61 Millionen verbaut, dann Baustopp, der Stillstand zahlt ewig

⚠ Störungsinfo: Auf diesem Abschnitt der Website fällt der Ernst bis auf Weiteres aus. Es verkehrt ein Satire-Ersatzverkehr. Wir bitten, die Freude zu entschuldigen.

61 Millionen verbaut, dann Baustopp, der Stillstand zahlt ewig

Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (Vertrag bis 2029)

Baustopp Satire: Waschbär sitzt auf einem halbfertigen Brückenwiderlager mit rostenden Bewehrungseisen

Zuerst fertig war, was am schnellsten ging. Übrig ist, was am längsten steht. Foto: wpa (Symbolbild)

Paderborn (wpa) – Der Ausbau eines Streckenabschnitts ist gestoppt. Gebaut wurde exakt so lange, bis 61 Millionen sichtbar in den Sand gesetzt waren, dann war Schluss.

Fertig sind der Unterbau, zwei Brückenwiderlager und 400 Meter Lärmschutzwand. Fertig ist alles, nur das eine nicht, wofür der ganze Zirkus war: die Strecke.

Die wird auch nicht mehr fertig. Das ist der Plan, der keiner ist, beschlossen von Leuten, die den Ort auf der Karte suchen müssten.

Gestoppt wurde, weil die Finanzierung nicht gesichert ist, der Titel ist zusammengestrichen. Für die Pressefotos zum Spatenstich hatte es noch dicke gereicht.

Verbaut sind 61 Millionen, veranschlagt waren 210. Ein knappes Drittel verpulvert, für ein ganzes, rundes Nichts.

Abreißen? Kommt nicht in Frage, das würde die 61 Millionen abschreiben, und abgeschrieben sieht man sie in der Bilanz. Also lässt man sie stehen, aus reiner Feigheit.

Weiterbauen? Auch nicht, kein Geld. Zwischen Abriss und Weiterbau liegt der urdeutsche dritte Weg: gar nichts, aber teuer.

Der heißt Sicherung. Sicherung ist das Wort dafür, dass man den Stillstand fortan pflegt, füttert und beleuchtet wie ein Haustier.

Die Baustelle bleibt, sie ist zu sichern, zu beleuchten, zu entwässern. Ein Millionengrab mit Stromrechnung, und die läuft.

41.000 Euro im Monat kostet das, aus dem laufenden Betrieb. Für eine Baustelle, auf der nie wieder auch nur eine Schubkarre rollt.

Über zehn Jahre sind das fast fünf Millionen, und eine Befristung gibt es nicht. Unbefristet zahlt man am längsten, das weiß jeder Kämmerer, der schon mal geweint hat.

Die Umleitung bleibt auch, seit 2023, plus 22 Minuten. 22 Minuten, jeden verfluchten Tag, für jeden, der hier zur Arbeit muss.

Der Ersatzverkehrsvertrag läuft bis 2029, geschlossen für eine Bauzeit, die es nicht mehr gibt. Der Vertrag hält bombenfest, nur die Strecke nicht.

Kündigen unmöglich, die Entschädigung wäre höher als die Restlaufzeit. Also fährt der Bus jetzt für die Vertragsstrafe, nicht für die Menschen.

Gefahren wird also weiter Bus, auf einer Strecke, die kein Mensch mehr baut. Ersatzverkehr für einen Verkehr, den es nie geben wird, absurder geht Deutschland nicht.

Die zwei Brückenwiderlager sind für zwei Gleise ausgelegt und stehen mitten auf einem Acker. Zwei fette Betonklötze warten auf Züge, die nie bestellt wurden, wie zwei Grabsteine für die Verkehrswende.

Der Landwirt kassiert Entschädigung für die Fläche, dauerhaft. Er wird dafür bezahlt, dass in seinem Acker der Fortschritt vor sich hin schimmelt.

Frau Ehrhardt, 39, pendelt seit 2023 mit 22 Minuten Aufschlag. Sie hat es ausgehalten, weil es befristet war, das Einzige, was sie durchgetragen hat.

Befristet auf drei Jahre, jetzt unbefristet. Die Befristung war ihr letzter Halm, und den hat man ihr auch noch aus der Hand getreten.

Im August hat sie gekündigt, nicht den Vertrag, die Stelle. Der Bus hat gewonnen, ein Mensch ist gegangen, in der Bilanz taucht das nirgends auf.

Die Lärmschutzwand steht auf 400 Metern, dahinter wohnen 90 Leute. Sie schützt zuverlässig vor der ohrenbetäubenden Stille.

Sie schützt vor dem Lärm einer Strecke, die in dieser Form nie kommt. Der einzige Krach ist der Bus, und den lässt sie großzügig durch.

Zuerst gebaut wurde, was am schnellsten fertig war, nämlich das Nutzloseste.

Übrig bleibt, was am längsten steht: ein Widerlager, eine Wand, eine Stromrechnung, und kein einziger Zug, so weit das Auge reicht.

+++ MÜLLEIMER-TICKER +++

+++ Baustellensicherung 41.000 Euro im Monat, finanziert aus dem laufenden Betrieb +++

+++ Ersatzverkehrsvertrag bis 2029, Kündigung teurer als die Restlaufzeit +++

Achtung, Satire: Personen, Zitate und Pressestellen sind frei erfunden — im Gegensatz zu den Verspätungen.

Folge dem Bahn-Slam
auf WhatsApp

  • Neue Slam-Texte zuerst
  • Gedanken vom Gleis
  • Keine E-Mail, kein Spam

Deine Nummer bleibt geheim. Du liest, ich schreibe – ganz ohne Datensammeln.

Jetzt Kanal folgen

QR-Code zum Bahn-Slam WhatsApp-Kanal📷 Scannen & folgen
🦝Komm mit meinem Waschbär an Bord – schon jetzt an Gleis 1 der Bahn-Slam-Community.

Kanal ansehen →

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

Zeige alle Beiträge von BahnSlam →