Neuer Bahnhof, 3 Kilometer vom Ort, vier Busse

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Neuer Bahnhof, 3 Kilometer vom Ort, vier Busse

Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (zuzüglich Anfahrt)

Haltepunkt Standort Satire: Waschbär sitzt auf einem einzelnen Bahnsteig mitten in freier Feldflur, das Dorf am Horizont

Direkt an der Strecke. Drei Kilometer vom Ort. Foto: wpa (Symbolbild)

Regensburg (wpa) – Ein neuer Haltepunkt ist eröffnet, er liegt 3,1 Kilometer vom Ortskern entfernt. Man hat den Bahnhof dorthin gebaut, wo der Acker billig war, nicht wo die Menschen wohnen.

Der Standort wurde nach Trassenlage und Grunderwerb gewählt, beides war dort günstig. Entschieden hat der Preis des Bodens, nicht der Weg des Fahrgasts.

Die Fläche gehörte bereits der Bahn, ein Grunderwerbsverfahren war nicht nötig. Man baut da, wo es einem selbst am wenigsten wehtut.

Dadurch verkürzte sich die Bauzeit erheblich, das ist ein realer Vorteil. Ein Vorteil für den Bauplan, ein Nachteil für jeden, der einsteigen will.

Näher am Ort verläuft die Strecke nicht, das ist die Lage seit 1874. Gegen die Trasse kann keiner, gegen die Entfernung zum Ort hätte man den Bus stellen können, hat man aber nicht.

Der Ort hat 2.400 Einwohner, der Weg zum Haltepunkt führt an einer Kreisstraße entlang. 3,1 Kilometer an der Landstraße, das ist der Preis fürs billige Grundstück.

Ein Gehweg besteht auf 400 Metern, danach ist der Seitenstreifen 80 Zentimeter breit. Nach vier Fünfteln endet der sichere Weg, den Rest teilt man sich mit dem Gegenverkehr.

Am Haltepunkt sind zwölf Parkplätze angelegt, an Werktagen ab 6:40 Uhr belegt. Zwölf Plätze für 2.400 Menschen, wer zu spät kommt, fährt wieder heim.

Die Fahrgastprognose stammt aus der Vorplanung, sie nennt 610 Ein- und Aussteiger am Tag. Eine schöne Zahl, gebaut auf einer Annahme, die niemand einlöste.

Gerechnet wurde mit einem Zubringerbus im Stundentakt, er stand dort als Annahme. Der Bus, der alles tragen sollte, existierte nur in der Tabelle.

Annahmen sind nicht bindend, sie sind Teil der Berechnung. Man rechnet sich den Erfolg mit einem Bus schön, den man nie zu bestellen gedenkt.

Der Kreis hat einen Zubringer eingerichtet, er fährt viermal am Tag. Aus dem versprochenen Stundentakt wurden vier Fahrten, der Rest war Prognosepoesie.

Der Zug fährt stündlich, vier von 16 Fahrten sind angebunden. Zwölfmal am Tag hält ein Zug, zu dem kein Bus passt.

Gezählt wurden im ersten Halbjahr 210 Ein- und Aussteiger, erwartet waren 610. Ein Drittel der Prognose, und die Prognose war die Rechtfertigung fürs Ganze.

Die Abweichung wird beobachtet, eine Anpassung der Prognose ist nach drei Jahren vorgesehen. Man wartet drei Jahre, dann korrigiert man die Zahl, nicht den Bus.

So sieht es das Verfahren vor, angepasst wird die Prognose, nicht der Bus. Lieber schraubt man an der Erwartung als an der Wirklichkeit.

Zwölf zusätzliche Busfahrten kosten den Kreis 74.000 Euro im Jahr. 74.000 Euro, gemessen an einem Bahnhof für viele Millionen, ein Trinkgeld.

Beantragt sind sie, bewertet werden sie nach Auslastung. Der Bus, der die Auslastung erst bringen würde, wird nach der fehlenden Auslastung beurteilt.

Die Auslastung des Busses liegt bei 31 Prozent, gezählt wird auf den vier Fahrten. Man zählt genau die Fahrten, die zur falschen Zeit kommen, und nennt das Nachfrage.

Auf den zwölf, die nicht fahren, wird nicht gezählt. Die Menschen, die zu den anderen zwölf Zügen wollten, existieren in keiner Statistik.

Planungsreferent Kurt Trassenlage nennt den Standort „alternativlos“. Alternativlos war er nur unter den Bedingungen, die man sich vorher passend zurechtgelegt hat.

Alternativlos war er unter den Bedingungen, die zuerst geprüft wurden. Prüft man Boden und Trasse und lässt den Menschen weg, ist das Ergebnis natürlich der billige Acker.

Geprüft wurden Trassenlage und Grunderwerb, die Entfernung zum Ort war eine dritte Größe. Der Weg des Fahrgasts kam vor, ganz hinten, als Fußnote.

Sie ging in die Bewertung mit zehn Prozent ein. Zehn Prozent für den Menschen, neunzig fürs Grundbuch.

Die Auslastung des Haltepunkts hängt jetzt an vier Busfahrten.

+++ MÜLLEIMER-TICKER +++

+++ Gerechnet wurde mit 610 Fahrgästen und einem Zubringer im Stundentakt, er fährt viermal am Tag +++

+++ Zwölf zusätzliche Busfahrten kosten den Kreis 74.000 Euro im Jahr +++

Achtung, Satire: Personen, Zitate und Pressestellen sind frei erfunden — im Gegensatz zu den Verspätungen.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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