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Leichte Sprache übersetzt die Bahn, plötzlich ist sie ehrlich
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (in einfachen Sätzen)

Die geprüfte Fassung. Sprachlich einwandfrei. Foto: wpa (Symbolbild)
Berlin (wpa) – Die Bahn stellt ihre Kundeninfo auf Leichte Sprache um. Übersetzt wird nach den Regeln, mit Fachbüro und Prüfgruppe.
Die Prüfgruppe ist der richtige Weg. Nur wer die Sprache nutzt, kann sagen, ob sie funktioniert.
Sie tat ihre Arbeit gründlich. Und stieß dabei auf ein Problem, das nicht die Sprache war.
In Leichter Sprache fällt jeder Nebel weg. „Aktuell eine Änderung“ wird zu: „Der Zug fällt aus.“
„Wir bitten um Verständnis“ wird zu: „Wir wissen nicht, wann er kommt.“ Plötzlich steht die Wahrheit da, in kurzen Sätzen.
Kurze Sätze vertragen keine Ausreden. Sie sagen, was ist, und was ist, ist unangenehm.
„Das klingt so hart“, sagt Kommunikationsvorstand Wiebke Klartext. Hart ist nicht die Sprache, hart ist der Inhalt.
Der Inhalt war immer schon so. Nur die Verpackung hat ihn weichgezeichnet, jahrelang.
Leichte Sprache nimmt die Verpackung weg. Übrig bleibt der nackte Ausfall, ohne Schleife.
Das Ergebnis der Prüfgruppe kam im Juli. Es steht in einem Vermerk, den man leise ablegte.
Abgelegt wird, was zu deutlich ist. Der Vermerk sagt in Leichter Sprache, dass die Bahn oft nichts weiß.
Nichts zu wissen ist erlaubt. Es klar zu sagen, ist dem Konzern zu viel.
Also bleibt die schwere Sprache für die meisten. Nur wer Leichte Sprache braucht, erfährt die Wahrheit.
Ein feiner Treppenwitz: verständlich ist die Bahn nur dort, wo sie es muss. Sonst bleibt es beim Nebel.
Herr Adler saß in der Prüfgruppe. Zum ersten Mal verstand er eine Bahnansage vollständig.
Verstanden hat er: der Zug kommt nicht, und keiner weiß, warum. Das war neu, und es war ehrlich.
Er fand die Leichte Sprache gut. Der Konzern fand sie zu gut.
Der Minister lobt die Barrierefreiheit der Information. Barrierefrei ist sie, solange sie nicht zu viel verrät.
Für den Regelbetrieb bleibt es beim Alten. Beim „aktuell“, beim „bedauern“, beim Nebel.
In Leichter Sprache ist die Bahn ehrlich. Deshalb bekommt sie fast niemand zu lesen.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Übersetzung durch das Fachbüro 41.000 Euro, Prüfgruppe 2.400 Euro bei 14 Euro Stundensatz +++
+++ Gefunden hat den eigentlichen Mangel die Prüfgruppe +++
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