610 Weichen ohne Norm, entgleist wird nach Vorschrift

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610 Weichen ohne Norm, entgleist wird nach Vorschrift

Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (sinngemäß)

Weichennorm Satire: Waschbär sitzt auf einer alten stark verrosteten mechanischen Weiche zwischen Unkraut

Bauform von 1974. In der Vorschrift kommt sie nicht vor. Foto: wpa (Symbolbild)

Frankfurt (wpa) – Die häufigste Weiche im deutschen Netz hat keine Wartungsnorm. 610-mal liegt sie da draußen und wird nach einem Regelwerk gepflegt, das sie nicht kennt.

Die Vorschrift kennt vier Bauformen. Die meistverbaute ist nicht dabei, wie ein Kochbuch ohne das Wasser.

Es ist eine Bauform von 1974. Sie trägt den halben Verkehr und gilt seit 2009 als „auslaufend“.

Auslaufend seit sechzehn Jahren. So nennt der Konzern etwas, das er verrotten lässt, bis es von allein auseinanderfällt.

„Wir ersetzen das im Rahmen der ohnehin fälligen Erneuerung“, sagt Instandhaltungsvorstand Kurt Bruchstelle und meint: gar nicht.

Geprüft wird die Weiche alle zwölf Monate. Nötig wären sechs, aber die Norm ist älter als das Ding, das sie prüfen soll.

Zwischen zwei Prüfungen kann viel passieren. Es passiert nur niemandem in der Chefetage.

Der Vorstand fährt nicht über die Weiche. Er fährt über gar nichts, er wird gefahren.

Für ihn ist die 1974er-Weiche eine Zeile in einer Tabelle. Spalte Restnutzungsdauer, ganz rechts, ganz klein.

Repariert wird, wenn Geld übrig ist. Übrig ist nie etwas, außer für Boni und Beraterverträge.

Die Norm schweigt zu dieser Weiche. Schweigen ist im Konzern die höchste Form der Zuständigkeit.

Entgleist ein Zug, ist die Vorschrift eingehalten. Es stand ja nichts drin, also wurde nichts gebrochen, außer den Achsen.

„Im Rahmen“ ist das Lieblingswort dieses Ladens. Es passt um jede Leiche, die man nicht anfassen will.

Der Minister nickt das Gutachten ab. Gelesen hat er es nicht, dafür hat er Leute, und die haben auch keine Zeit.

Beschlossen wurde die Einstufung 2009. Seither sind drei Regierungen weiter, die Weiche ist dieselbe.

Sie liegt und hält und ächzt. Sie tut ihre Arbeit, anders als die, die über sie entscheiden.

Lokführer Hentschel fährt jeden Tag über 41 dieser Weichen. Er spürt jede einzelne im Sitz.

Melden darf er sie, ändern tut es nichts. Seine Meldung landet in Anlage 7, und Anlage 7 liest keiner.

Gewartet wird die Weiche also weiter nach einer Norm, die es für sie nicht gibt.

Fällt sie aus, war alles korrekt. Auf dem Papier. Das Papier entgleist nie.

+++ MÜLLEIMER-TICKER +++

+++ Prüfintervall zwölf Monate, erforderlich wären sechs +++

+++ Das Gutachten dazu ist von 2009 und betrifft 610 Weichen +++

Achtung, Satire: Personen, Zitate und Pressestellen sind frei erfunden — im Gegensatz zu den Verspätungen.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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