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Preis nach Luftlinie, dafür fährt nur noch der halbe Takt
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (Luftlinie)

Achtunddreißig Kilometer Luftlinie. Neunundsiebzig Kilometer Gleis. Foto: wpa (Symbolbild)
Kassel (wpa) – Ein Verkehrsverbund rechnet seine Preise jetzt nach Luftlinie. Billiger wird die Fahrt, dafür fährt nur noch der halbe Takt.
Bisher galt die echte Streckenlänge. Jetzt zählt die Luftlinie zwischen Start und Ziel.
Auf einer Relation sind es 38 Kilometer Luftlinie. Die Bahnstrecke misst 79.
Der Unterschied kommt vom Höhenzug. Die Trasse führt außen herum, wie Züge das mit Bergen so machen.
Die Preisstufe sinkt von E auf C. Der Fahrpreis fällt um 4,20 Euro, ein Gruß aus der Geometrie.
„Wir machen die Bahn attraktiver“, sagt Tarifvorstand Reinhard Luftlinie. Attraktiv ist der Preis, unattraktiv der Rest.
Denn die 4,20 Euro fehlen jetzt in der Kasse. Also holt man sie woanders, beim Takt.
Der Takt wird halbiert, zur Deckung. Billiger fahren, seltener fahren, das gleicht sich aus, für die Bahn.
Für den Fahrgast gleicht sich nichts aus. Er zahlt weniger und wartet doppelt so lange.
Die Luftlinie kennt keinen Berg. Der Fahrgast kennt ihn, sein Zug fährt ja außen herum.
Gerechnet wird, als flöge er. Fahren muss er die krummen 79 Kilometer, jetzt seltener.
Der Vorstand nennt das eine faire Tarifreform. Fair ist die Zahl, unfair der Fahrplan dahinter.
Frau Ebeling pendelt über den Höhenzug. Ihr Ticket kostet 4,20 Euro weniger, seit Dezember.
Dafür fährt ihr Zug nur noch jede zweite Stunde. Die Ersparnis frisst die Wartezeit, mit Zins.
Sie hätte lieber den alten Takt und den alten Preis. Gefragt hat sie keiner, gerechnet wurde nach Luftlinie.
Am Berg hilft ihr die Luftlinie nicht. Sie sitzt im Zug, der ihn umrundet, und schaut auf die Uhr.
Der Minister lobt die Tarifinnovation im Verbund. Innovativ ist, weniger zu bieten und es billiger zu nennen.
Nächstes Jahr prüft man die Luftlinie auch für den Fahrplan. Dann fliegt der Zug, theoretisch, über den Berg.
Praktisch fährt er außen herum, halb so oft. Die Theorie ist billig, die Praxis ist lang.
Der Preis rechnet mit der Luftlinie, der Fahrgast fährt den Umweg. Billiger, seltener, und der Berg bleibt, wo er ist.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Luftlinie 22 Kilometer, gefahrene Strecke 61 – abgerechnet werden 22 +++
+++ Deckungslücke 1,4 Millionen im Jahr, ausgeglichen durch Ausdünnung auf Zweistundentakt +++
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