Zug tot, Modellregion geboren, im selben Monat

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Zug tot, Modellregion geboren, im selben Monat

Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (drei Jahre gefördert)

Modellregion Satire: Waschbär sitzt auf einem Bahndamm, von dem Schienen und Schwellen abgebaut worden sind

Der Verkehr ist weg. Das Projekt über ihn läuft drei Jahre. Foto: wpa (Symbolbild)

Meiningen (wpa) – Auf einer Nebenstrecke ist der Verkehr eingestellt worden, der letzte Zug fuhr im Dezember. Und im selben Atemzug feiert der Landkreis sich für die Rettung genau dieser Region.

Abbestellt wurde nach einer Nutzen-Kosten-Untersuchung, der Faktor lag bei 0,8. Eine Zahl unter eins, und schon darf ein ganzer Landkreis vom Netz.

Gefördert wird ab 1,0, der Kreis lag darunter und wurde abgeklemmt. 0,2 zu wenig, und der Zug ist Geschichte, so billig ist eine Stilllegung zu haben.

Im selben Monat wurde eine Modellregion für Mobilität eingerichtet, sie umfasst denselben Landkreis. Man tötet die Strecke und gründet daneben ein Projekt zu ihrer Wiederbelebung, im selben Monat, in derselben Behörde.

Das Fördervolumen beträgt 2,4 Millionen Euro, die Laufzeit drei Jahre. Für den Zug war kein Geld da, fürs Reden über den Zug fließen die Millionen.

Der jährliche Zuschuss für die Strecke lag bei 1,9 Millionen. Man hätte den Zug für weniger fahren lassen können, als das Konzept über ihn kostet.

Für 1,9 Millionen fuhr ein Zug, für 2,4 entsteht ein Konzept. Das eine brachte Menschen zur Arbeit, das andere bringt eine Projektstelle in die Kreisstadt.

Beide Beträge stammen aus verschiedenen Töpfen, der eine ist Betrieb, der andere Förderung. Und in getrennten Töpfen findet man immer Geld fürs Schöne und keins fürs Nötige.

Betrieb wird gekürzt, Förderung wird beantragt. Man streicht das, was fährt, und beantragt das, was glänzt.

Untersucht werden neue Formen der Erschließung im ländlichen Raum, der Ansatz ist bewusst offen formuliert. Bewusst offen heißt: Man weiß das Ergebnis noch nicht, den Zug hat man trotzdem schon abgeschafft.

Untersucht werden Rufbus, Sammeltaxi und Fahrgemeinschaft, alle drei gab es dort bereits. Man erforscht mit Millionenaufwand, was der Kreis schon einmal weggeworfen hat.

Eingestellt wurden sie 2017, weil sie nicht angenommen wurden. Dieselbe Idee, dieselbe Region, und keiner im Projekt schlägt die alte Akte auf.

Angenommen wurden sie nicht, weil sie den Bahnhof nicht anfuhren, das steht in der Auswertung von 2017. Der Grund des Scheiterns ist aktenkundig, und genau dieses Scheitern wird jetzt noch einmal teuer nachgestellt.

Die Auswertung liegt vor, sie ist nur nicht Teil der Projektunterlagen. Was das Projekt widerlegt, hat man vorsichtshalber aus dem Projekt herausgelassen.

Eingerichtet wurde eine Projektstelle, sie sitzt in der Kreisstadt. Die Rettung des abgehängten Dorfes verwaltet man bequem von dort, wo der Zug noch fährt.

Die Kreisstadt liegt an der Hauptstrecke, im Stundentakt angebunden. Wer die Mobilität der Abgehängten erforscht, will selbstverständlich nicht abgehängt wohnen.

Projektleiterin Annette Bedarfsverkehr nennt die Region „ein geradezu ideales Untersuchungsgebiet“. Ideal ist sie, weil man hier bei null anfangen darf, dafür hat man ja vorher die null geschaffen.

Das ist sie, seit Dezember ganz besonders. Idealer als ein Landkreis ohne jeden Zug wird ein Untersuchungsgebiet nun mal nicht.

Im ersten Jahr sind eine Bestandsaufnahme und eine Befragung vorgesehen. Ein Jahr lang wird erfasst, was fehlt, obwohl jeder im Dorf es in einem Satz sagen könnte.

Die Bestandsaufnahme wird den eingestellten Verkehr als Ausgangslage erfassen. Man nimmt die selbst gerissene Lücke zum Nullpunkt und nennt das wissenschaftlich.

Im zweiten Jahr folgt ein Reallabor, vorgesehen sind zwei Kleinbusse. Zwei Busse als Labor, wo einst ein Zug fuhr, und alle klatschen über den Fortschritt.

Sie fahren auf einer Kreisstraße, die parallel zur stillgelegten Trasse verläuft. Neben dem verrostenden Gleis rollt der Modellversuch, teurer und langsamer als das, was da liegt.

Nach drei Jahren endet die Förderung, ein Anschlusskonzept ist Bestandteil des Projekts. Wenn das Geld weg ist, gibt es ein Konzept dafür, wie es ohne Geld weitergeht.

Es soll im letzten Quartal erarbeitet werden. Vorgesehen sind dafür 90 Personentage.

+++ MÜLLEIMER-TICKER +++

+++ Streckenzuschuss 1,9 Millionen gestrichen, Modellregion mit 2,4 Millionen eingerichtet +++

+++ Untersucht werden drei Angebote, die es dort bis 2017 schon gab +++

Achtung, Satire: Personen, Zitate und Pressestellen sind frei erfunden — im Gegensatz zu den Verspätungen.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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