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340 Lokführer angeworben, ein Jahr da, fahren darf keiner
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 3 Minuten (in Anerkennung)

Der Chefredakteur hat die Unterlagen. Der Prüfer fehlt. Foto: wpa (Symbolbild)
Frankfurt am Main (wpa) – Die Bahn hat 340 Lokführer im Ausland angeworben. Seit über einem Jahr sind sie in Deutschland.
Fahren darf keiner von ihnen. Es fehlt die Anerkennung der Fahrerlaubnis.
Die Anerkennung braucht eine Prüfung. Abgenommen von einem Prüfsachverständigen.
Prüfsachverständige gibt es kaum. Die Bahn hat die Stelle vor Jahren verschlankt.
Verschlankt hat man die Prüfung, angeworben hat man die zu Prüfenden. In dieser Reihenfolge.
340 ausgebildete Fahrer sitzen und warten. Fahren könnten sie, dürfen sie nicht.
„Wir haben erfolgreich Fachkräfte gewonnen“, sagt Personalvorstand Ronald Gleichwertig. Gewonnen wurden 340 Menschen für einen Warteraum.
Sie kamen für die Züge, sie sitzen im Formular. Die Lok steht daneben, kalt.
Draußen fallen Fahrten aus, wegen Personalmangels. Drinnen sitzt das Personal, wegen Papiermangels.
Herr Imhof fuhr Züge, ehe er herkam, jahrelang. Hier gilt seine Erfahrung erst, wenn ein Prüfer sie bestätigt.
Den Prüfer gibt es fast nicht. Also gilt die Erfahrung fast nie.
Frau Gräf steht derweil auf dem Bahnsteig, ihr Zug fällt aus. Ein Fahrer wäre da, er darf nur nicht.
Sie wartet auf einen Zug ohne Fahrer, er wartet auf ein Fahren ohne Freigabe. Dazwischen liegt ein Stempel.
Der Vorstand nennt die Anwerbung eine Erfolgsgeschichte. Erfolgreich war das Anwerben, gescheitert das Fahrenlassen.
Angeworben ist billiger als ausbilden, sagt die Bilanz. Warten ist teurer als beides, sagt der Bahnsteig.
Der Minister lobt die internationale Personalgewinnung der Bahn. Gewonnen wurde Personal, das nicht ans Werk darf.
Bezahlt werden die 340 fürs Warten. Das ist die einzige Tätigkeit, die keine Anerkennung braucht.
Für nächstes Jahr sind weitere 200 geplant. Prüfer sind keine geplant, das würde ja Stellen kosten.
So wirbt man Fahrer an und sperrt sie ins Formular. Die Züge stehen, die Fahrer sitzen, der Stempel fehlt.
340 Lokführer sind da, ausgebildet, bereit, seit über einem Jahr. Fahren darf keiner, weil der Prüfer wegrationalisiert wurde, den man jetzt bräuchte, um sie fahren zu lassen.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Stellenplan der Prüfbehörde zuletzt 2018 angepasst, damals 90 Anträge im Jahr, heute 610 +++
+++ Förderprogramm zur Anwerbung im Ausland: 41 Millionen Euro +++
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