Schranke zu, 25 Minuten für 4 Kilometer, er stirbt

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Schranke zu, 25 Minuten für 4 Kilometer, er stirbt

Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (Hilfsfrist: zwölf)

Rettungskette Bahnübergang Satire: Waschbär sitzt im Morgengrauen vor einer geschlossenen Schranke auf einer leeren Dorfstraße

Vierzig Minuten je Stunde geschlossen. Der Einsatzplan wurde eingehalten. Foto: wpa (Symbolbild)

Lüneburg (wpa) – Am 3. August um 6:12 Uhr kam aus einem Ort mit 900 Einwohnern ein Notruf, ein Herzinfarkt. Ab hier entscheidet nicht die Medizin, sondern eine Schranke.

Der Rettungswagen war um 6:16 Uhr unterwegs, Entfernung 4,1 Kilometer. Vier Kilometer, das ist ein Katzensprung, sollte man meinen.

Er kam um 6:41 Uhr an. Fünfundzwanzig Minuten für vier Kilometer, willkommen auf dem Land.

Zwischen Wache und Ort liegt ein Bahnübergang, 41 Minuten je Stunde geschlossen. Die Rettung wartet, während Güterzüge Vorfahrt haben.

41 Minuten je Stunde sind über den Tag gerechnet gut 16 Stunden Schranke unten. 16 Stunden am Tag ist der Ort von seinem Rettungswagen abgeschnitten.

Über den Übergang donnern täglich 141 Züge, gezählt hat die Gemeinde. Für die Züge ist die Strecke gut genug, für den Krankenwagen ist sie eine Falle.

Die Umfahrung sind 6,4 Kilometer, im Einsatzplan hinterlegt und brav gefahren. Man hat den Umweg um die tödliche Schranke sauber dokumentiert, das beruhigt die Akte.

Der Einsatzplan wurde damit eingehalten, steht so im Protokoll und gilt in der Quartalsauswertung als Stärke. Man hat den Umweg als Erfolg verbucht, den Toten nicht.

Die Hilfsfrist im Landkreis beträgt zwölf Minuten, erreicht in 91 Prozent der Fälle. Erreicht überall dort, wo keine Schranke im Weg steht.

Erreicht wird sie dort, wo kein Bahnübergang liegt. Wo einer liegt, gilt die Frist eben nicht, Pech für den, der dahinter wohnt.

Dieser Fall gehört zu den übrigen neun Prozent, als Ursache steht Verkehrslage in der Akte. Verkehrslage, das klingt nach Stau, gemeint ist eine geschlossene Schranke vor einem Sterbenden.

Die Kategorie ist korrekt gewählt, eine geschlossene Schranke ist nun mal Verkehrslage. Man hat ein sauberes Wort für die Sache und keins für den Skandal.

Eine eigene Kategorie für Bahnübergänge gibt es nicht, sie wurde 2021 angeregt. Damit man das Problem nicht zählen kann, gibt man ihm keine Schublade.

Die Anregung wurde geprüft, Ergebnis: Verweis auf die vorhandene Kategorie. Man hat das Problem geprüft und beschlossen, es weiter unsichtbar zu lassen.

Der Patient ist im Krankenhaus gestorben, er war 68. Fünfundzwanzig Minuten für vier Kilometer, das ist die Todesursache, die in keiner Statistik so heißt.

Die Beseitigung des Übergangs ist seit 2019 beschlossen, Kosten 5,7 Millionen. Beschlossen, nicht bezahlt, das ist der feine Unterschied, an dem hier jemand gestorben ist.

Nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz trägt die Gemeinde ein Drittel, 1,9 Millionen, bei einem Haushalt von 4,3. Ein Gesetz von 1963 teilt die Kosten, ohne zu fragen, ob die Gemeinde sie stemmen kann.

Die Gemeinde ist seit 2019 in Haushaltssicherung, freiwillige Ausgaben sind gesperrt. Der Übergang, an dem Menschen sterben, konkurriert mit dem Feuerwehrgerätehaus um Geld, das es nicht gibt.

Der Übergang ist keine freiwillige Ausgabe, sondern eine Kostenbeteiligung an fremdem Eigentum. Die Gemeinde soll für die Gleise des Konzerns zahlen, damit ihre Leute nicht in der Schranke verrecken.

2021 hat sie mitgeteilt, dass sie das nicht aufbringen kann, seither liegen die beiden anderen Drittel bereit. Zwei Drittel warten, ein Drittel fehlt, und dazwischen wartet ein Rettungswagen.

Abrufbar ist das Geld nur vollständig, alles oder nichts. Wegen eines fehlenden Drittels bleiben auch die vorhandenen zwei Drittel liegen, brillante Konstruktion.

Eine Härtefallregelung sieht das Gesetz nicht vor, ihre Einführung wird seit 2022 geprüft. Geprüft wird, während die Schranke weiter zugeht, im selben Takt wie immer.

Der Witwe wurde ein Schreiben zugestellt, es erläutert die Kostenteilung nach Paragraph 13. Man schickt der Frau, deren Mann in der Schranke gestorben ist, eine Erklärung des Umlageschlüssels.

Es ist freundlich formuliert, sachlich korrekt und endet mit der Bitte um Verständnis. Um Verständnis, ausgerechnet bei ihr, ausgerechnet dafür.

Am 3. August um 6:41 Uhr ging die Schranke hoch. Um 6:43 Uhr ging sie wieder runter.

+++ MÜLLEIMER-TICKER +++

+++ 25 Minuten für 4,1 Kilometer, Hilfsfrist zwölf Minuten, Ursache im Protokoll: „Verkehrslage“ +++

+++ Kommunaler Anteil 1,9 Millionen bei 4,3 Millionen Haushalt, mitgeteilt 2021, seither unverändert +++

Achtung, Satire: Personen, Zitate und Pressestellen sind frei erfunden — im Gegensatz zu den Verspätungen.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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