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Neue Schilder erklären die alten Schilder
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (Format A1)

Die Wegeleitung nach der Ergänzung. Vierzehn Zeichen sind dazugekommen. Foto: wpa (Symbolbild)
Stuttgart (wpa) – Die Bahn führt 14 neue Piktogramme ein. Sie erklären die alten Piktogramme.
Eine Befragung hatte gezeigt: 61 Prozent deuten mindestens ein Zeichen falsch. Die Zeichen sind das Problem.
Am häufigsten missverstanden wird das Zeichen für den Bahnsteigzugang. Man hält es für einen Aufzug.
Statt das falsche Zeichen zu ersetzen, macht man ein zweites daneben. Es erklärt das erste.
„Das ist der schonendere Eingriff“, sagt Designvorstand Konrad Piktogramm. Geschont wird das alte Zeichen, nicht der Reisende.
Jetzt hängen zwei Zeichen, wo eines unverständlich war. Doppelt so viel Wand, kein bisschen klarer.
Das erklärende Zeichen ist auch ein Zeichen. Also kann man auch es missverstehen, das ist absehbar.
Absehbar ist die dritte Stufe: ein Zeichen, das das erklärende Zeichen erklärt. Der Leitfaden lässt Raum dafür.
Der Leitfaden heißt 7.3 und wächst. Mit jeder Erklärung kommt eine Erklärung dazu.
Ersetzen wäre einfach gewesen. Ein klares Zeichen, fertig, verständlich für alle.
Klar und fertig ist im Konzern verdächtig. Es ließe sich ja nicht mehr überarbeiten, in Kapitel 7.4.
Der Vorstand nennt das nutzerzentrierte Gestaltung. Zentriert ist der Nutzer zwischen zwei Schildern, ratlos.
Frau Sahin suchte den Bahnsteigzugang. Sie folgte dem Zeichen, das sie für einen Aufzug hielt.
Der Aufzug war es nicht, das erklärte ihr das zweite Zeichen. Verstanden hat sie es zu spät, der Zug war weg.
Zwei Zeichen, ein verpasster Zug. So sieht der schonendere Eingriff aus.
Sie fragte einen Mitarbeiter, der Mitarbeiter zeigte auf das Schild. Auf welches, blieb offen.
Der Minister lobt das moderne Leitsystem der Bahn. Modern ist es, weil es sich selbst erklärt und trotzdem niemand versteht.
Für nächstes Jahr sind 14 weitere Zeichen geplant. Sie erklären die 14 neuen, versteht sich.
So wächst die Wand, nicht die Klarheit. Ein Zeichen erklärt das nächste, bis zum Horizont.
Das falsche Schild bleibt hängen. Daneben hängt jetzt ein Schild, das erklärt, wie falsch es ist.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Gestaltung 610.000 Euro, vollständiger Austausch 4,1 Millionen – angebracht wurden nur die erklärenden +++
+++ Wo sich alte und neue Schilder widersprechen, gilt die neue; das steht im Leitfaden, nicht am Bahnsteig +++
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