Zwei Wochen mehr für dich, neun Monate Zeit für die Bahn

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Zwei Wochen mehr für dich, neun Monate Zeit für die Bahn

Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (Bearbeitung länger)

Fristenschere Satire: Waschbär sitzt auf einer Ablage vor einem geschlossenen Rollladen eines Servicecounters

Zwei Wochen mehr für die Beschwerde. Drei Monate mehr für die Antwort. Foto: wpa (Symbolbild)

Berlin (wpa) – Die Frist für Fahrgastbeschwerden wurde von vier auf sechs Wochen verlängert, gültig seit dem Fahrplanwechsel. Gefeiert wird die eine Zahl, verschwiegen die andere im selben Absatz.

Sie ist eine Verbesserung, Fahrgäste haben zwei Wochen mehr Zeit. Zwei geschenkte Wochen, damit man das Folgende überliest.

In derselben Mitteilung steht die Bearbeitungsfrist, verlängert von sechs auf neun Monate. Der Fahrgast kriegt zwei Wochen, die Behörde drei Monate, das nennt man dann fair.

Auch das ist begründet, die Zahl der Vorgänge sei gestiegen. Man ertrinkt in Beschwerden und verlängert die Frist, statt die Ursachen abzustellen.

Beide Änderungen stehen in einem Absatz, in genau dieser Reihenfolge. Erst das Bonbon, dann die Kröte, hübsch hintereinander.

Der zweite Satz wird seltener zitiert. In der Pressemitteilung fett das Geschenk, klein die Zumutung.

Die Verjährung tritt nach zwölf Monaten ein, gerechnet ab dem Reisetag. Die Uhr für den Fahrgast läuft, ob er will oder nicht.

Wer die Beschwerdefrist ausschöpft, hat danach noch zehn Monate und zwei Wochen bis zur Verjährung. Klingt üppig, ist es nicht, gleich kommt die Schere.

Die Bearbeitung dauert neun Monate, das reicht gerade so. Gerade so heißt: bei der kleinsten Störung reicht es nicht mehr.

Es reicht nicht, wenn eine Rückfrage kommt, denn die setzt die Bearbeitungsfrist neu in Gang. Ein einziges Nachhaken, und die Neun-Monats-Uhr beginnt von vorn.

Rückfragen gab es im vergangenen Jahr in 31 Prozent der Fälle, meist wegen Belegen. Fast jeder Dritte wird zurück auf Start geschickt, oft wegen Papieren, die längst dabei waren.

Die Belege liegen dem Erstantrag in der Regel bei, sie werden nur getrennt geprüft. Man trennt den Beleg vom Antrag, um ihn dann als fehlend nachzufordern.

Beschwerdereferentin Helga Bearbeitungsstand nennt die längere Frist „einen Zugewinn an Kundenfreundlichkeit“. Sie meint die zwei Wochen, über die drei Monate spricht man nicht.

Sie sprach über die erste Frist, nach der zweiten wurde nicht gefragt. Man beantwortet die schöne Hälfte und lässt die Frage nach der hässlichen im Raum.

Die Beschwerdefrist beträgt sechs Wochen, vorher vier. Der Fahrgast darf länger klagen, das ist die frohe Botschaft.

Die Bearbeitungsfrist beträgt neun Monate, vorher sechs. Und darf danach länger warten, das ist die stille.

Beide Verlängerungen stehen in derselben Novelle, begründet werden beide mit Entlastung. Entlastung ist das Wort, mit dem man Zumutung und Geschenk in einen Topf wirft.

Entlastet wird bei der Beschwerdefrist der Beschwerdeführer, bei der Bearbeitungsfrist die Behörde. Zweimal Entlastung, und geholfen ist am Ende nur der Behörde.

Zwei Wochen nützen dem, der Unterlagen sammeln muss. Ein netter, kleiner Vorteil.

Drei Monate nützen dem, der antworten muss. Ein großer, gut versteckter.

Zwischen Beschwerde und Antwort liegen jetzt bis zu zehneinhalb Monate. Fast ein Jahr wartet der Fahrgast auf Bescheid über einen Zug, der damals nicht kam.

In dieser Zeit gilt der beanstandete Zustand fort, aufschiebende Wirkung ist nicht vorgesehen. Beschwerde hin oder her, der Missstand läuft munter weiter.

Die Novelle verspricht gestärkte Rechte der Betroffenen. Zwei Zeilen darunter folgt die Neunmonatsfrist. Beides im selben Absatz.

+++ MÜLLEIMER-TICKER +++

+++ Beschwerdefrist plus zwei Wochen, Bearbeitungsfrist plus drei Monate – beides in derselben Novelle +++

+++ Bis zu zehneinhalb Monate zwischen Beschwerde und Antwort, ohne aufschiebende Wirkung +++

Achtung, Satire: Personen, Zitate und Pressestellen sind frei erfunden — im Gegensatz zu den Verspätungen.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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