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Rente plus 4, Fahrpreis plus 6, Vorstand plus 14
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (drei Prozentzahlen)

Einundvierzig mehr. Zweiundsechzig weniger. Foto: wpa (Symbolbild)
Fulda (wpa) – Drei Zahlen aus demselben Jahr, und zusammen erzählen sie eine ziemlich schweinische Geschichte. Einzeln stehen sie brav getrennt, damit sie keiner nebeneinanderlegt.
Die Rente stieg zum 1. Juli um 4,24 Prozent. Das war die Schlagzeile, mit Sektlaune verkündet.
Der Fahrpreis stieg im Dezember um 5,9 Prozent. Das war eine Fußnote, klein gedruckt, leise abgebucht.
Die Vorstandsvergütung stieg um 14. Das war streng geheim, bis Seite 214, wo es keiner sucht.
Alle drei Werte sind korrekt ermittelt und veröffentlicht. Nur nie am selben Ort, das wäre ja unhöflich gegenüber der Wahrheit.
Sie stammen aus drei Veröffentlichungen, nebeneinander stehen sie nirgends. Wer sie nebeneinanderlegt, sieht die Umverteilung von unten nach ganz oben, in Reinform.
Frau Ostermann, 74, bekommt seit Juli 41 Euro mehr im Monat. 41 Euro, feierlich verkündet, als hätte man ihr ein Königreich geschenkt.
Ihre Monatskarte kostet seit Dezember 62 Euro mehr. 62 Euro, klammheimlich abgebucht, kein Sekt, keine Rede.
Sie hat das nachgerechnet, weil sie muss. Der Vorstand muss nie nachrechnen, bei dem stimmt die Kasse von ganz allein.
Die Differenz sind 21 Euro, im Jahr 252. Die Rentenerhöhung war bei ihr kurz zu Besuch und ist gleich weitergefahren, direkt in die Konzernkasse.
252 Euro, das war ihr Notgroschen für die Fahrten zum Arzt. Der ist jetzt weg, der Arzt bleibt weit, und niemand fragt, wie sie hinkommt.
Zurücklegen kann sie seit Dezember nichts mehr. Zurücklegen kann nur, wem am Monatsende überhaupt etwas bleibt.
Also fährt sie seltener, zwei Termine im Quartal statt drei. Ihre Gesundheit richtet sich jetzt nach dem Fahrpreis, so hat man sich das in der Chefetage sicher nicht gedacht, aber es stört auch keinen.
Den dritten Termin hat sie abgesagt, Grund: es gehe schon. Es geht nicht, aber der Satz spart die Fahrkarte, und mehr kann sie sich nicht leisten.
Die Rentenerhöhung wurde als Stärkung der Kaufkraft im Alter verkauft, auf zwei Seiten. Zwei Seiten für 41 Euro, die längst wieder eingezogen waren, bevor sie ankamen.
Die Fahrpreiserhöhung hieß Kundenbeitrag zur Sanierung, auf einer Seite. Der Beitrag wird erhoben, nicht geleistet, das ist der feine Unterschied zwischen Raub und Spende.
Die Vorstandsvergütung wurde gar nicht kommuniziert, sie versteckt sich auf Seite 214. Was man nicht erklärt, muss man auch nicht rechtfertigen, so einfach ist Anstand hier.
Dort steht die Begründung: Erreichung der vereinbarten Ziele. Vereinbart hat die Ziele derselbe, der sie kassiert, praktisch, oder?
Ein Ziel war die Flottenzufriedenheit, 94 Prozent. Zufrieden waren die Fahrzeuge, nur die Fahrgäste hat keiner gefragt.
Die Fahrgastzufriedenheit lag bei 2,9 von 6, sie war kein Ziel. Wer zahlt, wird nicht gemessen, nur wer verdient, das ist die ganze Firmenphilosophie.
Vier Komma zwei vier ist die einzige der drei Zahlen, die es in eine Pressemitteilung geschafft hat. Die kleine, hübsche Zahl darf raus, die anderen zwei bleiben brav im Keller.
Sie stand dort ganz vorn, im ersten Satz, wo man sie glaubt. Die vierzehn Prozent kennt nur Seite 214, und da geht keiner hin.
Es ist die kleinste der drei. Und ausgerechnet die kleinste dürfen sie Frau Ostermann als Geschenk unter den Weihnachtsbaum legen.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Rente plus 4,24 Prozent, Fahrpreis plus 5,9 Prozent, Vorstandsvergütung plus 14 +++
+++ Bei Frau Ostermann: 41 Euro mehr Rente, 62 Euro mehr Monatskarte +++
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