Der Bericht zur Barrierefreiheit ist für Blinde unlesbar

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Der Bericht zur Barrierefreiheit ist für Blinde unlesbar

Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (1,4 Kilogramm)

Barrierebericht Satire: Waschbär sitzt neben einem sehr dicken gedruckten Bericht auf einer Bahnhofsbank

Dreihundertvierzig Seiten. Vorlesen lassen. Foto: wpa (Symbolbild)

Dortmund (wpa) – Der Konzern hat einen Bericht zur Barrierefreiheit vorgelegt, 340 Seiten, dick, glänzend, selbstzufrieden. 340 Seiten darüber, wer draußen bleibt, geschrieben für die, die reinkommen.

Er ist gründlich, sachlich, in Teilen selbstkritisch. Das ist alles, was man ihm lassen kann, und es ist verdammt wenig.

Erschienen ist er gedruckt und als PDF. Beides gemacht für Menschen, die sehen können, was bei dem Thema schon ein bisschen dreist ist.

Das PDF ist mit dem Screenreader nicht lesbar, die Seiten sind als Bild eingebettet. Der Bericht über Barrierefreiheit ist selbst eine einzige fette Barriere.

Kein Vorsatz, sagen sie, nur die Voreinstellung des Layoutprogramms. Der Ausschluss war ab Werk eingestellt, und das ist fast noch ekliger als Absicht.

Geprüft wird die Ausgabe von der Kommunikationsabteilung, auf Barrierefreiheit natürlich nicht. Man prüft, ob es hübsch aussieht, nicht, ob es je ein Betroffener lesen kann.

Eine Prüfstelle dafür gibt es im Haus, zuständig für Bahnhöfe, nicht für Dokumente. Für Barrieren zuständig ist eine Stelle, die den eigenen Bericht nicht kennt.

Eine barrierefreie Fassung ist angekündigt, fürs erste Quartal. Angekündigt ist im Konzern das billigste Wort überhaupt, es kostet null und bindet zu nichts.

Angekündigt wurde sie auch im Vorjahresbericht. Erschienen ist sie nie, versteht sich.

Die Umwandlung kostet 4.100 Euro laut Angebot, beauftragt ist sie nicht. 4.100 Euro hat der Milliardenkonzern für die Blinden nicht locker, das Buffet zur Berichtsvorstellung kostete mehr.

Herr Delfs hat den Bericht angefordert und die gedruckte Fassung bekommen. Ein blinder Mann, 340 Seiten Schwarz auf Weiß, das muss man erst mal fertigbringen.

Sie wiegt 1,4 Kilo, eine Braille-Ausgabe war nicht vorgesehen. Das Schwerste, was der Konzern dieses Jahr für einen Blinden gehoben hat, war dieser Papierklotz, den er nicht lesen kann.

Auf Seite 211 prangt die Zahl der ausgebauten Bahnhöfe, plus 41. Eine schöne Zahl für ein schönes Tortendiagramm.

Auf Seite 212 die Gesamtzahl, Anteil 84 Prozent. 84 Prozent klingt famos, bis man Seite 213 aufschlägt und einem übel wird.

Denn auf 213 steht die Definition: barrierefrei ist ein Bahnhof mit stufenfreiem Zugang zu mindestens einem Bahnsteig. Zu mindestens einem, der Rest ist dem Konzern schnurzpiepegal.

Zu mindestens einem. In diesem einen Halbsatz steckt die ganze Verlogenheit.

Ein Bahnhof mit vier Bahnsteigen erfüllt die Definition, wenn ein einziger erreichbar ist. Die anderen drei sind das Privatvergnügen des Rollstuhlfahrers.

Welcher erreichbar ist, entscheidet nicht der Reisende, sondern der Fahrplan. Barrierefrei ist zuverlässig der Bahnsteig, an dem der Zug garantiert nicht hält.

Der Bahnhof, an dem Delfs seit vierzig Jahren einsteigt, erfüllt die Definition tadellos. Auf dem Papier ist der Mann bestens versorgt.

Er ist über Gleis 1 stufenfrei erreichbar, sein Zug fährt von Gleis 4. Die Barrierefreiheit liegt drei Gleise neben ihm und winkt.

Nach Gleis 4 führt ein Aufzug, und der ist seit Februar kaputt. Seit Februar trägt ihn keine Sau hoch, nur die Definition hält tapfer durch.

In der Statistik bleibt der Bahnhof barrierefrei, sie kennt keinen Aufzugsausfall. Was die Statistik nicht kennt, existiert für den Konzern schlicht nicht, so einfach ist das.

Auf Seite 340 steht ein Dank an die Verbände für ihre konstruktive Begleitung. Man dankt den Leuten, die man aussperrt, gedruckt, in Schwarzschrift, damit sie es bloß nicht lesen.

Delfs hat sich den Dank vorlesen lassen. Es war das Einzige an diesen 340 Seiten, das je bei ihm ankam.

+++ MÜLLEIMER-TICKER +++

+++ Als barrierefrei gilt ein Bahnhof mit stufenfreiem Zugang zu mindestens einem Bahnsteig +++

+++ PDF mit Screenreader nicht lesbar, Seiten als Bild eingebettet – barrierefreie Fassung seit dem Vorjahr angekündigt +++

Achtung, Satire: Personen, Zitate und Pressestellen sind frei erfunden — im Gegensatz zu den Verspätungen.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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