Behinderte geben auf, die Bahn feiert die Zahlen

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Behinderte geben auf, die Bahn feiert die Zahlen

Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (Beschwerden: weniger)

Beschwerdequote Barrierefreiheit Satire: Waschbär sitzt am Ende eines taktilen Leitstreifens vor einem Bauzaun

Weniger Eingaben. Als Verbesserung berichtet. Foto: wpa (Symbolbild)

Dortmund (wpa) – Die Eingaben von Behindertenverbänden sind um 34 Prozent gesunken, jubelt der Nachhaltigkeitsbericht. Weniger Beschwerden heißt hier: weniger Behinderte, die überhaupt noch durchdringen.

Ausgewiesen unter Barrierefreiheit, kommentiert als Verbesserung. Verbessert hat sich die Zahl, nicht der Bahnhof, kein einziger Aufzug fährt deswegen.

Die Zahl stimmt, es kamen weniger Eingaben. Korrekt gezählt, mit voller Absicht falsch verkauft.

In der Steuerung gilt die Zahl der Eingaben als Maß für die Qualität der Barrierefreiheit. Wer sich nicht beschwert, dem geht es prächtig, so die dreiste Rechnung.

Sinkende Eingaben gelten als steigende Qualität, so ist es definiert. Man hat den Erfolg exakt so gebastelt, dass ihn das Schweigen der Erschöpften erzeugt.

Die Kennzahl ist nicht falsch, sie misst nur etwas ganz anderes, als sie soll. Sie misst, wann die Leute aufgeben, nicht, ob sie reinkommen.

Ein Verband machte 2019 bis 2024 insgesamt 61 Eingaben, letztes Jahr neun. Der Rückgang ist kein Erfolg, er ist eine Kapitulation.

Auf 58 der 61 kam eine Antwort, 54-mal der Hinweis, das Anliegen werde aufgenommen. Aufnehmen heißt: ab in den Ordner, bloß nicht in die Tat.

Umgesetzt wurde es in vier Fällen, einmal wurde ein Schild aufgestellt. Vier von 61, das ist die Trefferquote der konzernalen Nächstenliebe.

Das Schild weist auf den Aufzug hin, der in der Beschwerde stand. Der Aufzug war an dem Tag außer Betrieb, das Schild funktioniert seither tadellos.

In zwei Fällen wurde ein Aufzug repariert, beide sind längst wieder hin. Repariert für die Statistik, kaputt für den Rollstuhl, so muss das.

Im vierten Fall wird eine Rampe geprüft, seit 2022. Drei Jahre Prüfung für ein schräges Brett, man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen.

Der Verband hat die Eingaben nicht eingestellt, er hat sie priorisiert. Man wählt aus, wofür sich das Kämpfen überhaupt noch lohnt, weil die Kraft nicht reicht.

Priorisiert wird nach Aussicht auf Erfolg, geschätzt aus den Vorjahren. Die Aussicht liegt bei vier von 61, mehr springt nicht raus.

Das sind 6,5 Prozent. Bei 6,5 Prozent hört man auf, das ist kein Trotz, das ist blanke Arithmetik der Zermürbung.

Bei 6,5 Prozent lohnt der Aufwand nur noch, wo es um Leib und Leben geht. Für die bloße Würde zu kämpfen rechnet sich schon lange nicht mehr.

Der Aufwand je Eingabe: vier bis sechs Stunden, ehrenamtlich. Der Milliardenkonzern lässt sich seine eigenen Barrieren von Rentnern im Ehrenamt dokumentieren, gratis, und dankt ihnen in Schwarzschrift.

Herr Falkenberg ist Mitglied, er schrieb 2019 bis 2024 elfmal. Elfmal hat der Mann höflich um seinen eigenen Bahnsteig gebettelt.

Letztes Jahr hat er nicht geschrieben. Sein Schweigen taucht im Bericht als Verbesserung auf, man stelle sich diese Frechheit vor.

Er fährt seit März mit dem Taxi, wer nicht fährt, hat auch keine Eingabe. Man hat ihn aus dem Bahnhof vertrieben, und die Statistik bedankt sich artig.

Das Taxi kostet ihn 240 Euro im Monat, ein Zuschuss ist beantragt. Er zahlt aus eigener Tasche dafür, dass der Aufzug kaputt ist, und wartet auf Erstattung, die neun Monate braucht.

Fürs laufende Jahr wird ein weiterer Rückgang der Eingaben erwartet. Erwartet wird schlicht, dass noch mehr Leute aufgeben, und das ist erklärtes Ziel.

Es ist in der Zielvereinbarung hinterlegt. Man hat das Schweigen der Behinderten schwarz auf weiß zur Zielgröße erklärt, und keiner im Vorstand ist rot geworden.

Er wird eintreten.

+++ MÜLLEIMER-TICKER +++

+++ Eingaben von Behindertenverbänden minus 34 Prozent, im Nachhaltigkeitsbericht als Verbesserung ausgewiesen +++

+++ Von 61 Eingaben in fünf Jahren wurden vier umgesetzt, davon eine als Schild in Schwarzschrift +++

Achtung, Satire: Personen, Zitate und Pressestellen sind frei erfunden — im Gegensatz zu den Verspätungen.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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