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Schulbus gestrichen, Taxi kostet das Vierfache
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (Fahrzeit: 50)

Einundvierzig Euro am Tag. Fünfzig Minuten ohne Aufsicht. Foto: wpa (Symbolbild)
Sangerhausen (wpa) – Nach der Streichung des Zugverkehrs muss der Landkreis die Schüler befördern, Landesrecht, unstrittig. Erst spart man den Zug weg, dann zahlt man das Vierfache fürs Taxi, so geht Haushaltspolitik.
Ein Ersatz durch Linienbusse war nicht darstellbar, 80 Minuten je Richtung. Achtzig Minuten Busgeschaukel für Grundschüler, das war selbst dem Kreis zu dreist.
Zulässig sind 60, ein Wert aus der Zeit, als noch Züge fuhren. Die Norm ist das letzte Andenken an eine Bahn, die man beerdigt hat.
Beauftragt wurden Taxifirmen, befördert werden 34 Kinder. Aus einem Fahrplan wurde ein Fuhrpark, aus Verkehrspolitik ein Taxameter.
Kosten: 41 Euro je Kind und Tag, im Schuljahr 258.000 Euro. Das Vierfache des Zuges, für exakt dasselbe Kind auf demselben Weg.
34 Kinder mal 41 Euro sind 1.394 Euro am Tag. Jeden Schultag rollt ein kleines Vermögen über Land, mit vier Kindern drin.
Der Betrag war im Haushalt nicht vorgesehen und musste irgendwo herkommen. Gespart hatte man am Zug, bezahlt wird jetzt beim Taxi, teurer, klar.
Gedeckt wurde er aus dem Topf für Schulsozialarbeit, dort lagen 280.000 Euro. Man nimmt es den Kindern weg, um es den Kindern hinzuschieben, ein echter Geniestreich.
Die Stelle der Schulsozialarbeiterin wurde nicht verlängert. Ein Problem gelöst, indem man ein zweites unter den Teppich gekehrt hat.
Entschieden im Kreisausschuss, die Abwägung ist protokolliert. Protokolliert ist, wie man das Notwendige gegen das Notwendige eintauscht und dabei ernst guckt.
Sie lautet: Beförderung ist Pflicht, Sozialarbeit ist freiwillig. Das Gesetz sortiert, was ein Kind braucht, säuberlich in Pflicht und Kür.
Das trifft zu, beides steht so im Gesetz. Das Gesetz kennt keine Kinder, nur Kategorien, und die haben keine Angst im Dunkeln.
Freiwillige Leistungen sind bei Haushaltssicherung zu streichen, der Kreis ist seit 2019 drin. In Haushaltssicherung verreckt zuerst, was hilft, das ist Programm.
Die Sitzung dauerte für diesen Punkt elf Minuten, keine Gegenstimme. Elf Minuten, um 61 Kindern die Betreuung wegzustreichen, dann gab es Mittag.
Der Zug fuhr bis Februar, sein Zuschuss war 190.000 im Jahr. Weniger als das Taxi jetzt, und trotzdem hat man ihn platt gemacht.
Das ist weniger als die Taxikosten, aber die Beträge stehen in verschiedenen Haushaltsjahren. Der Vergleich wäre zu peinlich, also findet er einfach nicht statt.
Verglichen wurde nicht, ein Vergleich über Haushaltsjahre ist nicht vorgesehen. Die Verschwendung wird durch den Kalender unsichtbar gemacht, ganz legal.
Für den Zuschuss war das Land zuständig, fürs Taxi der Kreis. Es ist keinen Cent billiger geworden, die Rechnung liegt bloß bei einem anderen.
So entsteht die Ersparnis beim einen und die Ausgabe beim anderen, das ist der ganze Zauber. Kein Geld gespart, nur die Verantwortung um die Ecke geschoben.
Die Sozialarbeiterin hatte 61 Kinder betreut, darunter neun der 34 Taxikinder. Man hat den Kindern die Betreuung geklaut, um sie zur Schule zu karren.
Im Taxi sitzen vier Kinder, Fahrzeit 50 Minuten. Fünfzig Minuten am Morgen, allein mit einem fremden Mann am Steuer, aber Aufsicht kostet ja.
Eine Begleitperson ist nicht vorgesehen, wäre eine freiwillige Leistung. Aufsicht über Sechsjährige gilt in diesem Kreis als Luxus, den man sich nicht leistet.
Macht 100 Minuten am Tag pro Kind ohne zuständigen Erwachsenen. Hundert Minuten täglich, in denen schlicht niemand haftet, wenn etwas passiert.
Auf diese Zeit ist die Vorlage nicht eingegangen, sie ist keine Leistung, weder Pflicht noch Kür. Was in keine Kategorie passt, gibt es für den Kreis nicht, auch kein Kind darin.
Fürs nächste Jahr rechnet man mit höheren Kosten, die Taxifirmen kündigen eine Anpassung an. Der Einzige, der an dieser toten Strecke prächtig verdient, ist das Taxiunternehmen.
Der Titel für Schulsozialarbeit steht dann bei 22.000 Euro. Von 280.000 auf 22.000 in zwei Jahren, abgeräumt, für die Kinder, versteht sich.
Das reicht für einen halben Tag in der Woche. Oder für 536 Taxifahrten.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ 41 Euro je Schüler und Tag, rund 258.000 Euro im Schuljahr – gedeckt aus dem Titel für Schulsozialarbeit +++
+++ Pflichtaufgabe Beförderung, freiwillige Leistung Schulsozialarbeit – beides steht so im Gesetz +++
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