Erste Klasse, dieselbe Verspätung, nur mit mehr Beinfreiheit

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Erste Klasse, dieselbe Verspätung, nur mit mehr Beinfreiheit

Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (Aufpreis 39 Euro)

Erste Klasse Bahn Satire: Waschbär sitzt in einem breiten Ledersessel am Fenster eines leeren Zugabteils

Ein Reisender wartet in der ersten Klasse. Er wartet komfortabel. Foto: wpa (Symbolbild)

Düsseldorf (wpa) – Die Deutsche Bahn hat den Mehrwert der ersten Klasse neu beschrieben. Er liegt nicht mehr in der Geschwindigkeit.

Verspätung gibt es in beiden Klassen in gleicher Höhe. Unterschiedlich ist nur die Sitzposition.

„Wer 39 Euro Aufpreis zahlt, wartet mit mehr Beinfreiheit“, sagt Vertriebschefin Ulrike Beinfreiheit. Bezahlt wird das bessere Warten.

Warten kann man in beiden Klassen, in der ersten bequemer. Der Zug ist gleich spät, der Sitz ist weicher.

Zusätzlich enthalten ist eine persönliche Ansprache. Der Zugbegleiter entschuldigt sich namentlich.

In der zweiten Klasse kommt die Entschuldigung über Lautsprecher. Sie gilt für alle gleichzeitig.

Für 39 Euro wird man einzeln bedauert. Ohne Aufpreis bedauert man einen im Chor.

Auch die Getränke unterscheiden sich. In der ersten Klasse wird Kaffee gebracht, sofern Personal da ist.

Ist keins da, gilt die Regelung der zweiten Klasse. Man geht selbst.

Herr Wischnewski zahlte den Aufpreis und wartete mit Beinfreiheit. Sein Zug war so spät wie der Rest.

Er wurde namentlich um Verzeihung gebeten, das war der Unterschied. Angekommen ist er mit allen anderen zu spät.

Der Vorstand nennt die erste Klasse ein Komfortversprechen. Versprochen wird Beinfreiheit, nicht Pünktlichkeit.

Eine erste Klasse, die dieselbe Verspätung teurer macht, verkauft die Wartezeit als Produkt. Bequem ist sie, spät bleibt sie.

Der Minister lobt das differenzierte Reiseangebot. Differenziert wird der Sitz, gleich ist der Fahrplan.

Gemessen wird die Beinfreiheit, nicht die Ankunft. Frei sind die Beine, verspätet der Zug.

Wer namentlich um Verzeihung gebeten wird, ist trotzdem zu spät. Die Ansprache ändert die Uhr nicht.

Für den Kaffee braucht es Personal. Fehlt es, gilt die zweite Klasse, auch erster.

So begründet die Bahn den Aufpreis der ersten Klasse, indem sie das Warten bequemer macht. Schneller wird es nicht.

39 Euro, mehr Beinfreiheit, dieselbe Verspätung, namentliche Entschuldigung. Das ist die erste Klasse.

Der Mehrwert der ersten Klasse liegt nicht mehr im Tempo, sondern in der Beinfreiheit und einer namentlichen Entschuldigung. Herr Wischnewski wartete bequem und kam mit allen anderen zu spät.

+++ MÜLLEIMER-TICKER +++

+++ 1,7-facher Preis, gleiche Ankunftszeit – bei Störungen wird die erste Klasse freigegeben +++

+++ Ein Ausgleich für den entfallenen Klassenunterschied ist nicht vorgesehen +++

Achtung, Satire: Personen, Zitate und Pressestellen sind frei erfunden — im Gegensatz zu den Verspätungen.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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