Bus endet 900 Meter und einen Berg vorm Bahnhof

⚠ Störungsinfo: Auf diesem Abschnitt der Website fällt der Ernst bis auf Weiteres aus. Es verkehrt ein Satire-Ersatzverkehr. Wir bitten, die Freude zu entschuldigen.

Bus endet 900 Meter und einen Berg vorm Bahnhof

Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (Umsteigezeit vier)

Letzte Meter Ersatzverkehr Satire: Waschbär sitzt dort, wo die Straße endet und ein unbeleuchteter Fußweg bergauf weitergeht

Neunhundert Meter, vierzehn Höhenmeter, vier Minuten im Plan. Foto: wpa (Symbolbild)

Gießen (wpa) – Der Ersatzverkehr für einen gesperrten Abschnitt endet am Ortsrand, die Haltestelle liegt 900 Meter vom Bahnhof entfernt. Der Bus bringt die Leute fast hin, den Rest sollen sie kriechen.

Der Grund ist die Wendemöglichkeit, am Bahnhofsvorplatz kann ein Gelenkbus nicht wenden. Dem Bus ist der Platz zu eng, dem Fahrgast wird der Berg zugemutet.

Das ist zutreffend und geprüft, der Platz ist zu klein. Zu klein für den Bus, groß genug für die Ausrede.

Zu klein ist er, seit dort 2019 Fahrradbügel und eine Ladesäule aufgestellt wurden. Man hat den Wendeplatz zugestellt und schiebt es jetzt der Physik in die Schuhe.

Die Ersatzhaltestelle liegt an einer Wendeschleife am Ortsrand, verkehrlich geeignet. Geeignet für den Bus, für einen alten Menschen ein Auswurf ins Nirgendwo.

Zwischen ihr und dem Bahnsteig liegen 900 Meter, der Höhenunterschied beträgt 14 Meter. 900 Meter bergauf, als Anschluss verkauft.

Die Steigung beträgt sieben Prozent, der Weg ist beleuchtet. Immerhin sieht man, woran man keucht.

Ein durchgehender Gehweg besteht nicht, auf 340 Metern führt der Weg über die Fahrbahn. Zwischen Bus und Bahn läuft man ein Stück mitten auf der Straße, das ist der geprüfte Anschluss.

In der Fahrplanauskunft steht die Umsteigezeit mit vier Minuten, der Wert wurde unverändert übernommen. Vier Minuten für 900 Meter Berg, ausgedacht von jemandem, der nie ausgestiegen ist.

Er stammt aus der Zeit, als der Bus noch am Bahnhof hielt. Die Realität ist umgezogen, die Zahl im System nicht.

Vier Minuten reichen für 900 Meter nicht, der Fußweg dauert nach Messung elf. Die Auskunft verspricht vier, die Beine liefern elf, und dazwischen fährt der Zug ab.

Wer der Auskunft folgt, verpasst den Anschluss, wer die Strecke kennt, geht früher los. Belohnt wird, wer dem eigenen System misstraut.

Die Auskunft ist damit nicht falsch, sondern veraltet, eine Korrektur ist beantragt. Beantragt heißt: Es wandert durch die Zuständigkeiten, während die Leute weiter zu spät kommen.

Sie erfordert die Anlage eines Fußwegs in der Datenbank, zuständig ist der Verbund. Ein Fußweg, den es in der Wirklichkeit gibt, muss erst in einer Datenbank geboren werden.

Der Verbund verweist auf den Baulastträger des Weges, das ist die Kommune. Und schon beginnt das Lieblingsspiel der Behörden, der Schwarze Peter mit den 900 Metern.

Ersatzverkehrsreferent Bernd Wendeschleife nennt die Lösung „betrieblich alternativlos“. Alternativlos ist sie für den Bus, tödlich unbequem für die, die ihn brauchen.

Der Ersatzverkehr endet dort, wo die Zuständigkeit endet, und das ist der Ortsrand. Genau da, wo der Mensch anfängt, hört der Konzern auf.

Zuständig für die letzten 900 Meter ist die Kommune, sie unterhält die Straße. Der Konzern kippt die Leute am Ortsrand ab und wäscht die Hände in Ersatzverkehr.

Die Straße ist unterhalten, einen Gehweg hat sie nicht. Fahren dürfen dort Autos, gehen soll man auf gut Glück.

Ein Gehweg ist keine Pflichtaufgabe, er ist eine freiwillige Leistung. In diesem Land ist der sichere Schulweg Kür, nicht Pflicht.

Freiwillige Leistungen sind bei Haushaltssicherung zu streichen, die Stadt ist seit 2019 in Haushaltssicherung. Für den Gehweg ist kein Geld da, gelaufen wird auf der Fahrbahn zum Nulltarif.

Der Bus könnte weiterfahren, es fehlt nur die Wendemöglichkeit. An einem Stück Asphalt zum Wenden scheitert der Anschluss eines ganzen Ortes.

Eine Wendemöglichkeit kostet 61.000 Euro, sie steht seit 2021 auf der Liste. 61.000 Euro, seit vier Jahren zu teuer, während das Reden darüber längst mehr gekostet hat.

Frau Kluge ist 68 und geht am Rollator, sie fährt zweimal in der Woche. Für sie ist der geprüfte, alternativlose, verkehrlich geeignete Anschluss schlicht nicht zu schaffen.

Für den Bus sind die sieben Prozent eine Steigung. Für sie sind sie ein Berg.

+++ MÜLLEIMER-TICKER +++

+++ Die letzten 900 Meter liegen in kommunaler Zuständigkeit und haben keinen Gehweg +++

+++ Wendemöglichkeit für 61.000 Euro steht seit 2021 auf der Liste +++

Achtung, Satire: Personen, Zitate und Pressestellen sind frei erfunden — im Gegensatz zu den Verspätungen.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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