4,1 Millionen Bonus, der Zugausfall kostet 40 Cent

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4,1 Millionen Bonus, der Zugausfall kostet 40 Cent

Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (pünktlich)

Vorstandsbonus Satire: Waschbär sitzt auf einem leeren Konferenztisch vor einer Fensterfront über der Stadt

Seite 9 grafisch aufbereitet. Seite 74 ohne Überschrift. Foto: wpa (Symbolbild)

Berlin (wpa) – Die variable Vergütung des Vorstands wurde im April ausgezahlt, termingerecht. Die einzige Leistung dieses Saftladens, die im ganzen Jahr auf die Sekunde pünktlich war.

Sie war zu hundert Prozent pünktlich. Das schafft sonst kein einziger Zug im Netz, aber der Bonus, der schafft es.

Summe: 4,1 Millionen für sechs Personen. Sechs Leute, ein kleines Vermögen, für ein riesengroßes Versagen.

Bemessungsgrundlage sind fünf Ziele, festgelegt vom Aufsichtsrat, vorgeschlagen vom Vorstand. Man schreibt sich die Prüfung selbst und besteht sie mit Bravour, was für ein Zufall.

Vorgeschlagen vom Vorstand, rechtlich völlig sauber. Der Fuchs plant den Hühnerstall und kriegt dafür noch eine Prämie.

Pünktlichkeit ist mit zehn Prozent gewichtet, die restlichen neunzig sind Finanzen und Projekte. Der eigentliche Kern des Ladens zählt ein mickriges Zehntel.

Die Pünktlichkeit wurde verfehlt, das kostete 0,4 Prozentpunkte. Das teuerste Versagen des Landes kostet den Vorstand ungefähr ein Mittagessen.

Macht 16.400 Euro, auf sechs verteilt 2.733. Ein Wochenendtrip pro Kopf, als Strafe für ein Jahr Chaos, das ist mal eine Ansage.

Im selben Jahr fielen 41.000 Züge aus. 41.000-mal stand jemand bräsig am Bahnsteig, sechs Mal wurde ein Bonus ein bisschen gekürzt.

Das sind vierzig Cent je ausgefallenem Zug. So viel ist dem Konzern oben ein Ausfall wert, vierzig Cent, nicht mal ein Kaugummi.

Die anderen vier Ziele wurden erreicht, zwei übererfüllt. Erreicht wird, was man sich selbst hinlegt, praktischerweise.

Übererfüllt wurde die Flottenzufriedenheit, sie misst Störmeldungen der Fahrzeuge. Zufrieden ist ein Zug, der gar nichts meldet, weil er tot in der Halle steht.

Ein abgestelltes Fahrzeug meldet nichts, von 4.100 standen 340. Je mehr Züge kaputt herumgammeln, desto zufriedener die Flotte, so rechnet man sich reich.

Übererfüllt wurde auch der Modernisierungsfortschritt, er zählt eingeführte Digitalprojekte. Eingeführt, nicht in Betrieb, das ist der ganze Bonus-Taschenspielertrick.

Eingeführt wurden 41, in Betrieb sind 14. Man kassiert für die Ankündigung, nicht für das dumme Detail, dass es funktioniert.

Zwei der 41.000 ausgefallenen Züge waren die von Frau Schuppe. Sie kam nicht zur Schicht, aber sie ist ja bloß ein Mensch, kein Balkendiagramm.

In der Probezeit wurde ihr gekündigt, ganz ohne Begründung. Der Zug fiel aus, sie fiel raus, sauber verkettet.

Ihr Verdienst waren 1.480 Euro netto. So viel hatte sie, bevor ein Fahrplan sie den Job gekostet hat.

Vierzig Cent oben, vierzehnhundertachtzig unten. Dasselbe Ereignis, zwei Welten, ein Geschäftsbericht, und keiner schämt sich.

Die Zahlen stehen im selben Bericht. Nur so weit auseinandergelegt, dass bloß keiner sie zusammen sieht und kotzt.

Auf Seite 9 die Vergütung, hübsch als Balkendiagramm aufgehübscht. Der Bonus kriegt Farbe und einen Ehrenplatz.

Die Ausfälle stehen auf Seite 74, im Anhang, in einer Tabelle ohne Überschrift. Das Versagen kriegt Kleingedrucktes und wird in die Ecke geschämt.

Zwischen beiden Seiten liegen 65 Seiten, gelesen werden die ersten zwölf. Der Bonus wird gesehen, der Ausfall nie, das ist das Layout der Macht, mit Absicht so gesetzt.

Vierzig Cent. So viel kostet ein ausgefallener Zug, wenn man ganz oben im Trockenen sitzt und Frau Schuppe zusieht, wie sie geht.

+++ MÜLLEIMER-TICKER +++

+++ Variable Vergütung 4,1 Millionen für sechs Personen, verfehltes Pünktlichkeitsziel kostet 16.400 Euro +++

+++ 41.000 ausgefallene Züge im Jahr – rechnerisch vierzig Cent je Ausfall +++

Achtung, Satire: Personen, Zitate und Pressestellen sind frei erfunden — im Gegensatz zu den Verspätungen.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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