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41.000 Bäume gepflanzt, 44.000 gefällt
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (eine Zahl je Mitteilung)

Vorne die Pflanzung, hinten die Fällung. Gleichstand in vierzig Jahren. Foto: wpa (Symbolbild)
Hannover (wpa) – Die Bahn hat im vergangenen Jahr 41.000 Bäume gepflanzt, meldet die Pressemitteilung stolz. Von den 44.000, die sie im selben Jahr gefällt hat, steht darin kein Wort.
Die Pflanzungen sind Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, rechtlich vorgeschrieben. Man feiert als Wohltat, wozu ein Gesetz einen zwingt.
Vorgeschrieben nach der Eingriffsregelung, wer in Natur eingreift, hat auszugleichen. Der Ausgleich ist Pflicht, die Pressemitteilung ist Kür.
Sie werden fachlich begleitet und dokumentiert, an der Umsetzung ist nichts auszusetzen. Auszusetzen ist nur, was man weglässt, wenn man davon erzählt.
Gefällt wurden im selben Zeitraum 44.000 Bäume, das steht in Anlage 7 des Umweltberichts. Die schöne Zahl kommt in die Mitteilung, die hässliche in den Anhang.
Der Unterschied beträgt 3.000, im Verfahren ist er zulässig. Unterm Strich ein Minus von dreitausend Bäumen, verkauft als Aufforstungserfolg.
Ausgeglichen wird nicht Stück für Stück, sondern nach Wertpunkten, junge Bäume zählen höher als alte. Ein Rechentrick macht aus dem Setzling den Gegenwert der hundertjährigen Eiche.
Junge wachsen noch, angerechnet wird die Zielgröße, nicht der Bestand. Man verbucht den Wald von morgen und rodet den von heute.
So sieht es die Eingriffsregelung vor, in Kraft seit 1976. Ein halbes Jahrhundert altes Gesetz erlaubt, den Kahlschlag schönzurechnen.
Für 44.000 gefällte Bäume sind rechnerisch mehr als 41.000 neue nötig, der Rest wird über Flächen ausgeglichen. Man pflanzt weniger, als man fällt, und gleicht die Lücke mit Buchhaltung aus.
Ausgeglichen wird über Entsiegelung und Extensivierung, beides zulässig und anerkannt. Ein aufgerissener Parkplatz ersetzt auf dem Papier den gefällten Baum.
Die Flächen sind ausgewiesen, sie liegen im Mittel 41 Kilometer von der Fällung entfernt. Gerodet wird hier, ausgeglichen wird einen Landkreis weiter, wo es keiner sieht.
Das ist zulässig, der Naturraum sei derselbe. Derselbe Naturraum, nur eben ohne die Bäume, die hier standen.
Naturräume sind großflächig abgegrenzt, der betreffende umfasst 9.400 Quadratkilometer. In einem Gebiet so groß wie ein halbes Bundesland gilt alles als vor Ort.
Ein gepflanzter Baum erreicht die ökologische Leistung eines gefällten nach etwa vierzig Jahren. Man verrechnet einen Stecken heute mit einer Krone, die es 2065 vielleicht gibt.
Diese Zeitspanne ist in der Bilanz nicht abgebildet, bilanziert wird der Zeitpunkt der Pflanzung. Am Tag, an dem der Setzling in die Erde kommt, gilt der Schaden als geheilt.
Die Anwuchsquote liegt bei 71 Prozent, nachgepflanzt wird nach fünf Jahren. Fast jeder dritte Baum stirbt wieder ab, gezählt wird er trotzdem als gepflanzt.
Nachgepflanzt wurde bisher nicht, die Frist läuft. Man wartet die fünf Jahre ab, in denen niemand nachschaut.
Von den 41.000 gepflanzten Bäumen sind damit rechnerisch 29.000 angewachsen. Aus der stolzen Zahl wird im Wald ein gutes Drittel weniger.
Gemeldet werden 41.000, gemeldet wird die Pflanzung. Nicht der lebende Baum zählt, nur der Akt des Pflanzens für die Kamera.
Umweltreferentin Ute Ausgleichsfläche nennt die Maßnahme „sauber umgesetzt“. Sauber umgesetzt wurde vor allem das Verschweigen der zweiten Zahl.
Sauber umgesetzt wurde, was vorgeschrieben war. Die Wohltat war eine Auflage, das Lob dafür ist frei erfunden.
Genannt wird in der Mitteilung eine der beiden Zahlen, seit Jahren dieselbe. Man pickt sich jedes Jahr die 41.000 heraus und lässt die Säge im Anhang rauschen.
Es ist die 41.000. Die andere steht in Anlage 7.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ 44.000 gefällt, 41.000 gepflanzt, Anwuchsquote 71 Prozent +++
+++ Angerechnet wird die Zielgröße sofort, gewachsen sind die Bäume nach dreißig Jahren +++
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