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Modellprojekt statt Zug, die Lösung steht auf Seite 190
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (Projektlaufzeit: drei Jahre)

Zweihundertvierzehn Seiten. Die Erkenntnis steht auf Seite 190. Foto: wpa (Symbolbild)
Meiningen (wpa) – Der Abschlussbericht des Modellprojekts Mobilität liegt vor, 214 Seiten. Wir geben die Kernaussagen wieder, die eigentliche steht ganz hinten auf Seite 190, wo sie keiner findet.
Ausgangslage: Der Zug wurde im Dezember 2026 eingestellt, im selben Monat startete das Projekt. Man streicht den Zug und erforscht dann mit dickem Budget, warum den Leuten plötzlich der Zug fehlt.
Auftraggeber: der Landkreis, gefördert vom Bund. Das Programm zahlt fürs Forschen, nur nicht fürs Fahren, das wäre ja zu banal.
Fördervolumen: 2,4 Millionen über drei Jahre. Für das Geld hätte der verdammte Zug ein ganzes Jahr fahren können.
Davon Personal 1,6 Millionen, Öffentlichkeitsarbeit 340.000, Reallabor 210.000. Für die, die forschen und Pressemitteilungen schreiben, ist reichlich da.
Für tatsächliche Beförderung blieben 250.000. Ein Zehntel für das Einzige, worum es eigentlich ging: dass ein Mensch von A nach B kommt.
Maßnahmen: Bestandsaufnahme, Befragung, Reallabor mit zwei Kleinbussen, Abschlusskonferenz. Vier hübsche Maßnahmen, und kein einziger Zug.
Bestandsaufnahme: 12.400 Menschen im Gebiet, 61 Prozent der Wege gehen zur Kreisstadt. Genau dorthin fuhr die Strecke, die man platt gemacht hat, Überraschung.
Befragung: 71 Prozent fahren seltener als vor 2026. Für teures Geld erforscht, was jedes Kind im Ort gratis hätte sagen können.
Als Grund nennen 84 Prozent das fehlende Angebot, 41 Prozent die Fahrzeit. Es fehlt der Zug, das war die millionenschwere Erkenntnis, festhalten.
Reallabor: zwei Kleinbusse, im Schnitt 4,1 Personen am Tag. Vier Leute pro Bus, das ist das grandiose Ergebnis von 210.000 Euro.
Betriebskosten je Fahrgast 31 Euro, Fahrpreis 2,90. Jede Fahrt ein Zuschussgrab, teurer als ein Taxi mit Chauffeur.
Das Reallabor lief neun Monate und endete mit dem Geld. Beendet wurde es nicht, weil der Bedarf weg war, sondern weil die Kasse leer war.
Bewertung: Das Projekt habe wertvolle Erkenntnisse geliefert. Wertvoll ist die Erkenntnis, kostenlos wäre sie an jeder Bushaltestelle zu haben gewesen.
Übertragbarkeit: auf 190 vergleichbare Räume. 190 weitere Orte dürfen sich auf dasselbe teure Nichts freuen.
Empfehlung: zur Verstetigung ein Anschlussprojekt. Das Ergebnis des Scheiterns ist ein Antrag auf noch mehr Geld, dreist, aber logisch.
Fördervolumen 2,8 Millionen, drei Jahre, Antrag ist gestellt. Man verlängert das Forschen über das Fehlen, statt das Fehlen einfach abzustellen.
Auf Seite 190 steht die Erkenntnis, die es nicht ins Fazit geschafft hat. Die Wahrheit haben sie ganz nach hinten gepackt, wo das Fazit sie garantiert nicht stört.
Sie lautet: Die wirksamste Maßnahme wäre die Wiederaufnahme des Zugverkehrs gewesen. Der Bericht weiß die Lösung ganz genau und verschweigt sie im Fazit, aus Prinzip.
Die Kosten dafür stehen auf derselben Seite: 1,9 Millionen im Jahr. Weniger, als das Forschen über das Fehlen gekostet hat, deutlich weniger.
Das entspricht dem Volumen zweier Modellprojekte. Zwei dieser Berichte kosten so viel wie ein ganzes Jahr Zug, für echte Menschen.
Eine Wiederaufnahme war nicht Gegenstand des Auftrags, der lautete: Alternativen untersuchen. Die einzige echte Lösung war von vornherein ausdrücklich verboten.
Vorgestellt wurde der Bericht auf der Abschlusskonferenz, in der Kreisstadt. Genau dort, wo der Zug hinfuhr, den es nicht mehr gibt, man muss das mögen.
Anreise mit der Bahn wird empfohlen. Das war der einzige Witz, den der Bericht selbst nicht bemerkt hat.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ 2,4 Millionen Fördervolumen, davon 1,6 Millionen Personalkosten – zwei Kleinbusse, 4,1 Fahrgäste am Tag, 31 Euro je Fahrgast +++
+++ Seite 190: Wirksamste Maßnahme wäre die Wiederaufnahme des Schienenverkehrs gewesen, 1,9 Millionen im Jahr +++
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