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Bahn verlängert die Fahrzeit um 24 Minuten und nennt es Pünktlichkeit
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (gültig ab Dezember)

Der neue Fahrplan wird ausgehängt. Der alte hängt daneben. Foto: wpa (Symbolbild)
Frankfurt (wpa) – Zum Fahrplanwechsel im Dezember ändert die Deutsche Bahn 2.400 Abfahrtszeiten. Die Ankunftszeiten bleiben unverändert.
Möglich macht das eine neue Rechenweise. Die Fahrzeit wird künftig großzügiger angesetzt.
„Wir haben die Realität in den Plan geholt“, sagt Fahrplanchefin Miriam Fahrzeitpuffer. Das war überfällig.
Geholt wurde die Verspätung in den Fahrplan. Jetzt ist sie eingeplant und damit pünktlich.
Konkret verlängert sich die Fahrt Hamburg–München um 24 Minuten. Sie dauert damit so lange wie bisher.
So lange wie bisher, nur jetzt planmäßig. Gefahren wird gleich langsam, gemeldet wird pünktlich.
Der Konzern erwartet dadurch eine deutlich bessere Pünktlichkeit. Rechnerisch steigt sie um 9 Punkte.
Neun Punkte ohne einen schnelleren Zug. Verbessert wird die Zahl, nicht die Fahrt.
Fahrgastverbände nennen das Etikettenschwindel. Die Bahn spricht von Ehrlichkeit.
Frau Gockel fährt Hamburg–München und kommt zur selben Zeit an. Ihr Zug ist jetzt pünktlich, weil er länger darf.
Sie sitzt genauso lange im Zug wie vorher, 24 Minuten mehr im Plan. Verspätet war er, planmäßig ist er.
Der Vorstand nennt die Anpassung realistisch. Realistisch ist der Plan der Verspätung.
Eine Fahrzeit, die man verlängert, um pünktlich zu sein, ist eine Kapitulation mit Kursbuch. Kapituliert wird vor der eigenen Uhr.
Der Minister lobt die ehrlichere Fahrplangestaltung. Ehrlich ist die Verlängerung, unverändert die Fahrt.
Gemessen wird die Pünktlichkeit gegen den neuen Plan. Der neue Plan ist der alte plus 24 Minuten.
Neu ist außerdem ein Zusatz im Kursbuch. Er lautet: Zeiten sind Näherungswerte.
Ein Fahrplan, der sich selbst für ungefähr erklärt, verspricht nichts mehr. Näherungsweise fährt der Zug.
So verbessert die Bahn ihre Pünktlichkeit, indem sie die Verspätung einplant. Länger fahren, besser dastehen.
2.400 Zeiten, plus 24 Minuten, plus 9 Punkte, gleiche Fahrt. Das ist der Fahrplanwechsel.
Die Bahn verlängert 2.400 Fahrzeiten, Hamburg–München um 24 Minuten bei gleicher realer Dauer, und meldet 9 Punkte mehr Pünktlichkeit. Frau Gockel sitzt genauso lange im Zug, der jetzt planmäßig langsam ist.
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