⚠ Störungsinfo: Auf diesem Abschnitt der Website fällt der Ernst bis auf Weiteres aus. Es verkehrt ein Satire-Ersatzverkehr. Wir bitten, die Freude zu entschuldigen.
Klinik ohne Bahnanschluss: Stirb bitte wohnortnah
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (Termin: zwanzig Minuten)

Zweihundertvierzig Parkplätze. Zwei Busse am Tag. Foto: wpa (Symbolbild)
Schwerin (wpa) – Die neue Zentralklinik meldet einen Traumwert: null Notfälle aus dem Umland. Kein Wunder, wer es nicht reinschafft, verreckt auf halbem Weg und fällt damit sauber aus der Statistik.
Das Erreichbarkeitskonzept ist ein Meisterwerk der Fürsorge: 340 Parkplätze und die eiserne Annahme, dass ein Schlaganfall gefälligst mit dem eigenen SUV vorfährt.
Für den Rest, der sich kein Auto leisten kann, fährt ein Bus. Zweimal am Tag, dazwischen darf man am Straßenrand liegen wie ein überfahrener Igel, nur langsamer und mit Krankenkassenkarte.
„Wer den Bus verpasst, hat vier Stunden Zeit, über seinen Lebensstil nachzudenken“, sagt ein Sprecher und lehnt sich dabei so genüsslich zurück, dass man den Dienstwagen im Hintergrund schnurren hört.
Der Bahnhaltepunkt wurde gestrichen. Er stand im Konzept unter „nice to have“, gleich neben dem Defibrillator, der Blindenschrift und der Menschenwürde, also bei dem Kram, den man sich hier grundsätzlich spart.
Zwei der drei zugesperrten Kliniken lagen an der Bahn, mit Halt vor der Tür. „Historisch gewachsen“, sagt die Verwaltung, „aber den alten Scheiß haben wir jetzt mal ordentlich plattgemacht.“
38.000 Menschen im Umkreis haben kein Auto. In der PowerPoint heißen sie „mobilitätseingeschränkte Restgröße“ und stehen in einem Balken so weit unten, dass man in die Hölle scrollt, bevor man sie findet.
„Wir lassen niemanden zurück“, betont die Klinikleitung mit der Miene eines Mannes, der genau weiß, dass er lügt, und dem es großartig damit geht.
Der Haltepunkt hätte 2,4 Millionen gekostet. Der Parkplatz kostete 3,1 und gilt als alternativlos, schließlich glänzen darauf die Dienstkarossen der Leitung wie frisch abgeleckt.
Beantragt 2021, bewilligt nie, geprüft bis heute. Zuständig ist eine Stelle, die man ausschließlich mit dem Auto erreicht, wer da vorfährt, hat den Beweis geliefert, dass er nicht gemeint ist.
Im Vermerk steht „finanzierungsoffen“. Das heißt im Amt exakt dasselbe wie „verreck leise“, klingt aber festlicher, wenn der Landrat zur Weihnachtsfeier die Sektflöte hebt und von Zusammenhalt schwafelt.
Frau Radke, 76, kein Führerschein, künstliche Hüfte. Zur alten Klinik fuhr sie zwanzig Minuten mit dem Zug, den es noch gab, als Fürsorge mehr war als eine Überschrift auf Folie 12.
Jetzt beginnt ihr Behandlungstag um 6:40 Uhr am Bahnsteig und endet um 16:20 Uhr im selben Bus. Zwanzig Minuten Arzt, acht Stunden Deutschland, ein zerlegter Rücken und die Gewissheit, längst abgeschrieben zu sein.
„Frau Radke ist ein tolles Beispiel für aktive Seniorenmobilität“, jubelt die Pressestelle. Frau Radke wollte kein Beispiel sein, sie wollte zum Kardiologen, solange der sie noch am Puls und nicht in der Todesanzeige kennenlernt.
Für Notfälle gibt es einen Rettungswagen. Er braucht 34 Minuten, die Frist liegt bei zwölf, und die Differenz verkauft der Kreis in einer Hochglanzbroschüre allen Ernstes als „Erlebnisraum Landstraße“.
Das Standortkonzept widmet der Erreichbarkeit ohne Auto ein ganzes Kapitel. Es heißt „Mut zur Lücke“ und ist, wenn man ehrlich ist, ausschließlich eine.
Auf die Frage, wann der Haltepunkt komme, verweist die Verwaltung auf die Frage. So dreht sich das im Kreis, bis der Bürger aufgibt oder abkratzt, beides ist im Verfahren ausdrücklich vorgesehen.
Die Eröffnung wurde mit einem Festakt begangen: Sekt, Häppchen, eine Rede über „Gesundheit für alle“, gehalten in einen Saal, in dem jeder Einzelne ein Auto vor der Tür stehen hatte.
Angereist waren die Ehrengäste mit dem Dienstwagen. Der einzige Zug des Tages fiel aus, was keine Sau bemerkte, weil keine Sau einen erwartet hatte.
Die Klinik selbst ist erstklassig. Beste Ärzte, neueste Geräte, Spitzenmedizin, für jeden, der es lebend über die 340 Parkplätze schafft, herzlichen Glückwunsch.
Wie viele es nicht schaffen, erhebt niemand. „Was wir nicht messen, belastet die Statistik nicht“, erklärt der Controller so erleichtert, dass er beinahe selbst wieder gesund aussieht.
Für nächstes Jahr ist ein Preis für vorbildliche Standortplanung angemeldet. Die Bewerbung liegt vor, 90 Seiten Hochglanz, hervorragend erreichbar, im Gegensatz zur verdammten Klinik.
Frau Radke hat den nächsten Termin abgesagt. Als Grund gab sie an, es gehe schon.
Es geht nicht. Aber der Bus fährt erst um zwanzig vor vier, und bis dahin hat der Kreis eine Sorge weniger.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Standortkonzept Kapitel 4: Buszubringer, Zufahrtsausbau, Haltepunkt – zwei sind gebaut +++
+++ 340 Parkplätze, zwei Busverbindungen am Tag, Haltepunkt gestoppt +++
Mehr Satire-Ersatzverkehr:
Alle Meldungen der Waschbär-Presseagentur
Neuer Haltepunkt eröffnet — drei Kilometer außerhalb des Ortes, dafür direkt an der Strecke
Nachwuchskampagne zeigt den Beruf realistisch — nach zwei Wochen gestoppt
Achtung, Satire: Personen, Zitate und Pressestellen sind frei erfunden — im Gegensatz zu den Verspätungen.
Folge dem Bahn-Slam
auf WhatsApp
- Neue Slam-Texte zuerst
- Gedanken vom Gleis
- Keine E-Mail, kein Spam
Deine Nummer bleibt geheim. Du liest, ich schreibe – ganz ohne Datensammeln.
