Pflichtfeld für Vorschläge, die keiner liest

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Pflichtfeld für Vorschläge, die keiner liest

Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (120 Zeichen)

Beschwerdeformular 120 Zeichen Satire: Waschbär sitzt auf einer Heizung unter einem kleinen Kummerkasten mit klemmendem Zettel

Der Einwurf am Bahnhof. Der Zettel war zu lang. Foto: wpa (Symbolbild)

Berlin (wpa) – Die Bahn hat ihr Beschwerdeformular überarbeitet. Neu ist ein Pflichtfeld für Verbesserungsvorschläge, das niemand liest.

Das Feld fasst 120 Zeichen. Ohne Eintrag kann man nicht absenden.

Wer sich beschweren will, muss erst einen Vorschlag machen. Sonst bleibt die Beschwerde im Formular stecken.

„Ein Schritt zur Beteiligung“, sagt Qualitätsreferentin Marlies Freitextfeld. Beteiligt wird das Archiv, nicht der Betrieb.

Ausgewertet wird rein quantitativ. Erfasst wird, ob das Feld ausgefüllt ist, nicht was drinsteht.

Der Inhalt wird nicht gelesen. Er wird archiviert, in einem Ordner, den keiner öffnet.

So sammelt der Konzern Ideen, die er nie erfährt. 120 Zeichen Weisheit, direkt ins Nichts.

Gemeldet wird die Beteiligungsquote. 100 Prozent, denn ohne Eintrag geht das Formular nicht los.

100 Prozent Beteiligung, null Prozent Wirkung. Eine schöne Zahl für den Bericht.

Der Vorstand nennt das Kundennähe. Nah ist der Kunde nur seinem Pflichtfeld.

Wer keine Idee hat, erfindet eine. Oder schreibt Punkt für Punkt, bis 120 voll sind.

Das System nimmt auch Punkte. Es zählt Zeichen, nicht Sinn.

Frau Henkel wollte sich über einen Ausfall beschweren. Erst musste sie sagen, wie man ihn behebt.

Sie schrieb: Mehr Züge fahren lassen. Es passte knapp in 120 Zeichen.

Abgesendet, archiviert, nie gelesen. Ihr Vorschlag liegt jetzt bei Millionen anderer.

Die Antwort kam als Textbaustein. Man danke für die wertvolle Rückmeldung.

Wertvoll war sie nur als Häkchen. Gelesen hätte sie ein Mensch tun müssen, und Menschen kosten.

Der Minister lobt die Dialogkultur der Bahn. Dialog ist, wenn einer schreibt und keiner liest.

Für nächstes Jahr ist ein zweites Pflichtfeld geplant. Für Lob, versteht sich, auch ungelesen.

Du musst sagen, wie man es besser macht, bevor du dich beschweren darfst. Gelesen wird beides nie.

+++ MÜLLEIMER-TICKER +++

+++ Freitextfeld 120 Zeichen, Pflichtfeld, ohne Zwischenspeicherung, nicht ausgewertet +++

+++ Kategorie Sonstiges in 61 Prozent der Fälle gewählt – sie führt zu einer automatischen Antwort +++

Achtung, Satire: Personen, Zitate und Pressestellen sind frei erfunden — im Gegensatz zu den Verspätungen.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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