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Neun neue Züge gekauft, fünf stehen ohne Fahrer
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (elf von vierunddreißig)

Neun Fahrzeuge stehen bereit. Elf Leute können sie fahren. Foto: wpa (Symbolbild)
Görlitz (wpa) – Ein Landkreis hat neun Regionaltriebwagen selbst gekauft, 41 Millionen Euro. Neun funkelnde Züge, und die halbe Flotte steht von Tag eins nur herum.
Der Zweck ist bekannt und sinnvoll, eigene Fahrzeuge senken die Einstiegshürde für Betreiber in der Ausschreibung. So weit die Theorie, in der alles glattläuft.
Ohne Fahrzeugrisiko bieten mehr Unternehmen mit, das erhöht den Wettbewerb. Man verschenkt das teure Risiko und feiert die billigen Angebote.
Die Rechnung ging auf, es gab drei Angebote statt bisher einem. Ein Erfolg, sauber auf dem Papier, und das Papier fährt bekanntlich hervorragend.
Die Angebotspreise sanken um 22 Prozent, das war der Zweck und er wurde erreicht. Man hat den Preis gedrückt und dabei die Hauptsache vergessen, den Menschen, der den Zug fährt.
Den Zuschlag bekam ein Betreiber, er braucht für den Umlauf 34 Triebfahrzeugführer. 34 Menschen, die es auf dem leergefegten Markt schlicht nicht gibt.
Vorhanden sind elf, der Rest soll eingestellt werden. Man plant den Betrieb mit Personal, das erst noch vom Himmel fallen muss.
Ausgeschrieben wurden 23 Stellen, besetzt wurden vier. Vier von dreiundzwanzig, und trotzdem stand im Angebot, es werde schon klappen.
Die Ausbildung dauert zwölf Monate, der Markt ist leer. Man kann Züge in einem Jahr kaufen, Lokführer nicht, das weiß jeder außer der Vergabestelle.
Personal war nicht Gegenstand der Beschaffung, es ist Gegenstand des Verkehrsvertrags. Man hat das Blech eingekauft und den Menschen zur Nebensache erklärt.
Im Verkehrsvertrag steht eine Betriebsleistung, wie sie erbracht wird, ist Sache des Betreibers. Der Kreis wäscht die Hände, der Betreiber hat keine Leute, und der Fahrgast steht am Bahnsteig.
Das Fahrzeugrisiko liegt damit beim Landkreis, das Personalrisiko beim Betreiber. Jeder trägt genau das Risiko, das der andere ihm zugeschoben hat.
Beide Risiken bestanden vorher auch, verschoben wurde nur eines von beiden. Man hat das Risiko gelöst, für das es eine Ausschreibung gab, und das andere ignoriert.
Verschoben wurde das, für das es eine Ausschreibung gab. Was sich nicht ausschreiben ließ, blieb einfach liegen, mitsamt den Zügen.
Die neun Fahrzeuge sind ausgeliefert, fünf stehen im Abstellbereich. 23 Millionen Euro Neubau, parkend, blitzsauber, fahrerlos.
Vier fahren, sie decken 41 Prozent des vereinbarten Umlaufs. Für 59 Prozent der versprochenen Züge fehlt schlicht der Mensch am Hebel.
Gefahren wird im Übrigen mit dem alten Bestand und ausgedünntem Takt. Man hat neu gekauft und fährt weiter alt, nur seltener.
Der Landkreis zahlt Zins und Tilgung, die Fahrzeuge sind versichert und werden gewartet. Für stehendes Blech läuft die Uhr wie für fahrendes.
Die Standkosten je Fahrzeug betragen 340 Euro am Tag, für fünf sind das 620.000 im Jahr. 620.000 Euro im Jahr fürs Danebenstehen, das ist die Rendite dieser Strategie.
Für Minderleistung zahlt der Betreiber eine Pönale, 610 Euro je ausgefallener Fahrt. Man hat einen Preis für den Ausfall, nur keinen Fahrer für die Fahrt.
Die Pönale geht an den Landkreis und deckt die Standkosten zu 71 Prozent. Der Kreis verdient am eigenen Versagen mit, das nennt man dann Risikoausgleich.
Vergabereferentin Renate Fahrzeugpool nennt die Beschaffung „strategisch goldrichtig“. Goldrichtig gelöst wurde das Problem, das Kapital heißt, alles andere blieb liegen.
Strategisch gelöst wurde das Problem, das Kapital heißt. Für das Problem, das Mensch heißt, war die Strategie nicht zuständig.
Ein Risiko war ausgeschrieben und wurde verlagert. Es war das, mit dem sich glänzen ließ.
Das andere hieß Personal und stand in keiner Ausschreibung.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Fahrzeugrisiko verlagert, Angebotspreise minus 22 Prozent +++
+++ 14 Stellen ausgeschrieben, vier besetzt – vier Fahrzeuge fahren, vier stehen +++
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