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Leerer Zug hält weiter, nur wegen der Förderfrist
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (Restbindung bis 2041)

Neuer Bahnsteig, vier Fahrgäste. Der Zug hält für die Frist. Foto: wpa (Symbolbild)
Kassel (wpa) – Ein Haltepunkt an einer Nebenstrecke bleibt in Betrieb. Nicht ein einziger Fahrgast hat das begründet, sondern eine Rückzahlungsdrohung.
Der Bahnsteig wurde 2016 gefördert, mit 3,1 Millionen Euro. Millionen für einen Steig, an dem heute vier Leute stehen.
Die Zweckbindung läuft 25 Jahre, bis 2041. 25 Jahre lang muss der Zug halten, ob jemand einsteigt oder nicht.
Wer vorher aufgibt, zahlt anteilig zurück. Die Rückforderung läge bei 2,4 Millionen Euro.
„Wir handeln wirtschaftlich verantwortungsvoll“, sagt Zuwendungsvorstand Gisbert Fristgemäß, und hält die Fördervereinbarung wie ein Testament.
Der Betrieb kostet 210.000 Euro im Jahr. Über die Restlaufzeit sind das 3,2 Millionen.
Man verbrennt lieber 3,2 Millionen im Betrieb, als 2,4 auf einen Schlag zurückzuzahlen. Das nennt der Vorstand Sparsamkeit.
Gespart wird an allem, nur nicht an der Absurdität. Die gibt es hier im Großpack.
Der Zug hält also, öffnet die Türen und schließt sie wieder. Steigt niemand ein, fährt er weiter, pünktlich ins Leere.
Der Fördervertrag ist eine Fußfessel. Gelöst wird sie nur mit Geld, das keiner hat.
Aufgesetzt hat den Vertrag ein Amt, das Fristen liebt und Menschen nicht kennt. Für das Amt ist der Steig ein Erfolg, er läuft ja noch.
Der Minister rühmt die stabile Anbindung des ländlichen Raums. Stabil ist nur die Frist, angebunden ist niemand.
Die Menschen, für die der Steig war, sind längst weg. Sie sind weggezogen, weil der Zug so selten kam.
Jetzt kommt er oft und leer. Für die, die geblieben wären, kommt er zwölf Jahre zu spät.
Herr Naumann wohnt als einer der Letzten am Ort. Er sieht den leeren Zug halten, morgens, mittags, abends.
Einsteigen will er nicht, er muss woandershin, wohin der Zug nicht fährt. Er winkt ihm trotzdem, aus Höflichkeit.
2041 endet die Bindung, dann wird geschlossen. Das steht schon fest, in derselben Akte, die den Betrieb erzwingt.
Bis dahin fährt der Zug für die Frist. Nicht für den Ort, nicht für den Menschen, für die Frist.
Gezählt werden die vier Fahrgäste weiter. Als Beleg, dass es sich lohnt, obwohl es das nie tat.
Der Zug hält pünktlich an einem toten Ort. Am Leben hält ihn nur ein Paragraf.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Rückzahlung 1,06 Millionen gegen 210.000 Euro Zuschuss im Jahr +++
+++ Zweckbindungsfrist bis 2044, gerechnet wurde bis 2031 +++
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