Verständnis ist jetzt ein Konzernprodukt, ihr liefert den Rohstoff

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Verständnis ist jetzt ein Konzernprodukt, ihr liefert den Rohstoff

Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (610-mal am Tag)

Wir bitten um Verständnis Satire: Waschbär sitzt allein auf einem regennassen Bahnsteig unter einem Lautsprecher

Die häufigste Leistung des Konzerns. Erbracht wird sie von außen. Foto: wpa (Symbolbild)

Berlin (wpa) – Die Deutsche Bahn hat ein neues Produkt vorgestellt. Es heißt Verständnis, und ihr stellt es kostenlos her.

Der Rohstoff seid ihr. Es fällt ein Zug aus, ihr steht am Bahnsteig, und schon entsteht Verständnis, ganz von allein.

„Wir heben einen Schatz, der jahrelang ungenutzt am Bahnsteig lag“, sagt Vertriebsvorstand Cornelius Geduldsfaden und meint eure Nerven.

Abgebaut wird der Schatz per Durchsage. 610-mal am Tag „wir bitten um Verständnis“, das ist die Förderanlage.

Gefördert wird rund um die Uhr. Verständnis ist die einzige Ressource im Konzern, die nie ausgeht, weil sie nichts kostet.

Nichts kostet sie ihn. Euch kostet sie eine Menge, abgebucht wird nur woanders.

Bezahlt wird in verpassten Schichten, 41.000 allein im Juli. In Abmahnungen, in Kündigungen in der Probezeit.

Der Konzern verkauft, was ihr aufbringt. Das schönste Geschäftsmodell seit Erfindung des Fahrplans.

Verbucht wird das Verständnis als Aktivposten. Im Geschäftsbericht steht es 41-mal, öfter als das Wort Pünktlichkeit.

Für den Vorstand ist es die verlässlichste Lieferung des Hauses. Pünktlich kommt hier nur die Bitte, geduldig zu sein.

2023 wurde eine ehrliche Variante geprüft: „Wir wissen, dass Sie warten.“ Verworfen, sie erzeuge eine Erwartung.

Die Erwartung wäre gewesen, dass jemand etwas tut. Genau das galt es zu verhindern, um jeden Preis.

Fürs nächste Jahr ist eine Kampagne geplant, sie heißt „Gemeinsam ans Ziel“. Budget 2,4 Millionen Euro.

2,4 Millionen sind der Jahresbetrieb von elf Haltepunkten. Elf Orte könnten einen Zug haben, sie kriegen einen Werbespruch.

Gemeinsam kommt an dieser Kampagne nur eins: alle warten gemeinsam. Ans Ziel kommt das Budget, pünktlich, bei der Agentur.

Der Minister lobt den Bürgerdialog. Dialog heißt hier: der Lautsprecher redet, ihr schweigt und versteht.

Herr Wenzel pendelt seit elf Jahren und versteht seit elf Jahren. Er hat mehr Verständnis produziert als der Konzern Züge.

Sein Verständnis ist aufgebraucht, nachliefern kann er nicht. Der Konzern hat es längst verkauft, mit Gewinn.

Nachschub kommt trotzdem, vom Nächsten am Gleis. Die Förderanlage läuft, die Durchsage auch.

Um Verständnis wird gebeten. Aufgebracht wird es von denen, die keins mehr haben, kassiert von denen, die nie welches brauchten.

+++ MÜLLEIMER-TICKER +++

+++ „Wir bitten um Verständnis“ steht 41-mal im Geschäftsbericht und fällt rund 610-mal täglich in Ansagen +++

+++ Kampagne „Gemeinsam ans Ziel“ mit 2,4 Millionen Euro Budget geplant +++

Achtung, Satire: Personen, Zitate und Pressestellen sind frei erfunden — im Gegensatz zu den Verspätungen.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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