Poetry Slam Blickkontakt: schau weit nach vorn

Poetry Slam Blickkontakt: schau weit nach vorn

Poetry Slam Blickkontakt: eine Person am Mikrofon schaut mit ruhigem Blick direkt ins Publikum
bahn-slam.de

Zwei Menschen sagen denselben Text.

Der eine schaut die ganze Zeit auf sein Blatt.

Der andere schaut immer wieder ins Publikum.

Und schon ist alles anders.

Der zweite wirkt sicher.

Er wirkt präsent.

Er nimmt den Saal mit.

Der Unterschied liegt in den Augen.

Im Blickkontakt.

Er ist eines der stärksten Werkzeuge auf der Bühne.

Und eines der schwersten.

Denn er macht dich sichtbar.

Angreifbar.

Aber auch echt.

In diesem Beitrag lernst du, wohin du schaust.

Wie lange.

Und wie du die Angst davor verlierst.

Fangen wir an.

Poetry Slam Blickkontakt: warum die Augen alles verändern

Warum ist der Blick so mächtig?

Weil wir Menschen über die Augen verbunden sind.

Von Geburt an.

Ein Baby sucht den Blick der Mutter.

Wir lesen in den Augen des anderen.

Ob er es ernst meint.

Ob wir ihm trauen können.

Auf der Bühne ist das nicht anders.

Schaust du das Publikum an, entsteht eine Brücke.

Eine unsichtbare Verbindung.

Das Publikum spürt: Der meint mich.

Der spricht zu mir.

Nicht in den Raum, sondern zu mir.

Das verändert alles.

Plötzlich hören die Leute anders zu.

Aufmerksamer.

Persönlicher.

Ohne Blick bleibt dein Text ein Vortrag.

Mit Blick wird er ein Gespräch.

Auch wenn nur du sprichst.

Studien zeigen es immer wieder.

Wir glauben Menschen mehr, die uns anschauen.

Wir finden sie kompetenter.

Und sympathischer.

Der Blick ist also kein Beiwerk.

Er ist ein Kernstück deines Auftritts.

Der Blick voraus: schau wie ein Lokführer

Stell dir einen Lokführer vor.

Wohin schaut er?

Nicht auf die Schwelle direkt vor dem Zug.

Er schaut weit nach vorn.

Auf die Strecke, die noch kommt.

Auf die Signale in der Ferne.

Warum?

Weil man nur so ruhig und sicher fährt.

Wer nur vor die Füße schaut, verliert die Richtung.

Genau das gilt für deinen Blick auf der Bühne.

Schau nach vorn.

Ins Publikum.

In die Weite des Raums.

Nicht auf deine Schuhe.

Nicht auf das Blatt kurz vor der Nase.

Der Blick voraus gibt dir Halt.

Er richtet deinen ganzen Körper auf.

Der Kopf hebt sich.

Die Stimme wird freier.

Die Brust öffnet sich.

Ein gesenkter Blick presst die Stimme zusammen.

Ein Blick nach vorn lässt sie strömen.

Probier es sofort einmal aus.

Sprich einen Satz zum Boden.

Und dann denselben Satz nach vorn.

Du hörst den Unterschied.

Der Blick voraus ist der Anfang von allem.

Marina Abramović: 700 Stunden nur ein Blick

Zurück nach New York, ins Jahr 2010.

Eine Künstlerin macht ein Experiment.

Ihr Name ist Marina Abramović.

Ihre Kunst ist denkbar einfach.

Sie sitzt auf einem Stuhl.

Den ganzen Tag.

Über viele Wochen.

Ihr gegenüber steht ein leerer Stuhl.

Jeder Besucher darf sich setzen.

Und dann geschieht: nichts.

Sie sagt kein Wort.

Sie bewegt sich nicht.

Sie schaut dem Menschen nur in die Augen.

Mehr nicht.

Und doch passiert etwas Gewaltiges.

Viele Besucher beginnen zu weinen.

Erwachsene, fremde Menschen.

Einfach, weil jemand sie wirklich ansieht.

Ohne Urteil.

Ohne Ablenkung.

Nur dieser eine, gehaltene Blick.

Über 700 Stunden sitzt sie dort.

Tausende Menschen setzen sich ihr gegenüber.

Und fast alle spüren dasselbe.

Dass ein Blick eine Tür ist.

Was lernst du daraus für die Bühne?

Dass du gar nicht viel tun musst.

Ein ehrlicher Blick reicht schon.

Er berührt die Menschen tiefer als jede große Geste.

Du musst nicht schauspielern.

Du musst nur wirklich hinsehen.

Das ist die ganze Kunst.

Und sie ist schwerer, als sie klingt.

Was Blickkontakt beim Publikum auslöst

Schauen wir genauer hin.

Was passiert im Publikum, wenn du es ansiehst?

Zuerst: Aufmerksamkeit.

Ein Blick weckt.

Wer angeschaut wird, hört sofort besser zu.

Der Kopf hebt sich, das Handy sinkt.

Zweitens: Nähe.

Der Blick verkleinert den Abstand.

Auch über zehn Meter Saal hinweg.

Plötzlich bist du dem Menschen ganz nah.

Drittens: Vertrauen.

Wer uns ansieht, wirkt ehrlich.

Wir glauben ihm, was er sagt.

Viertens: Verantwortung.

Ein angeschauter Mensch fühlt sich gemeint.

Er kann nicht mehr wegdämmern.

Er ist Teil des Textes geworden.

All das passiert ohne ein zusätzliches Wort.

Nur durch deine Augen.

Und es passiert auch umgekehrt.

Der Blick gibt auch dir etwas zurück.

Du siehst, ob die Leute mitgehen.

Du siehst ihre Reaktion.

Ein Nicken.

Ein Lächeln.

Feuchte Augen.

Dieser Rücklauf macht dich stärker.

Er sagt dir: Ich bin nicht allein hier oben.

Der Blick ist eine Straße in beide Richtungen.

Das Publikum fesseln durch Blickkontakt · Rhetorik Masterclass

Die Angst vor dem Blick

Warum schauen so viele auf den Boden?

Weil der Blick Angst macht.

Das ist ganz normal.

Wer ins Publikum schaut, macht sich sichtbar.

Er sieht die Gesichter.

Er sieht die Reaktionen.

Auch die skeptischen.

Das kann einschüchtern.

Also senkt man den Blick.

Man versteckt sich hinter dem Blatt.

Das fühlt sich sicher an.

Aber es ist eine Falle.

Denn der gesenkte Blick nimmt dir deine Kraft.

Er macht dich kleiner.

Leiser.

Unsicherer.

Das Publikum spürt die Angst.

Und wird selbst unruhig.

Der beste Weg aus der Angst führt mitten hindurch.

Du musst den Blick üben.

In kleinen Schritten.

Niemand schaut vom ersten Tag an frei in den Saal.

Auch die Profis haben klein angefangen.

Ein Gesicht.

Dann zwei.

Dann der ganze Raum.

Und es hilft zu wissen:

Das Publikum ist fast immer freundlich.

Es will, dass du es schaffst.

Es sitzt nicht da, um dich zu richten.

Es sitzt da, um berührt zu werden.

Wenn du das glaubst, wird der Blick leichter.

Wohin schauen? Such dir freundliche Gesichter

Jetzt die praktische Frage.

Wohin genau schaust du?

Der häufigste Fehler: über die Köpfe hinweg.

Viele Ratgeber empfehlen das.

Schau an die hintere Wand, heißt es.

Ich rate dir davon ab.

Denn das Publikum merkt es.

Ein Blick über die Köpfe wirkt leer.

Er verbindet nicht.

Besser ist der echte Blick.

Such dir einzelne Gesichter.

Am besten freundliche.

In jedem Saal gibt es sie.

Menschen, die nicken.

Die lächeln.

Die offen schauen.

Zu denen schaust du.

Sie sind deine Ankerpunkte.

Wie Bahnhöfe auf einer langen Strecke.

Von einem zum nächsten.

Diese freundlichen Blicke geben dir Kraft.

Sie sagen: Mach weiter, das ist gut.

Und mit dieser Kraft im Rücken traust du dich weiter.

Auch zu den ernsteren Gesichtern.

Fang immer bei den freundlichen an.

Sie sind dein sicherer Startbahnhof.

Poetry Slam Blickkontakt: Blick vom Führerstand weit voraus auf die gerade Strecke bis zum Horizont
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Teil den Saal in drei Bereiche

Ein großer Saal kann erschlagen.

So viele Menschen, wohin zuerst?

Ein einfacher Trick hilft.

Teil den Saal in drei Bereiche.

Links.

Mitte.

Rechts.

Und dann wanderst du langsam.

Ein paar Sätze nach links.

Ein paar Sätze in die Mitte.

Ein paar Sätze nach rechts.

So bekommt jeder das Gefühl, gemeint zu sein.

Niemand wird vergessen.

Wichtig ist das Tempo.

Wandere langsam.

Nicht wie ein Scheibenwischer, hin und her.

Sondern ruhig, wie ein Zug, der die Strecke abfährt.

Bleib bei einem Bereich, solange ein Gedanke dauert.

Dann wechsle weiter.

In einem kleinen Raum reichen zwei Bereiche.

In einem großen dürfen es mehr sein.

Das Prinzip bleibt gleich.

Du verteilst deinen Blick wie einen Fahrplan.

Gerecht über den ganzen Saal.

So fühlt sich das ganze Publikum gesehen.

Wie lange hältst du einen Blick?

Eine wichtige Frage.

Wie lange schaust du eine Person an?

Zu kurz wirkt nervös.

Ein Blick, der sofort wieder wegspringt, verunsichert.

Zu lang wirkt unheimlich.

Niemand will minutenlang angestarrt werden.

Die gute Mitte ist ein Gedanke lang.

Ein Satz.

Eine kleine Sinneinheit.

Du schaust eine Person an, sagst deinen Satz zu ihr.

Und beim nächsten Gedanken wanderst du weiter.

Das fühlt sich natürlich an.

Wie in einem echten Gespräch.

Auch da schaut man nicht ununterbrochen.

Man schaut in Wellen.

Hin und wieder weg und wieder hin.

Genau dieser Rhythmus wirkt entspannt.

Zähl es nicht in Sekunden.

Denk in Gedanken.

Ein Gedanke, ein Gesicht.

Nächster Gedanke, nächstes Gesicht.

So bekommst du von selbst den richtigen Takt.

Blick und Text: wann du aufschaust

Viele lesen vom Blatt.

Das ist völlig in Ordnung.

Aber dann stellt sich die Frage:

Wann schaue ich hoch?

Die Antwort: an den wichtigen Stellen.

Nicht mitten im schnellen Satz.

Sondern an den Pointen.

An den starken Bildern.

Am Ende einer Strophe.

Genau da schaust du hoch.

Und lässt den Satz ins Publikum wirken.

Der Trick ist einfach.

Lern die wichtigen Sätze auswendig.

Nur die.

Dann kannst du bei ihnen sicher aufschauen.

Ohne den Faden zu verlieren.

Der Rest darf ruhig vom Blatt kommen.

Markiere dir diese Aufschau-Stellen im Text.

Mit einem Strich oder einem Punkt.

So weißt du beim Lesen genau, wann der Blick hochgeht.

Mit der Zeit machst du es von selbst.

Der Blick und der Text tanzen dann zusammen.

10 Tipps für einen souveränen Auftritt · Jasmin Schmid

Der Blick beim Anfang und beim Ende

Zwei Momente sind besonders wichtig.

Der Anfang und das Ende.

Beginnen wir mit dem Anfang.

Bevor du dein erstes Wort sagst, schau.

Steh ruhig da.

Und lass deinen Blick einmal über den Saal gehen.

Nur zwei, drei Sekunden.

Das wirkt unglaublich stark.

Es sagt: Ich bin da.

Ich habe keine Eile.

Ich sehe euch.

Dieser Blick vor dem ersten Satz holt den Saal ab.

Er schafft Stille.

Und Aufmerksamkeit.

Erst dann beginnst du.

Jetzt zum Ende.

Dein letzter Satz gehört ins Publikum.

Schau auf, sag ihn, und halt den Blick.

Geh nicht sofort weg.

Bleib stehen und schau.

Lass den Moment atmen.

Dieser letzte Blick besiegelt deinen Auftritt.

Er sagt: Das war es. Ich meine es.

Und dann, erst dann, trittst du zurück.

Anfang und Ende mit Blick.

Das sind die zwei Klammern um deinen Text.

Sie halten alles zusammen.

Blickkontakt trotz Blatt in der Hand

Ein häufiger Einwand lautet:

Ich lese doch vom Blatt, wie soll ich da schauen?

Das geht, mit einem kleinen Trick.

Er heißt: Blick tanken.

So funktioniert er.

Du schaust kurz aufs Blatt.

Und nimmst dir mit den Augen einen ganzen Satz.

Wie einen Schluck Wasser.

Dann hebst du den Kopf.

Und sagst diesen Satz ins Publikum.

Frei, mit Blick.

Erst wenn der Satz gesagt ist, schaust du wieder runter.

Und tankst den nächsten.

So sprichst du fast immer mit erhobenem Kopf.

Obwohl du vom Blatt liest.

Der Blick geht nur zwischen den Sätzen nach unten.

Nicht während du sprichst.

Das braucht etwas Übung.

Aber es verändert deinen ganzen Auftritt.

Wichtig dafür: große Schrift.

Nur mit großer Schrift kannst du schnell tanken.

Bei kleiner Schrift bleibt der Kopf unten.

Also druck deinen Text groß.

Dann klappt das Tanken leicht.

Und dein Blatt hält dich nicht mehr gefangen.

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Häufige Fehler beim Blickkontakt

Sammeln wir die typischen Fehler.

Damit du sie umgehst.

Fehler eins: der Blick zum Boden.

Er nimmt dir Stimme und Präsenz.

Fehler zwei: der Blick nur aufs Blatt.

Er sperrt dich vom Publikum ab.

Fehler drei: der starre Blick auf einen Punkt.

Er wirkt abwesend und ängstlich.

Fehler vier: der hektische Blick.

Die Augen springen wild umher.

Das macht das Publikum nervös.

Fehler fünf: der Blick an die Decke.

Beim Nachdenken schaut man gern nach oben.

Aber es sieht aus, als suche man Hilfe.

Fehler sechs: nur eine Seite ansehen.

Oft die eigene Lieblingsseite.

Die andere Hälfte fühlt sich ausgeschlossen.

Fehler sieben: der leere Blick über die Köpfe.

Er verbindet nicht wirklich.

All diese Fehler haben eine gemeinsame Wurzel.

Die Angst.

Und gegen die Angst hilft nur eines.

Üben, bis der Blick zur Gewohnheit wird.

Dann verschwinden die Fehler von selbst.

Denn ein sicherer Mensch schaut von Natur aus ruhig.

Blick und Gefühl: die Augen tragen die Emotion

Der Blick macht mehr als verbinden.

Er trägt auch dein Gefühl.

Denk an die Augen eines traurigen Menschen.

Man sieht die Trauer sofort.

Noch bevor ein Wort fällt.

Genauso auf der Bühne.

Wenn dein Text traurig ist, darf dein Blick es auch sein.

Wenn er wütend ist, darf dein Blick brennen.

Wenn er zärtlich ist, darf dein Blick weich werden.

Die Augen sind ein Verstärker.

Sie zeigen, was hinter den Worten liegt.

Du musst das nicht spielen.

Im Gegenteil, gespielte Gefühle sieht man in den Augen sofort.

Fühl den Text wirklich.

Dann folgen die Augen von allein.

Das ist das Geheimnis von Marina Abramović.

Sie hat nicht gespielt.

Sie war einfach ganz da.

Und genau das haben die Menschen gespürt.

Sei auch du ganz da.

Mit deinen Augen bei deinem Text.

Und bei den Menschen vor dir.

Dann trägt dein Blick das Gefühl ganz von selbst.

Bis in die letzte Reihe.

Übung 1: von der Wand zum Menschen

Jetzt wird geübt.

Fang ganz ohne Publikum an.

Kleb dir kleine Zettel an eine Wand.

Fünf oder sechs Stück, verteilt.

Jeder Zettel ist ein Zuschauer.

Jetzt sprich deinen Text.

Und schau dabei die Zettel an.

Einen Gedanken lang jeden.

Wandere von Zettel zu Zettel.

So übst du das Verteilen des Blicks.

Ganz ohne Angst, denn Zettel schauen nicht zurück.

Wenn das sicher klappt, geh einen Schritt weiter.

Üb vor einem Menschen.

Einem, dem du vertraust.

Sprich deinen Text und halte den Blick.

Das ist schon schwerer.

Ein echtes Augenpaar schaut zurück.

Halte es trotzdem aus.

Dann nimm zwei Menschen.

Dann eine kleine Gruppe.

So steigerst du dich langsam.

Von der Wand bis zum vollen Saal.

Jeder Schritt macht den nächsten leichter.

Niemand muss mit dem schwersten Schritt beginnen.

Übung 2: eine Person, ein Gedanke

Die zweite Übung ist für den echten Auftritt.

Sie ist ganz einfach.

Nimm dir vor: eine Person, ein Gedanke.

Mehr nicht.

Du suchst dir ein Gesicht.

Sagst diesem Gesicht einen Gedanken.

Und wanderst dann zum nächsten.

Das nimmt den großen Saal die Wucht.

Denn du sprichst nie zu hundert Leuten.

Du sprichst immer nur zu einem.

Und dann zum nächsten einen.

Das ist viel leichter.

Hundert Augenpaare erschlagen.

Ein Augenpaar geht.

Diese Übung wirkt sofort.

Sie macht aus einer Masse einzelne Menschen.

Und mit einzelnen Menschen redet es sich leicht.

Probier es beim nächsten Mal.

Vergiss den ganzen Saal.

Sieh immer nur den einen Menschen vor dir.

Und schenk ihm deinen Gedanken.

Blickkontakt online: schau in die Kamera

Auch im Netz gibt es Blickkontakt.

Nur ist er anders.

Hier gibt es kein Publikum im Raum.

Es gibt nur die Kamera.

Und die Kamera ist dein Publikum.

Schau in die Linse.

Nicht auf dein eigenes Bild am Rand.

Das ist die größte Falle.

Man schaut sich selbst an, statt in die Kamera.

Für die Zuschauer sieht das aus, als schautest du weg.

Also kleb dir einen kleinen Pfeil neben die Linse.

Als Erinnerung: hier hin.

Der Blick in die Linse fühlt sich kalt an.

Man sieht ja niemanden.

Aber für die Menschen am Bildschirm ist es warm.

Sie fühlen sich direkt angesprochen.

Genau wie im echten Saal.

Der Blick voraus gilt also auch online.

Nur ist das Voraus hier eine kleine Linse.

Schau sie an wie ein Augenpaar.

Dann trägt dein Blick auch durch den Bildschirm.

Blickkontakt und Körper: die Augen führen den Rest

Etwas Erstaunliches passiert, wenn du aufschaust.

Dein ganzer Körper verändert sich mit.

Der Blick führt.

Der Rest folgt.

Hebst du die Augen, hebt sich der Kopf.

Hebt sich der Kopf, richtet sich der Rücken auf.

Richtet sich der Rücken, öffnet sich die Brust.

Und öffnet sich die Brust, wird die Stimme voller.

Alles hängt zusammen.

Der Blick ist der erste Dominostein.

Darum wirkt ein Mensch, der aufschaut, sofort größer.

Sicherer.

Präsenter.

Nicht weil er sich anstrengt.

Sondern weil der Blick den Körper mitzieht.

Du musst also gar nicht an deine Haltung denken.

Denk nur an deine Augen.

Schau nach vorn.

Der Körper macht den Rest von allein.

Das ist eine große Entlastung.

Ein einziger Gedanke statt zehn.

Augen hoch.

Und der ganze Auftritt richtet sich mit auf.

Probier es beim Üben ganz bewusst.

Sprich einmal mit gesenktem Kopf.

Und dann mit erhobenem Blick.

Du wirst zwei verschiedene Menschen hören.

Der weiche und der harte Blick

Es gibt nicht nur einen Blick.

Es gibt viele.

Zwei sind besonders wichtig.

Der weiche und der harte Blick.

Der weiche Blick ist offen und warm.

Er lädt ein.

Er passt zu zärtlichen Stellen.

Zu Liebe, zu Erinnerung, zu Trauer.

Die Augen werden dabei etwas weicher.

Fast, als würdest du lächeln, ohne den Mund.

Der harte Blick ist fest und klar.

Er fordert.

Er passt zu Wut, zu Anklage, zu Stärke.

Die Augen werden dabei schmaler und direkter.

Ein guter Text braucht oft beides.

Er wechselt zwischen weich und hart.

Und dein Blick wechselt mit.

Das macht deinen Auftritt lebendig.

Ein Blick, der immer gleich bleibt, ermüdet.

Ein Blick, der sich wandelt, hält wach.

Du musst das nicht planen.

Wenn du den Text wirklich fühlst, wechselt der Blick von selbst.

Aber es hilft, es einmal zu wissen.

Dann kannst du bewusst damit spielen.

Weich bei der Erinnerung.

Hart bei der Anklage.

So malst du mit den Augen.

Blickkontakt beim auswendigen Text

Wenn du deinen Text auswendig kannst, ändert sich viel.

Plötzlich hast du beide Augen frei.

Kein Blatt zieht sie nach unten.

Das ist ein großer Vorteil.

Aber auch eine neue Gefahr.

Denn viele schauen dann ins Leere.

Sie suchen den Text im Kopf.

Und der Blick wandert nach innen.

Die Augen sind offen, aber sie sehen nichts.

Das Publikum merkt das sofort.

Es fühlt sich nicht mehr gemeint.

Also pass auf: Auch auswendig gehört der Blick nach außen.

Zu den Menschen.

Nicht in deinen Kopf.

Der Trick ist, den Text so gut zu können, dass du ihn nicht suchen musst.

Er kommt von allein.

Und deine Augen sind frei für den Saal.

Übe den Text so lange, bis er sitzt wie dein eigener Name.

Dann kannst du ihn sagen und dabei wirklich schauen.

Das ist die höchste Stufe.

Text und Blick völlig frei.

Da will jeder Slammer hin.

Und der Weg dahin heißt: üben, üben, üben.

Wenn ein Blick dich aus dem Konzept bringt

Es kann passieren.

Du schaust jemanden an.

Und der schaut böse zurück.

Oder gelangweilt.

Oder er schaut auf sein Handy.

Das trifft.

Und es kann dich aus dem Konzept bringen.

Was tun?

Ganz einfach: Schau weg.

Zu einem freundlichen Gesicht.

Du musst nicht bei dem bleiben, der dich stört.

Such dir jemanden, der dir Kraft gibt.

In jedem Saal gibt es beide.

Die abweisenden und die offenen.

Nähre dich an den offenen.

Und noch etwas ist wichtig zu wissen.

Ein müdes Gesicht bedeutet nicht Ablehnung.

Vielleicht hatte der Mensch einen langen Tag.

Vielleicht denkt er über deine Zeile nach.

Vielleicht ist das sein normales Gesicht.

Deute die Blicke nicht zu schnell.

Meistens liest man zu viel hinein.

Bleib bei deinem Text.

Und bei den Gesichtern, die dir guttun.

Der Rest ist nicht dein Problem.

Du bist nicht auf der Bühne, um jeden zu überzeugen.

Du bist da, um ehrlich zu sein.

Der Blick zur Jury

Bei vielen Slams gibt es eine Jury.

Oder Punktekarten im Publikum.

Soll man die anschauen?

Mein Rat: nicht zu sehr.

Wer nur zur Jury schaut, wirkt berechnend.

Als wolle er Punkte erbetteln.

Das kommt selten gut an.

Behandle die Jury wie alle anderen.

Sie sind auch nur Zuschauer.

Schau sie an, wenn dein Blick dort vorbeiwandert.

Aber nicht öfter als den Rest.

Dein Text gehört dem ganzen Saal.

Nicht nur denen mit den Karten.

Wenn du alle gleich behandelst, wirkst du souverän.

Und paradoxerweise gibt dir genau das oft die besseren Noten.

Denn die Jury spürt: Der spielt nicht für uns.

Der meint es ehrlich.

Und Ehrlichkeit gewinnt.

Vergiss die Punkte, während du sprichst.

Denk an die Menschen.

Die Punkte kommen dann von allein.

Finde den Blick, der zu dir passt

Zum Schluss ein Wort zur Freiheit.

Es gibt nicht den einen richtigen Blick.

Jeder Mensch schaut anders.

Der eine ruhig und lange.

Der andere lebendig und wechselnd.

Beides kann stark sein.

Kopiere nicht einfach einen anderen.

Finde deinen eigenen Blick.

Den, der zu dir und deinen Texten passt.

Ein leiser Text braucht einen ruhigen Blick.

Ein wilder Text verträgt einen wilderen.

Probier verschiedene Arten aus.

Und spür, was sich echt anfühlt.

Denn nur ein echter Blick wirkt.

Ein aufgesetzter fällt sofort auf.

Die Regeln in diesem Text sind ein Gerüst.

Kein Käfig.

Nutze sie, bis der Blick sitzt.

Und dann vergiss sie.

Und schau einfach.

Ehrlich, offen, nach vorn.

Das ist am Ende der beste Blick von allen.

Der Blick beruhigt auch dich selbst

Wir haben viel darüber gesprochen, was der Blick beim Publikum bewirkt.

Aber er bewirkt auch etwas bei dir.

Der Blick beruhigt dich selbst.

Das klingt seltsam.

Ist aber wahr.

Wenn du in echte Gesichter schaust, wird die Bühne kleiner.

Sie ist nicht mehr eine anonyme Masse.

Sie besteht aus Menschen.

Menschen, die dir zuhören.

Und die meisten von ihnen sind dir wohlgesonnen.

Dieses Wissen nimmt Angst.

Solange du wegschaust, bleibt die Angst groß.

Denn das Unbekannte ist immer am gruseligsten.

Sobald du hinschaust, schrumpft es.

Du siehst: Das sind ganz normale Menschen.

Wie du.

Der Blick verwandelt eine Bedrohung in eine Begegnung.

Und Begegnungen kennst du.

Die machst du jeden Tag.

Darum ist der Blick auch dein bestes Mittel gegen Lampenfieber.

Nicht wegschauen und hoffen.

Sondern hinschauen und ankommen.

Probier es beim nächsten Auftritt.

Wenn die Nerven flattern, such ein freundliches Gesicht.

Halt seinen Blick einen Moment.

Und spür, wie der Boden wieder fester wird.

Der Blick ist kein Risiko.

Er ist dein Anker.

Er hält dich, wenn alles andere wackelt.

Wirf ihn aus.

Und lass dich von den freundlichen Augen im Saal halten.

Ein Blick sagt: ich bin hier, mit euch

Am Ende ist der Blickkontakt ganz einfach.

Er ist ein Versprechen ohne Worte.

Er sagt: Ich bin hier.

Wirklich hier, in diesem Raum.

Nicht in meinem Kopf.

Nicht in meiner Angst.

Sondern bei euch.

Genau das wollen Menschen spüren.

Dass du wirklich da bist.

Für sie.

Ein Text kann noch so gut sein.

Ohne diesen Blick bleibt er kalt.

Mit ihm wird er warm.

Und lebendig.

Also trau dich.

Heb die Augen.

Schau nach vorn.

Und schenk den Menschen das Größte, was du hast.

Deine volle Aufmerksamkeit.

Sie werden es dir mit ihrer zurückgeben.

Der Blick als stille Verabredung mit dem Saal

Es gibt noch einen letzten Gedanken.

Der Blick ist eine Verabredung.

Eine stille Abmachung zwischen dir und dem Saal.

Sie lautet: Ich bin ehrlich zu euch.

Und ihr hört mir wirklich zu.

Diese Abmachung schließt du mit den Augen.

Nicht mit Worten.

In dem Moment, in dem du zum ersten Mal aufschaust.

Halte diese Abmachung.

Schau immer wieder hin.

Auch wenn es schwerfällt.

Denn das Publikum merkt sofort, wenn du dich zurückziehst.

Es merkt, wenn der Blick flieht.

Dann bricht die Verbindung.

Bleib also da, mit den Augen.

Gerade in den schweren Zeilen.

Gerade da, wo du dich am liebsten verstecken würdest.

Dort ist der Blick am wichtigsten.

Denn dort entsteht die echte Nähe.

Wer im schweren Moment aufschaut, gewinnt den Saal.

Für immer.

Wien, der Blick voraus und dein Text

Stell dir zum Schluss den Wiener Hauptbahnhof vor.

Die Züge fahren ein und aus.

Und ganz vorne, im Führerstand, sitzt ein Mensch.

Er schaut nicht auf die Schwelle vor dem Zug.

Er schaut weit die Strecke hinaus.

Auf das, was kommt.

Nur so bringt er den Zug sicher ans Ziel.

Genau das ist dein Blick auf der Bühne.

Ein Blick nach vorn.

In den Saal.

In die Augen der Menschen.

Nicht nach unten, nicht zum Blatt.

Sondern voraus.

Denk an Marina Abramović.

Sie hat nichts getan, als zu schauen.

Und hat damit Tausende berührt.

Du hast sogar mehr als sie.

Du hast deinen Text dazu.

Deine Worte und deinen Blick.

Zusammen sind sie unschlagbar.

Also üb den Blick.

Fang bei einem freundlichen Gesicht an.

Halt es einen Gedanken lang.

Und dann wandere weiter, ruhig wie ein Zug.

Schau weit nach vorn.

Dein Publikum wartet darauf, gesehen zu werden.

Gute Fahrt.

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Die zweiunddreißig Bücher

Zweiunddreißig Schläge gegen die Stille. Wähle dein Gift.

Die Bahn als Schreibstudio Nr. 1 Die Bahn als Schreibstudio Schreiben in Bewegung Gefühle in Worte fassen Nr. 2 Gefühle in Worte fassen ohne kitschig zu werden Ich bin nicht nervös, ich bin geladen Nr. 3 Ich bin nicht nervös ich bin geladen 3 Uhr nachts Nr. 4 3 Uhr nachts Gedanken zwischen Stationen 120 Schläge Nr. 5 120 Schläge gegen die Gleichgültigkeit Niemand hält deinen Zug auf - 111 Impulse Nr. 6 Niemand hält deinen Zug auf 111 Impulse · Kein Trost Poetry Master Nr. 7 Poetry Master Stimme trifft Seele Genosse Waschbär - Bahn-Slam-Geschichten Nr. 8 Genosse Waschbär Bahn-Slam-Geschichten 147 Gründe, warum ich dich hasse Nr. 9 147 Gründe warum ich dich hasse Genosse Waschbär Band 10 – Was die Welt mir schuldet Nr. 10 Was die Welt mir schuldet Band 10 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 11 – Der konservative Waschbär Nr. 11 Der konservative Waschbär Band 11 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 12 – Der liberale Waschbär Nr. 12 Der liberale Waschbär Band 12 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 13 – Der grüne Waschbär Nr. 13 Der grüne Waschbär Band 13 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 14 – Der rechtskonservative Waschbär Nr. 14 Der rechtskonservative Waschbär Band 14 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 15 – Der populistische Waschbär Nr. 15 Der populistische Waschbär Band 15 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 16 – Der unpolitische Waschbär Nr. 16 Der unpolitische Waschbär Band 16 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 17 – Der schwule Waschbär Nr. 17 Der schwule Waschbär Band 17 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 18 – Die lesbische Waschbärin Nr. 18 Die lesbische Waschbärin Band 18 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 19 – Der Gen-Z-Waschbär Nr. 19 Der Gen-Z-Waschbär Band 19 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 20 – Der Ossi-Waschbär Nr. 20 Der Ossi-Waschbär Band 20 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 21 – Der Wessi-Waschbär Nr. 21 Der Wessi-Waschbär Band 21 · Bahn-Slam-Geschichten Genosse Waschbär Band 22 – Der liberale Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 22 Der liberale Waschbär Band 22 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 23 – Der grüne Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 23 Der grüne Waschbär Band 23 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 24 – Der konservative Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 24 Der konservative Waschbär Band 24 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 25 – Der sozialdemokratische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 25 Der sozialdemokratische Waschbär Band 25 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 26 – Der linke Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 26 Der linke Waschbär Band 26 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 27 – Der rechtspopulistische Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 27 Der rechtspopulistische Waschbär Band 27 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 28 – Der schwule Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 28 Der schwule Waschbär Band 28 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 29 – Die lesbische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 29 Die lesbische Waschbärin Band 29 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 30 – Der Gen-Z-Waschbär (Wahlprogramm) Nr. 30 Der Gen-Z-Waschbär Band 30 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 31 – Die unpolitische Waschbärin (Wahlprogramm) Nr. 31 Die unpolitische Waschbärin Band 31 · Wahlprogramm Genosse Waschbär Band 32 – Das einzige Buch, das du über die Bahn lesen solltest Nr. 32 Alles über die Bahn Band 32 · Das einzige Buch, das du lesen solltest
— Stephan Pinkwart —

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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