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Ein Orchester spielt jetzt die Geräusche der maroden Schienen
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (Ladezeit: 8)

Der Dirigent am Gleis. Das Quietschen ist die Partitur. Foto: wpa (Symbolbild)
Essen (wpa) – Die Deutsche Bahn gründet ein Orchester. Es spielt die Geräusche ihrer Schienen.
Die Schienen klappern ohnehin. Jetzt klingt es nach Absicht.
„Wir hören die Musik im Mangel“, sagt Klangchef Uwe Taktstock. Der Mangel ist laut.
Laut quietscht die Kurve. Das gilt als Ton.
Der Ton wird zur Partitur. Aufgeschrieben wird jedes Ächzen.
Jedes Ächzen hat seinen Platz. Im Programmheft.
Das Programmheft ist dünn. Das Repertoire ist der Verfall.
Verfall klingt vielfältig. Rost hat viele Stimmen.
Viele Stimmen, ein Thema. Das Thema ist die Reparatur.
Repariert wird nicht. Das wäre still.
Stille verkauft kein Ticket. Lärm schon.
Der Eintritt ist frei. Gespielt wird am Gleis.
Am Gleis steht das Publikum. Es wartet ohnehin.
Ohnehin wartend, lauscht es. Dem Klang der Verspätung.
Die Verspätung hat Rhythmus. Er ist unregelmäßig.
Unregelmäßig wie der Takt. Der Dirigent zuckt mit.
Mitgezuckt wird bei jeder Durchsage. Sie ist das Finale.
Kritiker nennen es Katzenjammer. Die Bahn nennt es Sinfonie.
Frau Reis hörte im August zu. Sie wollte eigentlich fahren.
Gefahren ist sie nicht. Aber sie hat ein Konzert gehört.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Das Quietschen wird zum Konzert, der Eintritt ist frei +++
+++ Gespielt wird, solange nichts fährt, also lange +++
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