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Lokführer angeworben, jetzt wischt er Böden
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (Anerkennung: vierzehn)

Neunzehn Jahre Erfahrung. Vierzehn Monate Verfahren. Foto: wpa (Symbolbild)
Duisburg (wpa) – Ein Verkehrsunternehmen hat im Ausland Lokführer angeworben, eingestellt elf, gebraucht werden 34. Man holt sich Fachkräfte ins Land und lässt sie dann Böden wischen.
Sie haben eine abgeschlossene Ausbildung und Erfahrung, einer davon neunzehn Jahre. Neunzehn Jahre Führerstand, und hier ist er erst mal ein Niemand.
Zum Zugfahren braucht es eine Anerkennung, das ist sinnvoll. Sinnvoll ist die Prüfung, wahnsinnig ist einzig ihre Dauer.
Fahrzeuge, Signale, Regelwerk sind anders, wer sie nicht kennt, darf nicht fahren. Das leuchtet ein, vierzehn Monate Warterei leuchten überhaupt nicht ein.
Das Verfahren: Sprachprüfung, Streckenkunde, Fahrzeugkunde, ärztliche Untersuchung. Vier Hürden, jede mit ihrer eigenen ellenlangen Warteschlange.
Die Sprachprüfung verlangt B2, angeboten an zwei Standorten. Zwei lächerliche Standorte für ein ganzes Land.
Die ärztliche Untersuchung dauert einen Tag, der Termin dafür wird in acht Monaten vergeben. Acht Monate Wartezeit für einen einzigen Tag Untersuchung, man fasst es nicht.
Zugelassene Ärzte gibt es 41, neun nehmen keine neuen Fälle. Der Engpass hat selbst noch einen Engpass, so tief geht das.
Die Gesamtdauer beträgt im Schnitt vierzehn Monate, das sind 305 Arbeitstage. 305 Tage, an denen ein fertiger Lokführer nicht fährt, während seine Züge reihenweise ausfallen.
In der Zeit darf er nicht fahren, bezahlt wird er trotzdem. Man bezahlt den Mann fürs Warten, nur nicht fürs Fahren, das wäre ja nützlich.
Eingesetzt wird er derweil in der Werkstatt, Innenreinigung, dafür braucht es keine Anerkennung. Der ausgebildete Lokführer schrubbt die Züge, die ohne ihn nicht fahren, bitterer geht es kaum.
Innenreinigung ist Tarifgruppe 3, angeworben wurde er für 7. Man hat ihn ins Land gelockt und per Behörde degradiert, herzlich willkommen.
Die Differenz sind 1.140 Euro im Monat, über vierzehn Monate knapp 16.000. 16.000 Euro Verlust nur dafür, dass ein Amt zu lahm ist.
Auf seiner Strecke fielen im Halbjahr 340 Fahrten wegen Personalmangels aus. Der Mann, der genau das lösen könnte, wischt in derselben Zeit Fußböden.
340 Fahrten sind bei 41 am Tag gut acht Wochen Totalausfall. Acht Wochen kein Zug, der Retter zum Greifen nah, weggeschlossen in der Waschhalle.
Das Unternehmen wies auf die Ausfälle hin, die Hinweise gingen ein und wurden bestätigt. Eingegangen, bestätigt, folgenlos, das übliche Trio.
Eine Beschleunigung wurde angeregt, zuständig ist eine Behörde mit 41 offenen Stellen. Der Personalengpass wird von einer Behörde verwaltet, die selbst am Personalengpass krepiert.
Für die Anerkennung ist diese Behörde zuständig, für den Verkehrsvertrag eine andere. Zwei Ämter, null Absprache, kein Zug.
Die Pönale für die Ausfälle zahlt das Unternehmen, an den Aufgabenträger. Bestraft wird also der, dem eine Behörde verbietet, den Lokführer fahren zu lassen, absurd bis zum Anschlag.
610 Euro je ausgefallener Fahrt, für 340 Fahrten 207.400. Über 200.000 Euro Strafe, weil eine ärztliche Untersuchung acht Monate braucht.
Der Aufgabenträger hat die Anwerbung sogar gefördert, aus Mitteln zur Fachkräftesicherung. Er zahlt fürs Anwerben und kassiert fürs Nichtfahren, in derselben Kasse, mit ernstem Gesicht.
41.000 Euro Förderung je Kopf, längst ausgezahlt. Man fördert teuer die Ankunft und verhindert dann behördlich den Einsatz.
Zwei der elf haben inzwischen gekündigt und sind in ein Land gegangen, in dem sie fahren dürfen. Deutschland hat sie angeworben, geputzt und wieder verloren, Glückwunsch.
In der Auswertung erscheinen sie als Abgang, Grund: Wettbewerb. Nicht die lahme Behörde war schuld, sondern der böse Wettbewerb, so steht es fein säuberlich im Bericht.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Anerkennungsverfahren im Mittel vierzehn Monate, Termin für die medizinische Untersuchung in acht +++
+++ 340 Fahrten im Halbjahr wegen Personalmangels ausgefallen – die Angeworbenen arbeiten in der Innenreinigung +++
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