Zahlen, bitte
„Der rot-weiße Kasten am Gleis wird seltener. Zählen wir mal nach, wie viele es überhaupt noch sind.“
Wie viele Fahrkartenautomaten hat die Bahn?
→ Einst standen sie an jeder Ecke. Heute ist ihre Zahl eine kleine Zeitgeschichte des Ticketkaufs.
Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Zahlen, bitte
Kurz gesagt
Die Deutsche Bahn betreibt heute rund 5.500 Fahrkartenautomaten. 2009 waren es noch über 8.200. Die Zahl sinkt seit Jahren – vor allem, weil immer mehr Menschen ihr Ticket per Handy kaufen.
Der rot-weiße Fahrkartenautomat gehört für viele zum Bahnhof wie der Bahnsteig selbst.
Doch er wird seltener: Die Deutsche Bahn baut ihre Automaten seit Jahren nach und nach ab.
Aus einer einst dichten Landschaft ist ein ausgedünntes Netz geworden.
Automaten der Bahn
~5.500
Automaten 2023
bundesweit
>8.200
noch 2009
der Höchststand
~-20 %
weiterer Rückgang erwartet
laut Bahn
Handy
der große Konkurrent
Tickets aus der App
Quelle: Deutsche Bahn, Statista. Werte gerundet.
Warum es immer weniger werden

Zwei Entwicklungen stecken dahinter.
Die erste ist die Digitalisierung: Wer sein Ticket bequem im Handy kauft, braucht keinen Automaten mehr.
Millionen Fahrgäste buchen heute per App, oft schon von zu Hause aus.
Die zweite ist der Wettbewerb im Nahverkehr.
Die Länder schreiben ihre Regionalstrecken regelmäßig neu aus.
Verliert die Bahn eine solche Ausschreibung an einen anderen Anbieter, verschwinden mit dem Auftrag oft auch ihre Automaten von den dortigen Bahnhöfen.
Beides zusammen lässt die Zahl stetig sinken.
Vom Höchststand über 8.200 im Jahr 2009 ging es auf rund 5.500 im Jahr 2023 – und die Bahn rechnet mit einem weiteren Rückgang um etwa ein Fünftel.
Wie ein moderner Automat funktioniert
Ein heutiger Automat ist weit mehr als ein Münzschlucker.
Er kennt das gesamte Tarifsystem, berechnet Verbindungen, akzeptiert Bargeld und Karte und druckt in Sekunden das passende Ticket.
Dahinter steckt ein kleiner Computer, der ständig mit den aktuellen Fahrplan- und Preisdaten versorgt wird.
Genau diese Komplexität macht die Geräte teuer in Anschaffung und Wartung.
Jeder Automat muss gepflegt, befüllt, repariert und gegen Vandalismus geschützt werden.
Wo wenige Menschen ihn nutzen, rechnet er sich für die Bahn irgendwann nicht mehr.
Nicht für alle ein Fortschritt
Für viele ist die App bequem – für andere aber ist der Abbau ein echtes Problem.
Nicht jeder besitzt ein Smartphone, nicht jeder mag oder kann damit bezahlen.
Ältere Menschen, Kinder oder Reisende ohne Datenverbindung stehen dann vor dem Nichts.
Verschwindet der letzte Automat am kleinen Bahnhof, wird der Ticketkauf für sie zur Hürde.
Wer ohne gültiges Ticket einsteigt, riskiert ein erhöhtes Beförderungsentgelt – auch wenn er schlicht keine Möglichkeit zum Kauf hatte.
Genau deshalb ist der Abbau umstritten.
Verbraucherschützer fordern, dass an jedem Bahnhof mindestens eine Verkaufsmöglichkeit erhalten bleibt.
Die Bahn verweist auf die App und auf den Kauf beim Zugpersonal – doch beides ersetzt den vertrauten Kasten am Gleis nicht für jeden.
Der Automat als Auslaufmodell?
Ein völliges Verschwinden ist trotzdem unwahrscheinlich.
An großen Bahnhöfen bleiben Automaten und teils auch bediente Schalter erhalten, weil dort schlicht zu viele Menschen ein Ticket brauchen.
Nur an kleinen Stationen wird der Kasten zur Rarität.
So erzählt die schrumpfende Zahl der Automaten eine größere Geschichte: die vom Wandel des Ticketkaufs vom Papierschein am Blechkasten hin zum Code auf dem Bildschirm.
Ob dabei niemand zurückbleibt, ist die eigentliche Streitfrage.

Häufige Fragen
Wie viele Automaten hat die Bahn?
Warum werden Automaten abgebaut?
Kann man bald gar keine Tickets mehr am Bahnhof kaufen?
Was, wenn kein Automat da ist?
Vom Schalter zum Bildschirm
Der Ticketkauf hat in gut hundert Jahren drei Zeitalter durchlaufen.
Zuerst gab es nur den bedienten Schalter, an dem ein Mensch die Fahrkarte aus der Hand ausgab.
Dann kamen die Automaten, zunächst einfache Geräte für wenige Standardfahrscheine.
In den 1990er- und 2000er-Jahren erlebten die Automaten ihre Blütezeit.
Sie standen an fast jedem Bahnsteig und konnten immer mehr: das ganze Tarifsystem, Fernverbindungen, Sparpreise.
Der rot-weiße Kasten wurde zum Sinnbild des selbstständigen Reisens.
Heute läuft das dritte Zeitalter: das Smartphone.
Es ist Automat und Schalter zugleich, immer in der Tasche.
Für die Bahn ist das günstig, weil jede App-Buchung ein Gerät weniger nötig macht, das gewartet werden müsste.
Doch der Übergang ist nicht für alle gleich leicht.
Ein Automat funktioniert für jeden, der davorsteht – ganz ohne Konto, App oder Datenverbindung.
Genau diese Niedrigschwelligkeit geht verloren, wenn der letzte Kasten abgebaut wird.
Was die Bahn stattdessen anbietet
Als Ersatz verweist die Bahn auf mehrere Wege: die App, den Online-Kauf, teils bediente Reisezentren und den Fahrkartenverkauf beim Zugpersonal im Nahverkehr.
In manchen Regionen fahren zudem mobile Kundenbetreuer, die vor Ort helfen.
Für viele Reisende ist das mehr als genug.
Wer flexibel ist und ein Smartphone hat, vermisst den Automaten kaum.
Für andere aber bleibt eine Lücke, die keine App füllt – und genau um diese Menschen dreht sich die Debatte.
Am Ende ist die Zahl der Automaten also ein Gradmesser dafür, wie eine Gesellschaft mit dem digitalen Wandel umgeht: schnell und effizient für die einen, aber mit dem Anspruch, niemanden am Bahnsteig zurückzulassen.
Weiterfahrt
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