Neun Anträge, neun Ablehnungen, ein toter Ort

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Neun Anträge, neun Ablehnungen, ein toter Ort

Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (neun Anträge)

Förderantrag abgelehnt Satire: Waschbär sitzt auf der Treppe einer geschlossenen Dorfschule mit vernagelten Fenstern

Vierzehn Jahre. Neun Anträge. Eine Gemeinde weniger. Foto: wpa (Symbolbild)

Meiningen (wpa) – Eine Gemeinde hat zwischen 2011 und 2025 neun Anträge auf Reaktivierung ihres Haltepunkts gestellt. Vierzehn Jahre Kampf gegen ein Formular, und das Formular hat gewonnen, k.o. in der letzten Runde.

Der Haltepunkt wurde 1997 aufgegeben, der Bahnsteig steht, das Gleis liegt. Alles da, nur der Wille fehlt, dort mal einen Zug halten zu lassen.

Antrag eins, 2011: abgelehnt, unvollständige Unterlagen. So fängt ein Verfahren an, das nie fertig werden soll.

Gefehlt hat eine Bestätigung des Aufgabenträgers, angefordert, nicht da. Ein Papier fehlt, das ein anderes Amt schickt, wenn es Bock hat, und das hatte es nicht.

Antrag zwei, 2012: abgelehnt, Frist versäumt. Die Frist stand versteckt im letzten Absatz der ersten Ablehnung, natürlich.

Antrag drei, 2014: abgelehnt, Nutzen-Kosten-Verhältnis unter der Schwelle. Schwelle 1,0, erreicht wurden 0,94.

Sechs lausige Hundertstel fehlten. Sechs Hundertstel zwischen einem Ort mit Zug und einem, der langsam abgehängt verreckt.

Antrag vier, 2016: abgelehnt, gleiche Begründung, neue Schwelle. Kaum war man nah dran, hat man die Latte höhergehängt, damit ja keiner drüberkommt.

Neue Schwelle 1,2, erreicht wurden 0,98. Man wurde besser, die Latte war schneller.

Antrag fünf, 2018: zurückgestellt, Programm ausgelaufen. Das Förderfenster knallte zu, während man davorstand und klopfte.

Nachfolgeprogramm 2019, Antragsfrist drei Monate. Drei Monate für ein Verfahren, das Jahre frisst, ein Witz, aber keiner lacht.

Antrag sechs, 2019: abgelehnt, Antragsteller nicht berechtigt, die Berechtigung war auf den Kreis übergegangen. Über Nacht war die Gemeinde die Falsche.

Mitgeteilt im Amtsblatt, das vierteljährlich erscheint. Die entscheidende Nachricht stand da, wo garantiert keine Sau nachsieht.

Antrag sieben, 2021, vom Landkreis: abgelehnt, örtliche Betroffenheit nicht nachgewiesen. Nachzuweisen durch eine Zählung an einem Haltepunkt, den es nicht mehr gibt.

Gezählt wird, wo ein Zug hält, hier hält keiner. Der Beweis setzt voraus, was man beweisen will, ein perfekter Teufelskreis.

Antrag acht, 2023: abgelehnt, Verkehrsprognose veraltet, sie war aus dem Antragsjahr. Veraltet wurde sie im Verfahren, das zwei Jahre gedauert hat.

Veraltet, weil das Amt zwei Jahre gebraucht hat. Man wird abgelehnt für die Zeit, die man beim Amt herumhängt, das ist Deutschland in einem Satz.

In der Zwischenzeit schloss die Grundschule, 2016. Der Ort verlor erst die Kinder, dann Stück für Stück den Rest.

Die Hausarztpraxis schloss 2021, die Nachfolgerin sagte ab, sie kam nicht hin. Ohne Zug kein Arzt, ohne Arzt kein Zuzug, der Ort dreht sich in die Grube.

Die Sparkasse schloss 2023, der Bus fuhr 2024 zum letzten Mal. Ein Dorf krepiert in der ordentlichen Reihenfolge seiner Dienstleistungen.

Die Einwohnerzahl sank in vierzehn Jahren von 2.140 auf 1.780. Jede Ablehnung hat den Ort ein Stück kleiner gemacht, ganz planmäßig.

Antrag neun, im März, 94 Seiten, 41.000 Euro Gutachten. Bezahlt aus einem Haushalt, der selbst schon in Sicherung liegt.

Bezahlt hat es die Gemeinde, von Geld, das sie nicht hat. Der letzte Versuch kostete so viel wie ein Jahr Haltepunkt, den man ihr verweigert.

Abgelehnt, weil die Gemeinde die Mindesteinwohnerzahl nicht mehr erreicht. Vierzehn Jahre Ablehnung haben genau die Zahl gezüchtet, mit der man am Ende endgültig ablehnt, sauberer Rundumschlag.

+++ MÜLLEIMER-TICKER +++

+++ Neun Anträge in vierzehn Jahren, neun Ablehnungen, achtmal aus formalen Gründen +++

+++ Ablehnung Nummer neun: Mindesteinwohnerzahl nicht mehr erreicht +++

Achtung, Satire: Personen, Zitate und Pressestellen sind frei erfunden — im Gegensatz zu den Verspätungen.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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