Bürokratie abgebaut, sagt der Vorstand, und heftet 900 Seiten um

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Bürokratie abgebaut, sagt der Vorstand, und heftet 900 Seiten um

Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (ohne Anlagen)

Vorschriftenkürzung Satire: Waschbär sitzt neben einem dünnen Hefter vor einer raumhohen Wand voller Aktenordner

Der Hauptteil links. Die Anlagen dahinter. Foto: wpa (Symbolbild)

Bonn (wpa) – Der Konzern hat eine Betriebsvorschrift von 210 auf zwölf Seiten gekürzt. Gefeiert wird eine Reduktion um 94 Prozent.

Gekürzt wurde nichts. Es wurde umgeräumt, wie ein Messie, der Besuch erwartet.

Der Inhalt ist nicht weg, er steckt jetzt im Anhang. Man hat den Schreibtisch aufgeräumt, indem man alles in den Schrank stopfte.

Der Anhang wuchs von 260 auf 900 Seiten. Der Hauptteil schrumpft um 198, der Anhang wächst um 640, das nennt der Vorstand einen Erfolg.

„Wir haben die Vorschrift verschlankt“, sagt Effizienzvorstand Sven Aktenordner und tätschelt einen Ordner, den er nie öffnen wird.

Öffnen muss ihn das Personal. Der Vorstand kennt die Vorschrift aus der Pressemitteilung, eine Seite, mit seinem Foto drauf.

Wer sich an Seite 4 hält, verstößt gegen Anlage 17. Beides gilt gleichzeitig, das ist kein Fehler, das ist die Methode.

Das Umheften hat ein Beratungsunternehmen erledigt. Für 1,2 Millionen Euro, pro verschobener Seite ein kleines Vermögen.

Berater rechnen nach Stunden. Sie haben lange gerechnet, denn Verschieben dauert, wenn man dabei Doppelungen erzeugt.

640 neue Seiten entstanden allein durch die Verschieberei. Beim Aufräumen ist das Werk gewachsen, wie Schimmel.

Der Aufsichtsrat hat die 94 Prozent abgenickt. Zwischen zwei Häppchen, ohne die 900 Seiten je gesehen zu haben.

Für den Bericht zählt der Hauptteil. Der Rest heißt Anlage, und Anlage zählt nicht, außer wenn man drüber stolpert.

Frau Böttcher macht Dienst im Stellwerk. Sie muss beides kennen, die zwölf Seiten und die neunhundert.

Findet sie den richtigen Absatz nicht, ist sie schuld. Der Berater ist längst weg, mit dem Geld und einem Zertifikat.

Der Minister lobt den Bürokratieabbau. Er misst ihn in Seiten des Hauptteils, weil das die einzige Zahl ist, die kleiner wurde.

Kleiner wurde sonst nichts. Nicht die Arbeit, nicht die Verwirrung, nicht der Stapel auf ihrem Tisch.

Gedruckt wiegt die neue schlanke Vorschrift jetzt vier Kilo. Die alte wog zwei.

So sieht Entschlackung im Konzern aus. Man nimmt zu und nennt es Diät.

Die zwölf Seiten hängen gerahmt im Foyer. Die neunhundert liegen im Stellwerk, bei Frau Böttcher.

Geschrumpft ist am Ende nur die Wahrheit, auf ein einziges Balkendiagramm.

+++ MÜLLEIMER-TICKER +++

+++ Haupttext von 210 auf zwölf Seiten, Anlagen von 260 auf 900 +++

+++ Neun Fassungen derselben Definition, zwei weichen voneinander ab +++

Achtung, Satire: Personen, Zitate und Pressestellen sind frei erfunden — im Gegensatz zu den Verspätungen.

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Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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