4,1 Millionen fürs Gutachten, gratis gab’s das 2019

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4,1 Millionen fürs Gutachten, gratis gab’s das 2019

Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (Gutachten: 340 Seiten)

Beratergutachten Pünktlichkeit Satire: Waschbär sitzt neben einem dicken gebundenen Bericht und zwei losen Blättern auf einem Konferenztisch

Vierhundert Seiten rechts. Zwei Seiten links. Sieben Jahre dazwischen. Foto: wpa (Symbolbild)

Frankfurt am Main (wpa) – Zur Ursachenanalyse der Pünktlichkeit wurde eine Unternehmensberatung angeheuert, 4,1 Millionen Euro. Vier Millionen, um herauszufinden, was der Betriebsrat 2019 auf zwei Seiten gratis hingeschrieben hatte.

Vergeben im Verhandlungsverfahren, drei Angebote. Teuer war es trotzdem, das ist ja der ganze Sinn der Übung.

Das Gutachten liegt seit Juni vor, 340 Seiten, vier Hauptursachen. 340 Seiten für vier Sätze, das nennt man Wertschöpfung.

Erstens: marode Infrastruktur. Zweitens: überlastete Knoten. Man hat es dick gedruckt, damit es überhaupt jemand ernst nimmt.

Drittens: Personalmangel. Viertens: Bau und Betrieb reden nicht miteinander. Nichts davon war neu, alles davon war saumäßig teuer.

Die Analyse ist methodisch sauber, kein Fachmann bestreitet sie. Sauber ist sie, und komplett überflüssig obendrein.

2019 legte der Betriebsrat eine Stellungnahme zur Pünktlichkeit vor, zwei Seiten. Zwei Seiten, umsonst, und niemand hat sie auch nur angefasst.

Sie nennt dieselben vier Ursachen, in derselben Reihenfolge. Der Betriebsrat hatte von Anfang an recht, und genau das war sein Verbrechen.

Damals zur Kenntnis genommen, der Vorgang liegt im Archiv. Zur Kenntnis genommen ist der Sarg, in den man gute Ideen legt und zunagelt.

Archiviert unter Beteiligungsverfahren, dort sucht keine Sau, wenn ein Gutachten beauftragt wird. Man kauft die Antwort lieber teuer neu, als die alte gratis zu finden.

Der Unterschied zwischen beiden Papieren liegt im Umfang, im Preis und im Absender. Nur im Inhalt liegt er nicht, kein bisschen.

Ein externes Gutachten gilt als belastbare Entscheidungsgrundlage. Belastbar ist im Konzern alles, was ordentlich Geld gekostet hat.

Eine Stellungnahme des Betriebsrats gilt als Stellungnahme des Betriebsrats. Wer drinnen sitzt und die Wahrheit sagt, zählt einen feuchten Kehricht.

Das ist keine Bosheit, das ist die Verfahrensordnung. Die Ordnung ist so gestrickt, dass die Berater am Ende immer gewinnen, jedes Mal.

Sie unterscheidet nach Herkunft, nicht nach Inhalt. Die Wahrheit zählt in diesem Laden erst ab einem gewissen Rechnungsbetrag.

Für die Erhebung wurden 210 Beschäftigte im Betriebsdienst befragt. Exakt dieselben, die es 2019 schon in die Kamera gesagt hatten.

Sie sagten dasselbe wie damals, diesmal wurde es aufgeschrieben und in Leder gebunden. Für 4,1 Millionen bekam die alte Wahrheit endlich einen schicken Umschlag.

Die Befragung dauerte elf Wochen, die Teilnahme wurde als Arbeitszeit angerechnet. Man bezahlt die Leute dafür, zweimal dasselbe zu sagen, das ist Effizienz auf Bahnisch.

Auf Grundlage des Gutachtens wurde ein Programm mit elf Maßnahmen aufgelegt. Die allererste ist die allerteuerste, natürlich.

Maßnahme eins: eine Stabsstelle zur Umsetzungsbegleitung. Man begleitet die Umsetzung, noch bevor irgendetwas umgesetzt ist, das nennt man Weitblick.

Für die Begleitung wurde die Beratung beauftragt, 1,4 Millionen. Dieselbe Firma prüft jetzt, ob befolgt wird, was sie sich selbst empfohlen hat, was für ein Zufall.

Die Maßnahmen zwei bis elf sind terminiert, neun davon auf 2029 und später. Gehandelt wird, wenn der amtierende Vorstand längst gemütlich in Rente ist.

Der Betriebsrat wurde beteiligt, er hat eine Stellungnahme abgegeben. Wieder zwei Seiten, wieder ungelesen, das Ritual hält sich.

Sie umfasst zwei Seiten.

+++ MÜLLEIMER-TICKER +++

+++ Gutachten 4,1 Millionen Euro, 340 Seiten, vier Hauptursachen – identisch mit der Stellungnahme des Betriebsrats von 2019 +++

+++ Maßnahme eins: Stabsstelle zur Umsetzungsbegleitung, Begleitung beauftragt für weitere 1,4 Millionen +++

Achtung, Satire: Personen, Zitate und Pressestellen sind frei erfunden — im Gegensatz zu den Verspätungen.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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