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Jahreskarte gilt überall, nur nicht zu Hause
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 3 Minuten (Geltungsbereich prüfen)

Die Karte gilt. Nur nicht hier. Foto: wpa (Symbolbild)
Erfurt (wpa) – Der Verkehrsverbund Mittelthüringen hat seine Jahreskarte neu zugeschnitten. Sie gilt künftig überall außer im eigenen Verbundgebiet.
Begründet wird das mit der Auslastung. Die Züge im Verbund seien voll.
„Wir lenken die Nachfrage“, sagte eine Sprecherin des Verbunds. „Und zwar nach außen.“
Betroffen sind 40.000 Kunden. Die meisten fahren täglich zur Arbeit.
Diese Fahrten liegen im Verbundgebiet. Abgedeckt sind sie nicht mehr.
Für sie braucht es ein Einzelticket. 4,20 Euro.
Bei 220 Arbeitstagen sind das 1.848 Euro. Die Jahreskarte kostet 690.
Zusammen 2.538 Euro. Vorher waren es 690.
Der Verbund hält die Rechnung für unvollständig. Man könne die Karte ja außerhalb nutzen.
Genutzt wird sie dort von 400 Personen. Im Schnitt zweimal im Jahr.
Ausgenommen wurde die eigene Region, weil dort die Nachfrage am höchsten ist. Wo Nachfrage ist, wird einzeln verkauft.
So steht es in der Tarifvorlage, unter Ertragssicherung.
Die Einnahmen werden zwischen den Verbünden nach Wohnort aufgeteilt. Wer zu Hause fährt, macht Kosten ohne Zusatzeinnahme.
Betriebswirtschaftlich ist das folgerichtig.
Betroffen sind Menschen, die im ländlichen Raum wohnen und dort auch arbeiten. Ihr Anteil liegt bei 61 Prozent.
Sie zahlen für ein Angebot, das dort gilt, wo sie nicht hinfahren.
Fahrgastverbände nennen die Umstellung absurd. Eine regionale Karte müsse in der Region gelten.
Der Verbund verweist auf die Finanzierung. Gedeckt sind derzeit 38 Prozent der Kosten.
Der Rest kommt vom Land. Das hat seine Zuschüsse um zwölf Prozent gekürzt.
Daraufhin wurde das Angebot angepasst. Der Zusammenhang wird nicht bestritten.
Ein Verkehrsforscher nennt das eine Abwärtsspirale. Weniger Angebot bringe weniger Kunden.
Weniger Kunden brächten weniger Einnahmen. Weniger Einnahmen weniger Angebot.
Der Verbund kennt die Argumentation und hält sie für theoretisch. In der Praxis fehle schlicht das Geld.
Für 2028 ist eine Rückkehr zur alten Regelung geplant. Verhandelt wird darüber seit 2022.
Frau Kling, 44, arbeitet im Nachbarort, elf Kilometer. Beides liegt in derselben Region.
Sie fährt seit August mit dem Rad. Im Winter mit dem Auto.
Gekündigt hat sie die Karte, nicht die Stelle.
Bis dahin gilt die Karte überall. Nur eben nicht dort, wo man wohnt.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Der eigene Wohnort ist ausgenommen, weil dort die Nachfrage am höchsten ist – Tarifvorlage, Abschnitt Ertragssicherung +++
+++ 1.848 Euro zusätzlich im Jahr bei vier Stationen +++
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