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5,9 Prozent teurer für ein Netz, an dem man nur wartet
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (Beitrag geleistet)

Die Tafel am Tag der Preisanpassung. Ausgewiesen wird nichts. Foto: wpa (Symbolbild)
Berlin (wpa) – Die Bahn erhöht die Fernverkehrspreise um 5,9 Prozent. Begründet wird das mit Investitionen ins Netz.
Genannt werden Oberleitung, Weichen, Stellwerke. Alles Dinge, die längst da sein müssten.
„Der Fahrgast finanziert die Infrastruktur mit“, sagt Preisvorstand Ortrud Kundenbeitrag. Mitfinanzieren darf er, mitbesitzen nicht.
In der Bilanz steht die Erhöhung unter einer neuen Position. Sie heißt „Kundenbeitrag Netz“.
Ausgewiesen wird sie unter dem Eigenkapital. Dort stehen sonst die Einlagen der Eigentümer.
Der Fahrgast zahlt also wie ein Eigentümer. Nur Anteile bekommt er keine, nur einen teureren Sitzplatz.
„Eine sachgerechte Zuordnung“, nennt das ein Sprecher. Sachgerecht ist, dass der Kunde einlegt und nichts hält.
Er legt ein in ein Unternehmen, das dem Bund gehört. Zu hundert Prozent, ohne einen Cent für ihn.
Investiert wird das Geld irgendwann. In Weichen von 1974, in Stellwerke von 1985, in die ewige Baustelle.
Bis dahin wartet er auf derselben Strecke, für die er jetzt mehr zahlt. Teurer warten, das ist das Angebot.
Der Vorstand nennt es einen Beitrag zur Verkehrswende. Gewendet hat sich nur der Preis, nach oben.
Nach oben geht der Preis jedes Jahr. Das Netz geht seinen eigenen Weg, meist nach unten.
Herr Wendt fährt jede Woche dieselbe Fernstrecke. Ab Dezember zahlt er 5,9 Prozent mehr.
Er fragte, was er dafür bekomme. Man sagte: ein besseres Netz, in einigen Jahren, vielleicht.
In einigen Jahren fährt er längst dieselbe Weiche wie heute. Nur teurer, und als heimlicher Miteinleger.
Seine Einlage steht im Eigenkapital der Bahn. Sein Name steht dort nicht, nur die Summe.
Der Minister lobt die solide Finanzierung der Schiene. Solide finanziert der Fahrgast, was ihm nicht gehört.
Nächstes Jahr kommt der nächste Kundenbeitrag. Zur selben Oberleitung, im selben Bericht.
So wächst das Eigenkapital, nicht das Tempo. Der Fahrgast zahlt ein und steigt aus, an derselben Stelle.
Sie zahlen 5,9 Prozent mehr fürs Netz und sind jetzt fast Miteigentümer. Fast, denn Anteile gibt es keine, nur die Wartezeit.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Der Eigenanteil an der Sanierung wird über Trassenpreise refinanziert und geht in den Fahrpreis ein +++
+++ Der Fahrgast zahlt den Eigenanteil für die Strecke, auf der er wartet +++
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