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Aufsichtsrat streicht Bahnhöfe, kam mit dem Auto
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (zwei von zwanzig)

Zwei von zwanzig. Beide zu spät. Foto: wpa (Symbolbild)
Berlin (wpa) – Der Aufsichtsrat hat über die Mittel im Schienennetz entschieden, in vier Stunden. Vier Stunden, um Bahnhöfe plattzumachen, an denen keiner der Herren je einen Fuß auf den Bahnsteig setzt.
Auf der Tagesordnung: neun Haltepunkte streichen, zwei Ausbauvorhaben verschieben. Neun Orte weniger, mit einem müden Federstrich zwischen Kaffee und Häppchen.
Beides beschlossen. Einstimmig, wie es sich gehört unter Leuten, die es nicht die Bohne betrifft.
Uns liegt die Anwesenheitsliste vor, mit Spalte zur Anreise, weil Reisekosten abgerechnet werden. Die Anreise verrät mehr als das ganze wohlformulierte Protokoll.
Von zwanzig Mitgliedern kamen zwei mit dem Zug. Zwei von zwanzig, das ist die Quote der Betroffenheit in diesem erlauchten Kreis.
Vierzehn kamen mit dem Dienstwagen, vier flogen. Über die Schiene entscheiden die, die sie mit spitzen Fingern meiden.
Für Dienstreisen des Bundes gilt Bahnpflicht bis 500 Kilometer, für Aufsichtsratsmandate nicht. Die Regel gilt für alle, außer für die, die sie machen, wie üblich.
Mandate sind keine Dienstreisen, sie werden gesondert abgerechnet. Gesondert heißt: mit Fahrer, mit Sekt und ohne das kleinste schlechte Gewissen.
Die beiden Bahnfahrer kamen zu spät und fehlten bei Punkt zwei. Wer Bahn fährt, verpasst prompt die Abstimmung über die Bahn, welch Ironie.
Punkt zwei war die Streichung der neun Haltepunkte. Ausgerechnet da fehlten die zwei, die noch eine blasse Ahnung hatten, wie es unten aussieht.
Ihre Verspätung betrug 40 und 74 Minuten, Grund war eine Weichenstörung. Der Aufsichtsrat verspätet sich an seinem eigenen Saftladen, das hat wenigstens Stil.
Die Weiche gehört zu einer Anlage, deren Erneuerung sie unter Punkt drei verschoben haben. Sie haben die Weiche vertagt, die sie selbst aufgehalten hat, man muss das erst mal hinkriegen.
Ihre Stimmen hätten nichts geändert, die achtzehn Anwesenden waren sich einig. Die Betroffenheit war zu winzig, um die Sitzung zu stören.
Zu Protokoll gegeben haben beide nichts. Wer zu spät kommt, hält die Klappe, das ist die Etikette im Gremium.
Die Reisekosten der Sitzung: 41.000 Euro, Flüge, Fahrer, Übernachtungen. Vier Stunden Gequatsche, ein ganzes Jahresgehalt einer Reinigungskraft, verputzt.
Der Betrieb eines der neun Haltepunkte kostet 210.000 im Jahr. Zwei solche Sitzungen sind vier Monate Zug für einen ganzen Ort, aber getagt wird natürlich lieber.
Zwei Sitzungen kosten so viel wie ein Vierteljahr Bahnhof. Man verplempert lieber das Geld an sich selbst als an die da draußen.
Die neun Haltepunkte liegen in fünf Landkreisen, 41.000 Menschen. 41.000 verlieren ihren Halt, damit vierzehn Herren ihren Dienstwagen behalten dürfen.
Angehört wurden die Betroffenen nicht, bei Streichungen ist keine Anhörung vorgesehen. Man schließt ihnen den Bahnhof vor der Nase zu, ohne sie auch nur zu fragen, spart Zeit.
Vorgesehen ist eine Information der Aufgabenträger, schriftlich, vier Wochen vorher. Informiert wird, nicht gefragt, das ist der kleine feine Unterschied zur Demokratie.
Im Protokoll steht die Anreise nicht, die steht in der Kostenabrechnung. Das Peinliche packt man ordentlich in ein anderes Dokument, damit es keiner zusammenliest.
Die Abrechnung ist nicht Teil des Protokolls. So sauber trennt man Zuständigkeiten, wenn die Trennung einem in den Kram passt.
Die nächste Sitzung ist für Februar geplant, in Frankfurt. Frankfurt, wo die Dienstwagen schon vorglühen.
Frankfurt ist mit dem Zug gut erreichbar, steht in der Einladung. Der einzige Satz über die Bahn, den der Aufsichtsrat ernst meint, und selbst der stimmt nicht.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Zwanzig Mitglieder, zwei kamen mit dem Zug, vierzehn mit dem Dienstwagen, vier flogen +++
+++ Die beiden Bahnreisenden fehlten bei der Abstimmung über die Streichung von neun Haltepunkten +++
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