Zahlen, bitte
„„ICE“ steht nicht für einen Zug, sondern für eine ganze Familie – mit sechs lebenden Mitgliedern.“
Wie viele ICE-Baureihen gibt es?
→ Nicht jeder ICE ist gleich. Die Familie hat mehrere Generationen mit ganz eigenem Charakter.
Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Zahlen, bitte
Kurz gesagt
Aktuell sind sechs ICE-Typen im Einsatz: ICE 1, ICE 2, ICE 3, ICE 3neo, ICE 4 und der Neigezug ICE T. Frühere Typen wie der Diesel-ICE TD sind längst ausgemustert. Zusammen bilden sie das Rückgrat des deutschen Fernverkehrs.
Wer „ICE“ sagt, meint meist irgendeinen weißen Schnellzug mit rotem Streifen.
Tatsächlich steckt dahinter eine ganze Familie, die über mehr als drei Jahrzehnte gewachsen ist – mit Mitgliedern aus ganz verschiedenen Epochen.

1991 begann alles mit dem ICE 1. Seither kam etwa alle paar Jahre eine neue Generation dazu, während die alten weiterfuhren.
So rollt heute die gesamte Entwicklungsgeschichte gleichzeitig über das Netz.
Die ICE-Familie heute
ICE 1
seit 1991
der Urvater, mit Triebköpfen
ICE 2
seit 1996
kürzer, teilbar
ICE 3 / 3neo
seit 2000
erster für Tempo 300
ICE 4 / ICE T
Rückgrat & Neigezug
jüngstes Arbeitstier und Kurvenspezialist
Quelle: Deutsche Bahn. Ausgemustert sind u. a. der Diesel-ICE TD und der kleine ICE T5.
Der Urvater: ICE 1 und ICE 2
Der ICE 1 von 1991 ist leicht zu erkennen: Vorn und hinten zieht je ein wuchtiger Triebkopf die Wagen dazwischen.
Er war der Zug, mit dem Deutschland ins Zeitalter der Hochgeschwindigkeit startete, und wurde inzwischen gründlich modernisiert.
Der ICE 2 folgte 1996. Seine Besonderheit: Er ist kürzer und lässt sich teilen.
Zwei ICE 2 können gemeinsam fahren und sich unterwegs trennen, um in verschiedene Richtungen weiterzufahren – „Flügeln“ nennt man das.

Der Sprung: ICE 3 und ICE 3neo
Mit dem ICE 3 kam 2000 der große technische Sprung.
Er hat keine Triebköpfe mehr, sondern verteilt den Antrieb unter dem ganzen Zug.
Das machte ihn leichter und schneller: Er war der erste deutsche Zug, der planmäßig Tempo 300 fuhr.

Die jüngste Weiterentwicklung ist der ICE 3neo, eine moderne Variante der bewährten Bauart.
Er bringt neue Technik, mehr Komfort und bessere Barrierefreiheit – die Grundidee des schnellen Triebzugs aber bleibt dieselbe.

Das Arbeitstier und der Kurvenkünstler
Der ICE 4, seit 2017 im Einsatz, ist heute das eigentliche Rückgrat der Flotte.
Er ist nicht der schnellste, aber der wirtschaftlichste und wird in großer Stückzahl beschafft.
Ihn gibt es in verschiedenen Längen, je nach Bedarf der Strecke.

Eine Sonderrolle spielt der ICE T. Er hat Neigetechnik: In Kurven legt sich der Wagenkasten leicht zur Seite, damit der Zug auf kurvigen Strecken schneller fahren kann, ohne dass den Fahrgästen unwohl wird.
Auf den vielen Mittelgebirgsstrecken Deutschlands ist das ein großer Vorteil.

Warum es so viele Typen gibt
Die Vielfalt hat einen einfachen Grund: Die Bahn beschafft über Jahrzehnte immer wieder neue Züge, je nach Technik und Bedarf der Zeit.
Alte Baureihen fahren weiter, bis sie das Ende ihrer Lebensdauer erreichen, während neue dazukommen.
Nicht jede Idee blieb: Der Diesel-ICE TD für Strecken ohne Oberleitung wurde ebenso wieder aufgegeben wie der kleine ICE T5. Am Ende zählt, was sich im harten Alltag bewährt – und das sind heute jene sechs Typen, die das Netz prägen.

Häufige Fragen
Welcher ICE ist der älteste?
Was ist der Unterschied zwischen ICE 3 und ICE 3neo?
Was kann der ICE T besonders?
Warum sieht der ICE 1 anders aus?
Über 30 Jahre ICE
Als 1991 der erste ICE fuhr, war das ein nationales Ereignis.
Deutschland hatte den Anschluss an die Hochgeschwindigkeit gefunden, die Frankreich mit dem TGV vorgemacht hatte.
Seither ist der ICE zur Marke geworden, die fast jeder kennt.
In den drei Jahrzehnten danach wuchs nicht nur die Zahl der Züge, sondern auch das Streckennetz für hohe Geschwindigkeiten.
Neubaustrecken wie Köln–Rhein/Main oder Nürnberg–Ingolstadt wurden eigens für den ICE gebaut.
Der ICE ist dabei längst kein rein deutsches Produkt mehr.
Er fährt bis nach Paris, Amsterdam, Brüssel und in die Schweiz.
Manche Baureihen sind eigens dafür mit mehreren Strom- und Signalsystemen ausgerüstet, um über die Grenzen zu kommen.
Wie man die Typen erkennt
Ein kleiner Spotter-Tipp: Hat der Zug vorn und hinten einen abgesetzten Triebkopf, ist es ein ICE 1 oder 2. Läuft die Fahrgastkabine dagegen bis ganz nach vorn zur spitzen Nase, handelt es sich um einen ICE 3 oder 3neo.
Der ICE 4 wirkt etwas kantiger und länger, oft mit auffällig vielen Wagen.
Und wer einen ICE durch enge Kurven fahren sieht, bei dem sich der Wagenkasten leicht neigt, hat einen ICE T vor sich – den Kurvenkünstler der Familie.
Intern trägt jeder Typ eine nüchterne Nummer, die Baureihe.
Der ICE 3 etwa umfasst mehrere Baureihen wie die 403 oder die 407. Für Reisende zählt aber vor allem der vertraute Name mit der Ziffer dahinter.
So ist die ICE-Familie ein rollendes Museum der letzten drei Jahrzehnte – und zugleich das Versprechen, dass die schnelle Reise durch Deutschland auch in Zukunft ihren vertrauten Namen behält.
Weiterfahrt
→ Wie groß ist die ICE-Flotte? – wie viele Züge die Familie zählt
→ Wie viel kostet ein ICE? – was ein Familienmitglied kostet
→ Wie schnell darf ein Zug fahren? – wofür die schnellen Typen gebaut sind
