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99 Prozent bremsen Strom zurück, ein Drittel wird genutzt
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (34 Prozent davon)

Die Energie ist da. Der Zug, der sie nehmen könnte, fährt nicht mehr. Foto: wpa (Symbolbild)
Nürnberg (wpa) – Moderne Triebzüge speisen Bremsenergie zurück, 99 Prozent der Flotte können das technisch. Genutzt wird davon gerade mal ein Drittel.
Die Zahl steht im Energiebericht und ist zutreffend. Zutreffend und trotzdem eine Nebelkerze.
Aufgenommen wird die Energie nur, wenn im selben Moment ein anderer Zug in der Nähe Strom zieht. Bremsen und Beschleunigen müssen sich zufällig treffen, sonst ist die Energie weg.
Ist keiner da, wird sie in Bremswiderständen in Wärme umgewandelt, das ist der technische Normalfall. Der teure Ökostrom verpufft dann schlicht als heiße Luft überm Gleis.
Tatsächlich aufgenommen wurden im Berichtsjahr 34 Prozent, der Rest ging als Wärme in die Luft. Zwei Drittel der zurückgewonnenen Energie hat man buchstäblich verheizt.
Der Anteil hängt an der Zugdichte, je mehr Züge fahren, desto mehr Energie findet einen Abnehmer. Die Technik lebt davon, dass viel fährt, und genau das hat man gestrichen.
Der Fahrplan ist im selben Zeitraum ausgedünnt worden, die Zugdichte ist gesunken. Man dünnt den Takt aus und wundert sich, dass die grüne Energie kein Ziel mehr findet.
Damit sinkt die Rückspeisequote, vor drei Jahren lag sie bei 44 Prozent. Erst 44, jetzt 34, Tendenz weiter runter, mit jeder gestrichenen Fahrt.
Die Bilanz weist unverändert 99 Prozent aus, unter der Position „technisch rückspeisefähig“. Man wirbt mit dem, was der Zug könnte, nicht mit dem, was er darf.
Das ist keine Falschangabe, es ist nur eine ganz andere Größe als die genutzte Energie. Zwischen „könnte“ und „tut“ liegen zwei Drittel heiße Luft.
Die genutzte Energie steht in derselben Tabelle, eine Zeile darunter. Die ehrliche Zahl steht direkt daneben, sie wird nur nie zitiert.
Energiereferent Volker Bremswiderstand nennt die Flotte „hochmodern“. Hochmodern verheizt sie zwei Drittel ihrer Rückgewinnung, weil kaum noch ein Zug fährt.
Ihre Modernität wirkt in genau dem Maß, in dem noch Züge fahren. Je leerer der Fahrplan, desto sinnloser die schöne Technik.
Für die kommenden Jahre sind stationäre Speicher vorgesehen, sie nähmen die Energie unabhängig vom Verkehr auf. Die naheliegende Lösung ist bekannt, sie steht wie immer für später an.
Zurückgespeist wird in die Oberleitung, technisch gelöst und funktionierend. Gelöst ist alles außer der Frage, wer den Strom abnimmt.
Aufnehmen muss die Energie ein Verbraucher, im Nahbereich ist das ein anderer Zug. Fehlt der Nachbarzug, war die ganze Rückspeisung umsonst.
Ist keiner da, wird sie verworfen, und verworfen heißt: in Bremswiderständen verheizt. Man produziert grünen Strom, um ihn sofort wieder zu verbrennen.
Verworfen werden im Netz 41 Prozent der zurückgespeisten Energie. Fast die Hälfte des Wiedergewonnenen landet als Abwärme in der Atmosphäre.
Aufnehmen könnte sie eine Umrichteranlage, sie speist ins öffentliche Netz. Die Lösung gibt es zu kaufen, man hat sie nur nicht gekauft.
Eine Anlage kostet 2,4 Millionen, Amortisation in elf Jahren. Ein Geschäft, das sich rechnet, und trotzdem passiert es im Schneckentempo.
Beschlossen wurden vier, das Programm läuft bis 2031. Vier Anlagen für ein Netz mit hunderten Einspeisepunkten, das ist die ganze Ambition.
Die 41 Prozent entsprechen dem Jahresverbrauch von 14.000 Haushalten. So viel Strom verheizt die grüne Bahn jedes Jahr überm Gleis.
Vorgesehen sind zunächst vier Anlagen. Einspeisepunkte gibt es im Netz mehrere Hundert.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ 41 Prozent der zurückgespeisten Energie werden verheizt – der Jahresverbrauch von 14.000 Haushalten +++
+++ Vier Anlagen beschlossen, Amortisation je elf Jahre +++
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