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Tempo 30 senkt die Unfälle um 22 Prozent, der Zuganschluss fällt trotzdem weg
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 3 Minuten (mit 30)

Der Chefredakteur fährt langsamer. Der Zug nicht. Foto: wpa (Symbolbild)
Gießen (wpa) – In Gießen gilt seit Januar auf mehreren Hauptstraßen Tempo 30. Die Zahl der Unfälle mit Verletzten sank um 22 Prozent.
Das ist ein deutlicher Erfolg. Unstrittig.
Gestiegen ist die Fahrzeit der Busse. Auf der Linie 12 vier Minuten mehr.
Der Anschluss an den Regionalzug beträgt drei Minuten. Er wird seither nicht mehr erreicht.
„Die Verkehrssicherheit hat Vorrang“, sagt die Stadt. Vorrang hat sie zu Recht.
Sicherheit und Anschluss schließen sich nicht aus. Sie bräuchten nur eine abgestimmte Minute.
Eine Anpassung des Busfahrplans wäre möglich. Zuständig ist der Verkehrsverbund.
„Eine Anpassung ist zum Fahrplanwechsel möglich“, sagt Verbundsprecher Kurt Anschlussminute. Der Fahrplanwechsel ist im Dezember.
Bis Dezember steht der Bus vier Minuten länger und der Zug drei Minuten zu früh weg. Elf Monate lang.
Zwei Behörden, ein Fahrplan, keine gemeinsame Minute. Die Minute fehlt zwischen zwei Zuständigkeiten.
Herr Klotz nahm den Bus, um den Zug zu erreichen. Seit Januar erreicht er den Bahnsteig, wenn der Zug rollt.
Er sieht die Rücklichter, jeden Morgen. Vier Minuten trennen ihn vom Anschluss, drei davon sind neu.
Die Stadt hat recht mit dem Tempo, der Verbund hat recht mit dem Termin. Zwischen zwei Rechten steht Herr Klotz.
Der Vorstand verweist auf die getrennten Zuständigkeiten. Getrennt sind sie, der Fahrgast ist es nicht.
Der Minister lobt Verkehrssicherheit und Taktverknüpfung, jede für sich. Getrennt gelobt, nicht zusammen gedacht.
Gemessen wird die Unfallzahl und die Fahrplantreue, jede für sich. Zusammen misst sie niemand.
Für Dezember ist die neue Abfahrtszeit vorgesehen. Eine Minute früher fährt der Bus, dann passt es.
So kostet eine gute Maßnahme einen Anschluss, weil niemand eine Minute verschiebt. Elf Monate, für eine Minute.
Tempo 30 bleibt richtig, der verpasste Zug bleibt ärgerlich. Beides zugleich, in einer Stadt, an einer Haltestelle.
Tempo 30 senkt die Unfälle in Gießen um 22 Prozent, zu Recht, doch der vier Minuten langsamere Bus verpasst seither den Regionalzug. Angepasst wird der Fahrplan im Dezember, bis dahin sieht Herr Klotz jeden Morgen die Rücklichter.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Vier Minuten längere Fahrzeit kosten 610 Fahrgästen am Tag den Anschluss +++
+++ Beide Behörden haben die Maßnahme begrüßt, abgestimmt wurde sie nicht +++
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