1.830 Laster statt 610 Züge: Danke, Verkehrswende

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1.830 Laster statt 610 Züge: Danke, Verkehrswende

Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (Zählung von 2022)

Güterverlagerung Satire: Waschbär sitzt am Rand einer engen Ortsdurchfahrt, dahinter wartende Lastwagen an einer Baustellenampel

Sechshundertzehn Sendungen. Achtzehnhundertdreißig Fahrten. Foto: wpa (Symbolbild)

Ludwigshafen (wpa) – Der Bund hat die Förderung für Güterzüge zusammengestrichen und feiert das als Erfolg: Die Schiene ist jetzt so unattraktiv, dass die Ladung von ganz allein auf die Straße kriecht. „Marktbereinigung“, nennt das ein Sprecher und grinst.

Die Förderung machte den Trassenpreis erträglich, seit 2018. Man hat dem Güterverkehr erst die Krücke gereicht und sie ihm dann quer über den Schädel gezogen.

Dass der deutsche Trassenpreis höher liegt als beim Nachbarn, ist unbestritten. Dass man ihn jetzt trotzdem hochjagt, nennt das Ministerium „ergebnisoffene Steuerung“, was auf Deutsch heißt: uns doch egal.

Ohne Förderung steigt der Preis, steigt der Preis, verpisst sich die Ladung auf die Autobahn. Das ist keine Prognose, das ist die Bedienungsanleitung, und das Ministerium hat sie rückwärts gelesen.

Die Kürzung: 210 Millionen, Seite 41 des Entwurfs. Auf Seite 3 prangt das Klimaziel, groß, bunt, für die Kameras.

Der Schienenanteil dümpelt bei 16 Prozent, das Ziel steht bei 25. Beides in derselben Vorlage, damit ja niemand auf die Idee kommt, das eine neben das andere zu legen.

Verschiedene Kapitel, dasselbe Haus. Die linke Hand des Ministeriums weiß nicht, was die rechte unterschreibt, und beide haben ohnehin einen Dienstwagen.

Ein Chemiebetrieb hat im Juli umgestellt, 610 Sendungen im Jahr. Sein eigener Gleisanschluss rostet jetzt vor sich hin wie ein Denkmal für die Verkehrswende, die keiner wollte.

Ein Kesselwagen fasst drei Tankwagen. Aus 610 Sendungen werden 1.830 Lkw-Fahrten, und die donnern jetzt mitten durch den Ort.

Sie führen über zwei Ortsdurchfahrten, direkt an der Grundschule vorbei. Dass da Kinder wohnen, stand in keiner Vorlage, Kinder sind keine Kennzahl.

Beide Durchfahrten sind gesperrt, die Umleitung quetscht sich durch eine dritte. Der Verkehr sucht sich seinen Weg wie Wasser den in den Keller: immer nach unten, immer dorthin, wo es am meisten schadet.

Dort steht seit Mai eine Baustellenampel, elf Minuten Wartezeit in der Spitze. Elf Minuten Gefahrgut im Leerlauf, schnaufend, vor dem Klassenzimmer, und alle atmen mit.

Elf Minuten mal 1.830 Fahrten sind 335 Stunden im Jahr, in denen der Ort im Diesel steht. Aber gemessen wird das nicht, gemessen wird nur, was dem Ministerium in den Kram passt.

Die Gemeinde hat Tempo 30 beantragt. Der Antrag wird „geprüft“, und geprüft ist die höfliche Amtsvokabel für: verpiss dich, aber schriftlich.

Geprüft wird nach der Verkehrszählung, und die letzte ist von 2022. 2022 fuhr die Ladung noch brav auf der Schiene, es war ruhig, und dabei bleibt es, sagt das Papier.

Damals war es ruhig, also ist es ruhig, basta. Die Zahl hat den Lkw nicht gehört, die Zahl hört überhaupt nichts, das ist ihr großer Vorteil.

Wiederholt wird die Zählung 2028. Bis dahin gilt 2022, und bis dahin husten die Anwohner Feinstaub in Vorschriftsqualität.

Nach dem Wert von 2022 liegt die Belastung unter der Schwelle, der Antrag ist damit „unbegründet“. Die Wirklichkeit liegt weit darüber, aber die Wirklichkeit hat leider kein Aktenzeichen.

Die Gemeinde hat selbst gezählt. Ihre Zählung ist „nicht anerkannt“, weil anerkannt nur ist, wer die Straße baut, nicht, wer an ihr erstickt.

Anerkannt sind Zählungen der Straßenbauverwaltung, die nächste 2028. Solange gilt Aktenlage, und die Akte stammt aus einer Zeit, als hier noch ein Zug fuhr statt 1.830 Lastern.

Der Bürgermeister hat einen Brief geschrieben. Er bekam eine Eingangsbestätigung, fristgerecht, wunderschön, vollkommen sinnlos.

Der Betrieb überlegt inzwischen, gleich ganz wegzuziehen. Dann ist die Belastung tatsächlich weg, und das Ministerium hat wieder recht gehabt, posthum.

Der Wert von 2022 ist der einzige Beleg dafür, dass es hier ruhig ist. Er stammt aus der Zeit, als die Bahn noch fuhr und noch niemand auf die glorreiche Idee kam, sie kaputtzusparen.

+++ MÜLLEIMER-TICKER +++

+++ Aus 610 Bahnsendungen im Jahr werden 1.830 Lkw-Fahrten durch Ortsdurchfahrten +++

+++ Tempo-30-Antrag wird auf Grundlage der Verkehrszählung von 2022 geprüft, Wiederholung 2028 +++

Achtung, Satire: Personen, Zitate und Pressestellen sind frei erfunden — im Gegensatz zu den Verspätungen.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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