.

Nichts fürchtet er mehr als Gelächter.

Wer über den Hetzer lacht, nimmt ihm die Macht.

Plötzlich ist er nicht mehr bedrohlich.

Sondern lächerlich.

Ein kleiner Mann, der laut schreit.

Das ist eine alte Waffe.

Kabarettisten kennen sie seit hundert Jahren.

Auch im Slam funktioniert sie.

Ein kluger Witz sagt mehr als eine wütende Anklage.

Er entlarvt.

Er entblößt.

Er zeigt, wie hohl die großen Worte sind.

Aber Vorsicht.

Auch der Humor zeigt nach oben.

Man lacht über die Mächtigen.

Nie über die Opfer.

Konkret werden: eine Szene statt einer Predigt

Der häufigste Fehler bei politischen Texten?

Sie predigen.

Sie erklären dem Publikum die Welt.

Sie sagen, was gut und was böse ist.

Und das Publikum schaltet ab.

Denn niemand mag Belehrungen.

Vor allem nicht auf einer Bühne.

Der bessere Weg ist die Szene.

Zeig einen Moment.

Einen einzigen, konkreten Moment.

Die U-Bahn, in der jemand angepöbelt wird.

Der Schulhof, auf dem ein Kind ausgegrenzt wird.

Der Kommentar, der einen Menschen zerbricht.

Solche Szenen wirken.

Weil sie echt sind.

Weil das Publikum sie kennt.

Aus einer Szene zieht jeder seine eigene Lehre.

Und das ist viel stärker als jede Predigt.

Denn was man selbst erkennt, glaubt man wirklich.

Zeigen, nicht behaupten

Damit sind wir bei einer alten Regel.

Zeigen, nicht behaupten.

Behaupten heißt: Der Hass ist schlimm.

Zeigen heißt: die zitternde Hand am Türgriff.

Behaupten heißt: Ausgrenzung tut weh.

Zeigen heißt: der leere Stuhl neben dem Kind.

Merkst du den Unterschied?

Das eine sagt es nur.

Das andere lässt es dich fühlen.

Behauptungen prallen ab.

Bilder bleiben haften.

Suche also für jede Aussage ein Bild.

Für jedes Gefühl eine Geste.

Für jede These eine Szene.

So wird dein Text lebendig.

Er hört auf zu erklären.

Er fängt an zu zeigen.

Und ein Text, der zeigt, überzeugt.

Ohne ein einziges Mal belehren zu müssen.

Das ist die hohe Kunst.

Das Ich im Text gegen Hass

Wo stehst du selbst in deinem Text?

Das ist eine wichtige Frage.

Ein Text, der nur mit dem Finger zeigt, wirkt selbstgerecht.

Als stündest du über allem.

Als wärst du der gute Mensch, der die bösen anklagt.

Das Publikum spürt das sofort.

Und es mag es nicht.

Viel stärker ist es, dich selbst hineinzunehmen.

Auch du hast schon geschwiegen, als du hättest reden sollen.

Auch du hast schon weggesehen.

Auch dir sind schon fiese Gedanken gekommen.

Das zuzugeben, ist mutig.

Und es macht dich glaubwürdig.

Denn dann redest du nicht von oben herab.

Dann redest du auf Augenhöhe.

Als einer, der auch ringt.

Der auch fehlbar ist.

Das öffnet die Herzen.

Denn niemand hört einem Heiligen gern zu.

Aber einem Menschen schon.

Ehrlichkeit über eigene Vorurteile

Gehen wir noch einen Schritt weiter.

Jeder Mensch hat Vorurteile.

Auch du.

Auch ich.

Sie stecken tief in uns.

Wir haben sie nicht gewählt.

Aber wir sind dafür verantwortlich, was wir mit ihnen tun.

Ein ehrlicher Text kann das zum Thema machen.

Er kann zeigen, wie ein Vorurteil aufblitzt.

Und wie man sich dagegen entscheidet.

Das ist ehrlicher als jede Heldenpose.

Denn es zeigt: Der Kampf gegen den Hass beginnt im eigenen Kopf.

Nicht bei den anderen.

Bei uns selbst.

Ein solcher Text lädt zum Mitdenken ein.

Er sagt nicht: Schaut, wie böse die sind.

Er sagt: Schaut, wie leicht es uns allen passiert.

Und wie wir uns trotzdem anders entscheiden können.

Das ist Poesie, die verbindet, statt zu spalten.

Der Ton: leise kann lauter sein

Viele glauben, ein Text gegen Hass müsse laut sein.

Wütend.

Anklagend.

Manchmal stimmt das.

Oft aber ist das Gegenteil stärker.

Leise kann lauter sein.

Ein Flüstern kann mehr treffen als ein Schrei.

Denn wenn alle schreien, hört keiner mehr zu.

Aber wer plötzlich leise wird, zwingt zum Hinhören.

Stell dir das auf der Bühne vor.

Du hast über den Hass gesprochen.

Laut, klar, mit Wucht.

Und dann wirst du still.

Und erzählst ganz leise von einem Menschen.

Der Saal hält den Atem an.

Genau in dieser Stille liegt die Kraft.

Der Kontrast macht es.

Nutze beides.

Die Wucht und die Stille.

Das Laute und das Leise.

So bekommt dein Text einen Puls.

Die Dramaturgie eines Textes gegen Hass

Auch ein politischer Text braucht Aufbau.

Er darf nicht nur eine lange Anklage sein.

Er braucht eine Reise.

Einen Weg, den das Publikum mitgeht.

Ein bewährter Aufbau geht so.

Am Anfang zeigst du das Problem.

Eine Szene, ein Bild, ein Moment des Hasses.

In der Mitte gehst du tiefer.

Du fragst nach dem Warum.

Du zeigst die Wurzeln.

Dann kommt die Wende.

Ein Perspektivwechsel, ein neuer Gedanke.

Und am Ende der Ausblick.

Ein Funke Hoffnung.

Ein Bild von dem, was möglich wäre.

So nimmst du das Publikum mit auf eine Reise.

Vom Dunkel ins Licht.

Vom Hass zur Hoffnung.

Und genau diese Reise bleibt hängen.

Der Anfang: mitten hinein

Der erste Satz entscheidet.

Bei einem Text gegen Hass ganz besonders.

Denn das Thema ist schwer.

Du musst das Publikum sofort packen.

Fang darum nicht mit einer Erklärung an.

Fang mitten in einer Szene an.

Mitten im Moment.

Zum Beispiel: Der Kommentar erschien um 23 Uhr.

Oder: Sie stieg an der Haltestelle ein, und die Blicke wurden kalt.

Sofort ist eine Situation da.

Sofort will man wissen, wie es weitergeht.

Das ist der Sog, den du brauchst.

Vermeide den müden Anfang.

Kein: Ich möchte heute über Hass sprechen.

Das schläfert ein.

Spring mitten hinein.

Zeig, statt anzukündigen.

Der erste Satz ist die offene Tür.

Mach sie weit auf.

Und lass das Publikum eintreten.

Die Wendung: der Perspektivwechsel

Das Herz eines guten Textes ist die Wendung.

Der Moment, in dem sich alles dreht.

Bei einem Text gegen Hass kann das ein Perspektivwechsel sein.

Du hast über den Hasser gesprochen.

Und plötzlich zeigst du ihn von innen.

Seine Angst.

Seine Einsamkeit.

Das entschuldigt nichts.

Aber es öffnet einen neuen Blick.

Oder du wechselst zum Opfer.

Du zeigst, wie sich der Hass von der anderen Seite anfühlt.

Solche Wechsel sind stark.

Weil sie das Publikum überraschen.

Es hatte etwas erwartet.

Und bekommt etwas anderes.

Dieser Moment bleibt im Kopf.

Lange nach dem Applaus.

Such also nach deiner Wendung.

Nach dem Punkt, an dem dein Text kippt.

Und alles in einem neuen Licht steht.

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Das Ende: ein Funke Hoffnung

Wie endet ein Text über Hass?

Bitte nicht im Dunkeln.

Ein Text, der nur die Nacht zeigt, lässt das Publikum ratlos zurück.

Es fühlt sich schlecht, aber weiß nicht, wohin damit.

Darum brauchst du am Ende einen Funken.

Einen Funken Hoffnung.

Kein kitschiges Happy End.

Keine billige Lösung.

Nur einen Funken.

Ein Bild von dem, was möglich wäre.

Eine Hand, die sich ausstreckt.

Ein Mensch, der nicht wegsieht.

Ein Wort, das gegen den Hass gesagt wird.

Denk an Gandhi.

Er hat gezeigt, dass Veränderung möglich ist.

Ohne Hass.

Dieser Funke gibt dem Publikum etwas mit.

Nicht nur die Wut.

Auch die Kraft, etwas zu tun.

Und das ist das schönste Geschenk eines Textes.

Auf der Bühne: wie du so einen Text vorträgst

Der beste Text braucht den richtigen Vortrag.

Bei einem Thema wie Hass gilt das doppelt.

Zuerst: Bleib ruhig.

Auch wenn der Text zornig ist.

Wer selbst außer sich gerät, verliert die Kontrolle.

Lass die Wut im Text sein, nicht in deinem Zittern.

Nutze Pausen.

Gerade nach den harten Stellen.

Gib dem Publikum Zeit, es sacken zu lassen.

Wechsle die Lautstärke.

Laut, wo es brennt.

Leise, wo es wehtut.

Schau die Menschen an.

Nicht auf den Boden, nicht auf das Blatt.

Bei diesem Thema zählt der Blickkontakt besonders.

Denn du sprichst von Menschen zu Menschen.

Und zum Schluss: Steh zu deinen Worten.

Ein Text gegen Hass braucht Haltung.

Trag ihn mit geradem Rücken vor.

Dann glaubt man dir jedes Wort.

Wenn der Hass dich selbst trifft

Vielleicht kennst du es aus eigener Erfahrung.

Vielleicht bist du selbst schon Ziel von Hass gewesen.

Ein fieser Kommentar.

Ein Spruch, der wehtut.

Ein Blick, der dich klein macht.

Das sitzt tief.

Und genau darüber kannst du schreiben.

Denn niemand erzählt es glaubwürdiger als der, der es erlebt hat.

Ein Text aus dieser Erfahrung ist kein Jammern.

Er ist ein Zeugnis.

Er sagt: Das ist mir passiert.

Und ich stehe trotzdem hier.

Das ist die stärkste Antwort auf den Hass.

Nicht Schweigen.

Nicht Verstecken.

Sondern Sichtbarkeit.

Auf der Bühne verwandelst du die Wunde in Kraft.

Du nimmst dem Hass die Macht über dich.

Denn wer seine Geschichte selbst erzählt, ist kein Opfer mehr.

Er ist der Autor.

Und das verändert alles.

Solidarität: gemeinsam gegen den Hass

Gegen Hass steht man nicht allein.

Das ist eine der schönsten Wahrheiten.

Wo einer hetzt, stehen oft viele dagegen auf.

Man sieht es nur nicht immer.

Denn die Lauten sind eine kleine Minderheit.

Die Leisen sind viele mehr.

Ein Slam-Text kann diese Leisen zusammenbringen.

Er kann sagen: Du bist nicht allein.

Er kann Mut machen, aufzustehen.

Und das ist ansteckend.

Wenn einer den Anfang macht, folgen andere.

Erst zwei, dann fünf, dann ein ganzer Saal.

Genau das ist die Kraft der Bühne.

Sie versammelt Menschen.

Sie zeigt: Wir sind viele.

Und viele leise Stimmen sind lauter als ein einzelner Schreihals.

Schreib also nicht nur gegen den Hass.

Schreib auch für die Gemeinschaft.

Für das Miteinander.

Denn das ist es, was der Hass am meisten fürchtet.

Menschen, die zusammenhalten.

Übung: dein erster Text gegen den Hass

Hände, die eine Weiche zurück auf das richtige Gleis stellen, warmes Licht
bahn-slam.de

Genug der Theorie.

Jetzt bist du dran.

Hier ist eine Übung für deinen ersten Text.

Nimm dir zehn Minuten.

Und ein leeres Blatt.

Schritt eins: Denk an einen Moment, in dem du Hass erlebt hast.

Selbst erlebt oder beobachtet.

Schreib die Szene auf.

Ganz konkret, mit allen Einzelheiten.

Schritt zwei: Frag nach dem Warum.

Woher kam dieser Hass?

Welche Angst steckte dahinter?

Schritt drei: Wechsle die Perspektive.

Erzähl den Moment aus einem anderen Blickwinkel.

Schritt vier: Finde einen Funken Hoffnung.

Ein Bild, das zeigt, dass es auch anders geht.

Und schon hast du das Gerüst für einen Text.

Er ist noch roh.

Aber er lebt.

Und er zeigt schon in die richtige Richtung.

Nach oben, nicht nach unten.

Der lange Atem gegen den Hass

Eine Sache noch.

Der Kampf gegen den Hass ist kein Sprint.

Er ist ein Marathon.

Ein einzelner Text ändert die Welt nicht.

Ein einzelner Abend auch nicht.

Aber viele kleine Funken zünden am Ende ein Licht.

Jeder Text zählt.

Jede Stimme, die sich erhebt.

Jeder Mensch, der nicht schweigt.

Denk an Gandhi.

Sein Weg dauerte Jahrzehnte.

Aber er hörte nie auf.

Er blieb standhaft.

Ohne Hass, aber mit langem Atem.

Genau das brauchst auch du.

Nicht die eine große Geste.

Sondern die vielen kleinen, immer wieder.

Steh auf die Bühne, so oft du kannst.

Und sag deine Wahrheit.

Ruhig, klar und ohne Hass.

Fazit: das richtige Gleis wählen

Kehren wir zurück zur Weiche.

Zum Anfang.

Vor uns liegen zwei Gleise.

Das falsche Gleis ist der Hass.

Er fühlt sich nach Fahrt an.

Aber er führt ins Abseits.

Auf ein totes, rostiges Gleis.

Das andere Gleis ist der schwerere Weg.

Verstehen statt schüren.

Zeigen statt behaupten.

Nach oben treten, nie nach unten.

Wut zulassen, aber den Hass ablehnen.

Menschen sichtbar machen.

Und am Ende einen Funken Hoffnung lassen.

Das ist das richtige Gleis.

Es ist steiler.

Es ist anstrengender.

Aber es führt irgendwohin.

Zu einem besseren Miteinander.

Deine Feder stellt die Weiche.

Bei jedem Text aufs Neue.

Wähle das richtige Gleis.

Und schreib gegen den Hass an, ohne selbst zu hassen.

Dann wird deine Stimme gebraucht.

Mehr denn je.

Und noch etwas zum Schluss.

Hab keine Angst vor dem großen Thema.

Du musst nicht die Welt retten.

Du musst nur ehrlich sein.

Ein einziger wahrer Satz wiegt mehr als tausend hohle Parolen.

Fang klein an.

Mit einem Bild.

Mit einer Szene.

Mit einem Menschen, den du sichtbar machst.

Der Rest wächst von selbst.

Denn gegen den Hass hilft am Ende genau das.

Wahrheit, Menschlichkeit und ein langer Atem.

Steig ein.

Das richtige Gleis wartet.

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Die zweiunddreißig Bücher

Zweiunddreißig Schläge gegen die Stille. Wähle dein Gift.

Die Bahn als Schreibstudio Nr. 1 Die Bahn als Schreibstudio Schreiben in Bewegung Gefühle in Worte fassen Nr. 2 Gefühle in Worte fassen ohne kitschig zu werden Ich bin nicht nervös, ich bin geladen Nr. 3 Ich bin nicht nervös ich bin geladen 3 Uhr nachts Nr. 4 3 Uhr nachts Gedanken zwischen Stationen 120 Schläge Nr. 5 120 Schläge gegen die Gleichgültigkeit Niemand hält deinen Zug auf - 111 Impulse Nr. 6 Niemand hält deinen Zug auf 111 Impulse · Kein Trost Poetry Master Nr. 7 Poetry Master Stimme trifft Seele Genosse Waschbär - Bahn-Slam-Geschichten Nr. 8 Genosse Waschbär Bahn-Slam-Geschichten 147 Gründe, warum ich dich hasse Nr. 9 147 Gründe warum ich dich hasse Genosse Waschbär Band 10 – Was die Welt mir schuldet Nr. 10 Was die Welt mir schuldet Band 10 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 11 – Der konservative Waschbär Nr. 11 Der konservative Waschbär Band 11 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 12 – Der liberale Waschbär Nr. 12 Der liberale Waschbär Band 12 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 13 – Der grüne Waschbär Nr. 13 Der grüne Waschbär Band 13 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 14 – Der rechtskonservative Waschbär Nr. 14 Der rechtskonservative Waschbär Band 14 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 15 – Der populistische Waschbär Nr. 15 Der populistische Waschbär Band 15 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 16 – Der unpolitische Waschbär Nr. 16 Der unpolitische Waschbär Band 16 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 17 – Der schwule Waschbär Nr. 17 Der schwule Waschbär Band 17 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 18 – Die lesbische Waschbärin Nr. 18 Die lesbische Waschbärin Band 18 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 19 – Der Gen-Z-Waschbär Nr. 19 Der Gen-Z-Waschbär Band 19 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 20 – Der Ossi-Waschbär Nr. 20 Der Ossi-Waschbär Band 20 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 21 – Der Wessi-Waschbär Nr. 21 Der Wessi-Waschbär Band 21 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 22 – Der liberale Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 22 Der liberale Waschbär Band 22 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 23 – Der grüne Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 23 Der grüne Waschbär Band 23 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 24 – Der konservative Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 24 Der konservative Waschbär Band 24 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 25 – Der sozialdemokratische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 25 Der sozialdemokratische Waschbär Band 25 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 26 – Der linke Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 26 Der linke Waschbär Band 26 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 27 – Der rechtspopulistische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 27 Der rechtspopulistische Waschbär Band 27 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 28 – Der schwule Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 28 Der schwule Waschbär Band 28 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 29 – Die lesbische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 29 Die lesbische Waschbärin Band 29 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 30 – Der Gen-Z-Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 30 Der Gen-Z-Waschbär Band 30 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 31 – Die unpolitische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 31 Die unpolitische Waschbärin Band 31 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 32 – Das einzige Buch, das du über die Bahn lesen solltest Nr. 32 Alles über die Bahn Band 32 · Das einzige Buch, das du lesen solltest
— Stephan Pinkwart —

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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