⚠ Störungsinfo: Auf diesem Abschnitt der Website fällt der Ernst bis auf Weiteres aus. Es verkehrt ein Satire-Ersatzverkehr. Wir bitten, die Freude zu entschuldigen.
Solardach am Bahnhof, der Zug fährt nicht damit
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (bis 23 Uhr)

Auf der Tafel steht der Zug. Am Kabel hängt die Beleuchtung. Foto: wpa (Symbolbild)
Freiburg (wpa) – Über einem Bahnsteig wurde eine Photovoltaikanlage eingeweiht, 240 Kilowatt Peak. Und ein Schild, das lügt, dass sich die Balken biegen.
Auf der Einweihungstafel steht: „Dieser Bahnhof fährt mit der Sonne.“
Der Zug fährt nicht mit der Sonne, er fährt mit Bahnstrom. Das Schild weiß das, es hängt nur trotzdem da.
Bahnstrom läuft mit 16,7 Hertz, öffentlicher Strom mit 50. Zwei Welten, die ohne teures Zwischenwerk nicht zusammenkommen.
Zwischen beiden steht ein Umrichterwerk, und ein solches war nicht Gegenstand der Maßnahme. Man hat das Dach gepflastert und den einen Baustein weggelassen, der den Zug erreicht hätte.
Die Anlage speist deshalb die Gebäudetechnik, das ist technisch richtig und sinnvoll. Sinnvoll ist nur nicht das Schild, das etwas ganz anderes verspricht.
Versorgt werden Beleuchtung, Anzeigen und die Aufzugssteuerung, der Eigenverbrauch liegt bei 61 Prozent. Die Sonne betreibt die Anzeigetafel, nicht den Zug, das ist der ganze Zauber.
Der Rest geht ins öffentliche Netz, auch das ist in Ordnung. In Ordnung ist alles außer der Behauptung auf dem Blech.
Die Bahnsteigbeleuchtung wird seit dem Sparbeschluss um 23 Uhr abgeschaltet. Der Bahnhof, der mit der Sonne fährt, macht nachts das Licht aus.
Die Anlage erzeugt zu dieser Zeit ohnehin nichts, der Zusammenhang ist zufällig. Zufällig passend zur Wahrheit: kein Licht, keine Sonne, kein Strom.
Er fällt trotzdem auf, die Tafel hängt unter einer Lampe, die nachts aus ist. Man liest den Sonnen-Spruch im Dunkeln, das muss man erst mal hinkriegen.
Projektreferent Roland Eigenverbrauch nennt die Anlage „einen sichtbaren Beitrag“. Sichtbar ist vor allem das Schild, die Anlage selbst sieht vom Bahnsteig keiner.
Sichtbar ist sie, sie liegt auf dem Dach und ist vom Bahnsteig aus nicht zu sehen. Der sichtbare Beitrag ist unsichtbar, der unsichtbare steht auf einer Tafel.
Für die Oberleitung wäre ein Umrichterwerk nötig, es kostet ein Vielfaches der Anlage. Das Teure hat man weggelassen und das Billige mit einem Schild geschmückt.
Die Anlage leistet 41 Kilowatt und versorgt Beleuchtung, Anzeiger und Aufzug. 41 Kilowatt für die Fußnote des Betriebs, null für den Zug.
Den Zug kann sie nicht versorgen, der fährt mit 15.000 Volt bei 16,7 Hertz. Zwischen dem Dach und dem Zug liegt eine Physik, die kein Werbetexter kennt.
16,7 Hertz ist ein eigenes Netz, die Einspeisung erfordert einen Umrichter. Ohne den bleibt die Sonne im Bahnhofsflur und kommt nie auf die Schiene.
Ein Umrichter kostet 610.000 Euro, die Anlage kostete 210.000. Der Weg zum Zug wäre dreimal so teuer wie die ganze Show, also ließ man ihn.
Wirtschaftlich wäre die Einspeisung ab 500 Kilowatt, die Dachfläche gibt 41 her. Man hat ein Zehntel dessen gebaut, was sich gelohnt hätte, und ein Schild dazu.
Eingespeist wird deshalb ins öffentliche Netz, wenn Überschuss anfällt, und nachts fällt keiner an. Tagsüber ein bisschen was fürs Amt, nachts gar nichts, mit der Sonne fährt hier niemand.
Nachts brennt die Beleuchtung, sie läuft dann aus dem öffentlichen Netz. Der Sonnenbahnhof zieht im Dunkeln denselben Kohlestrom wie jeder andere.
Ein Speicher würde das ändern. Den hat man selbstverständlich nicht gebaut.
Er ist für einen späteren Bauabschnitt vorgesehen. Ein Termin steht nicht fest.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Anlage 210.000 Euro, der Umrichter zur Einspeisung ins Bahnstromnetz 610.000 +++
+++ Wirtschaftlich wäre die Einspeisung ab 500 Kilowatt, die Fläche gibt 41 her +++
Mehr Satire-Ersatzverkehr:
Alle Meldungen der Waschbär-Presseagentur
Oberleitung reißt bei Wind: Bahn führt eine Windampel für Fahrgäste ein
Strompreis gesenkt: Er sinkt um zwei Cent, das Netzentgelt steigt um vier
Achtung, Satire: Personen, Zitate und Pressestellen sind frei erfunden — im Gegensatz zu den Verspätungen.
Folge dem Bahn-Slam
auf WhatsApp
- Neue Slam-Texte zuerst
- Gedanken vom Gleis
- Keine E-Mail, kein Spam
Deine Nummer bleibt geheim. Du liest, ich schreibe – ganz ohne Datensammeln.
