Burj Khalifa vs. Deutschland: Was das Poetry Slam damit zu tun hat
Dubai, Januar 2010.
828 Meter.
Der Burj Khalifa steht.
Fertig.
- Nicht „fast fertig".
- Nicht „in Planung".
- Nicht „wir diskutieren noch die Farbwahl der Fassade".
Fertig.
Fix und fertig
...
Ohne Kompromisse
Berlin, Januar 2010.
Der BER?
Noch nicht mal angefangen mit dem, was man „Fertigstellung" nennen könnte.
Elbphilharmonie Hamburg?
Budget gesprengt.
Termin?
Bis 2300
Stuttgart 21?
Lach mich tot.
Ich saß 2019 in Dubai.
Direkt vor diesem Ding.
Dieser Nadel aus Glas und Beton, die in den Himmel bohrt wie ein Mittelfinger an die Schwerkraft.
Und ich dachte:
„Das haben die in sechs Jahren hochgezogen."

Sechs.
Jahre.
Deutschland schafft in sechs Jahren nicht mal einen Flughafen.
Aber weißt du, was mich wirklich fertig gemacht hat?
Nicht die Höhe.
Nicht die Ingenieurskunst.
Nicht die goldenen Aufzüge oder die Aussicht, die dich kotzen lässt, weil dein Gehirn die Distanz zum Boden nicht verarbeiten kann.
Sondern eine Erkenntnis, die mich auf der Slam-Bühne fast umgebracht hätte.
DIE PLANUNGS-HÖLLE
Warten auf Perfektion
Die Baustellen-Metapher
Kennst du das?
Du sitzt vor deinem Laptop.
Oder Notizbuch.
Oder Handy.
Du hast diesen einen Text.
Diese eine Idee.
Diesen einen Slam, der alles ändern könnte. Der dich endlich zeigen würde. Der dich endlich hörbar machen würde.
Aber.
Er ist nicht fertig.
Nie. Niemals.
- „Ich muss noch an der dritten Strophe arbeiten."
- „Die Pointe sitzt noch nicht."
- „Ich bin mir nicht sicher, ob das Publikum das versteht."
- „Vielleicht nächste Woche."
- „Vielleicht nächsten Monat."
- „Vielleicht nie."

Willkommen auf der ewigen Baustelle deines Lebens.
Willkommen im deutschen Poetry-Slam-BER.
Burj Khalifa-Prinzip: Bauen, während andere planen
Die Sache mit dem Burj Khalifa ist nicht, dass er so hoch ist.
Jeder Idiot mit genug Geld kann etwas Hohes bauen.
Und jeder behauptet, das er den größten hat und kann noch größer machen.

Irgendwann steht da etwas mit 1 Kilometer...
Die Sache ist: Er wurde fertig.
Während Deutschland noch Machbarkeitsstudien für den BER durchführt, haben die Emiratis einfach angefangen zu bauen.
- Jeden Tag.
- 24 Stunden.
- Ohne Pause.
Ohne „erstmal drei Jahre diskutieren".
Ohne „wir müssen noch 47 Gutachten einholen".
Sie haben gebaut.
Und fertig.
Dein Text ist der Burj Khalifa.
Oder der BER.
Du entscheidest.
Aber lass mich dir etwas sagen:
Niemand besucht Baustellen.
Niemand zahlt Eintritt für „kommt vielleicht irgendwann mal".
Niemand erinnert sich an den Text, den du nie gelesen hast.
Warum ich dich jetzt kille!!!
Perfektion ist eine Lüge.
Eine verdammte, fette, toxische Lüge, die uns die Werbeindustrie, Instagram und unsere beschissene Erziehung eingetrichtert haben.
„Sei perfekt."
„Mach keine Fehler."
„Zeig dich nicht, bevor du makellos bist."
Bullshit.
Weißt du, wer perfekt ist?
Tote Menschen. Die machen keine Fehler mehr.
- Die stolpern nicht über ihre Worte.
- Die vergessen keine Lines.
- Die schwitzen nicht unter den Scheinwerfern.
Weil sie tot sind.
Ist das dein Ziel?
Erst perfekt sein, wenn du nicht mehr atmest?
Fick die Perfektion.
Lies deinen Text.
Jetzt.
Heute.
Unfertig.
Mit Schönheitsfehlern.
Mit Rissen.
Mit Blut dran.
Das ist der einzige Weg, wie er jemals fertig wird.
Die 828-Meter-Regel für Poetry Slam
828 Meter.
So hoch ist der Burj Khalifa.
Gebaut in 2.192 Tagen.
Das sind 0,38 Meter pro Tag.
Nicht viel, oder?
38 Zentimeter.
Ein kleiner Schritt.
Ein winziger Fortschritt.
Aber jeden Tag.
Ohne Pause.
- Berlin.
- Stuttgart.
- Hamburg.
- München.
Überall Baustellen.
Überall Projekte, die „bald fertig" sind.
Seit Jahren.
Seit Jahrzehnten.
Der BER sollte 2011 öffnen.
Er öffnete 2020.
Neun Jahre zu spät.
Die Elbphilharmonie sollte 77 Millionen kosten.
Sie kostete 866 Millionen.
Stuttgart 21?
Lassen wir das.
Und jetzt schau in deinen Kopf.
Wieviele Texte liegen da rum?
- Ohne „heute hab ich keine Lust".
- Ohne „morgen fange ich an".
Jeden. Verdammten. Tag.
Und am Ende?
828 Meter.
Das höchste Gebäude der Welt.
Dein Text ist nicht anders.
Du musst ihn nicht an einem Tag fertig schreiben. Du musst nicht 10 Seiten auf einmal produzieren. Aber du musst jeden Tag etwas tun.
- Eine Zeile.
- Ein Wort.
- Eine Idee.
Irgendetwas.

Das Problem ist:
Wir denken in Endresultaten.
„Ich will einen krassen Slam-Text."
Aber wir denken nicht in Prozessen.
Wir wollen den Burj Khalifa.
Aber wir wollen ihn sofort. Ohne die 2.192 Tage Arbeit. Geht nicht. Funktioniert nicht. Wird nie funktionieren.
Also hier die Regel:

Schreib jeden Tag 38 Zentimeter.
Was heißt das konkret? 38 Zentimeter = 10 Minuten Arbeit an deinem Text.
Nicht 10 Stunden.
Nicht „bis er fertig ist".
10 Minuten.
Mehr nicht.
Weniger auch nicht.
Jeden Tag.
Was passiert in 10 Minuten?
Manchmal eine Zeile.
Manchmal drei Strophen.
Manchmal nur ein Wort.
Aber immer: Fortschritt.
Und in 6 Monaten?
Hast du einen Text.
Oder zehn. Oder zwanzig.
Alle fertig.
Alle da. Alle bereit, gelesen zu werden.
Werbung in eigener Sache (aber mit Wucht):
Wenn du diese Techniken nicht nur lesen,
sondern anwenden willst wie ein Sniper mit Reimwaffe:

- Über 200 kranke Slam-Hacks
- Storystrukturen wie ein Fitzek-Krimi
- Übungen für Albtraum-Einstiege, Trauma-Texte, Schweige-Pausen
- Provokations-Templates
- Authentizitäts-Trigger
Keine süßen Sprüche.
Nur brutale, ehrliche Texte,
die das Publikum seelisch ohrfeigen.
