Sozialticket gibt’s nur im Amt, kein Bus fährt hin

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Sozialticket gibt’s nur im Amt, kein Bus fährt hin

Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (Rückfahrt 13:10 Uhr)

Sozialticket Antrag Satire: Waschbär sitzt vor der verschlossenen Glastür eines Landratsamts auf leerem Vorplatz

Donnerstags ab dreizehn Uhr geöffnet. Der Bus zurück fährt um 13:10 Uhr. Foto: wpa (Symbolbild)

Meiningen (wpa) – Der Kreistag hat ein Sozialticket beschlossen, 19 statt 58 Euro, und feiert sich als Wohltäter. Beschlossen wurde die Wohltat, nicht der Weg zu ihr, und das ist der ganze fiese Trick.

Berechtigt sind Empfänger von Grundsicherung, Wohngeld, Bildungspaket. Die Ärmsten des Kreises, fein säuberlich in ein Formular sortiert.

Der Beschluss fiel einstimmig, gefeiert als sozialpolitischer Meilenstein. Ein Meilenstein, der so liegt, dass ihn keiner erreicht.

Er ist einer, ehrlich. Er liegt nur im Amt und rührt sich nicht vom Fleck.

Beschlossen wurde die Ermäßigung, nicht der Zugang. Dazwischen liegt eine Buslinie, die zweimal am Tag fährt, wenn sie Lust hat.

Der Antrag ist schriftlich zu stellen, ein Online-Verfahren kommt 2029. Bis dahin ist das Sozialticket ein Tagesausflug für Leute, die sich keinen leisten können.

Das Formular liegt im Landratsamt aus, verschickt wird es nicht, das Porto stand nicht im Beschluss. Für die Armen war die Briefmarke zu teuer, sagt ausgerechnet der Kreis.

Eine Auslage in den Gemeinden wurde erwogen und scheiterte an der Zuständigkeit. An der Zuständigkeit scheitert in diesem Land zuverlässig auch das letzte bisschen Mitgefühl.

Zuständig ist der Kreis, die Gemeinden sind eigene Körperschaften. Drei Verwaltungsebenen, und nicht eine schafft es, ein Blatt Papier ins Dorf zu legen.

Das Amt liegt in der Kreisstadt, aus den Randgemeinden fährt ein Bus. Zweimal, das ist die Erreichbarkeit der Barmherzigkeit im Landkreis.

Er fährt zweimal am Tag, die Rückfahrt geht um 13:10. Wer das Formular will, plant den ganzen Tag um einen Busfahrplan herum.

Das Amt öffnet dienstags 9 bis 12 und donnerstags 13 bis 16 Uhr. Zwei Zeitfenster, ein Bus, und die passen nicht zusammen, natürlich nicht.

Am Donnerstag fährt der Bus zurück, bevor das Amt aufmacht. Donnerstag fällt komplett aus, sauber durchgeplant von jemandem, der einen Dienstwagen hat.

Bleibt der Dienstag, Bus um 9:40, Wartezeit im Amt im Schnitt 50 Minuten. Wer arm ist, hat ja Zeit, das rechnet das Amt fest mit ein.

Wer mit dem Zug fährt, zahlt 8,40 Euro hin und zurück. Das Sozialticket kostet also erst mal einen vollen Fahrpreis, den man nicht hat.

Man muss die Armut vorstrecken, um sich die Armut bescheinigen zu lassen. Perfider hat es sich kein Amt je ausgedacht, und keiner hat gelacht.

Im ersten Halbjahr 210 Anträge, berechtigt sind geschätzt 2.400. Neun von zehn kommen nicht durch oder nicht hin, das ist kein Versagen, das ist die Konstruktion.

Die Quote liegt bei 8,75 Prozent. Eine Zahl, die alles über den Weg sagt und kein Wort über den Bedarf.

Gewertet wird sie als geringer Bedarf, so steht es in der Auswertung. Wer nicht kommt, hat keinen Bedarf, so denkt eine Schwelle, so denkt der Kreis.

Ein Verband hat eine andere Deutung vorgeschlagen, sie wurde entgegengenommen. Entgegengenommen wie jeder Rechnungshofbericht, ab in die Schublade, Deckel drauf.

Fürs kommende Jahr ist eine Kürzung des Haushaltsansatzes vorgesehen. Man kürzt, was keiner abholt, weil man es unabholbar gemacht hat, und nennt das Sparsamkeit.

Begründet mit der tatsächlichen Inanspruchnahme. Tatsächlich ist nur, was durch den blöden Bus passt.

Die tatsächliche Inanspruchnahme beträgt 210. Die tatsächliche Not beträgt 2.400, aber die fährt in keiner Statistik mit.

Die tatsächliche Erreichbarkeit hat nie jemand erhoben. Was man nicht misst, muss man nicht bezahlen, und dafür zeigt der Kreistag im nächsten Wahlkampf wieder Herz.

+++ MÜLLEIMER-TICKER +++

+++ 210 Anträge im Halbjahr bei geschätzt 2.400 Berechtigten – Quote 8,75 Prozent +++

+++ Gewertet wird das als Hinweis auf geringen Bedarf, der Haushaltsansatz wird gekürzt +++

Achtung, Satire: Personen, Zitate und Pressestellen sind frei erfunden — im Gegensatz zu den Verspätungen.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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