Macht die Bahn Gewinn? Umsatz, Verlust und Schulden 2025 einfach erklärt

Bahn-Slam · Zahlen, bitte

„Sehr geehrte Fahrgäste, die Bilanz hat drei Antworten auf eine Frage. Alle drei stimmen.“

Macht die Bahn Gewinn?

→ Die Bahn ist ein Haus, das dem Bund gehört. Die Mieter wirtschaften – und der Eigentümer zahlt das Dach.

Lesezeit: 8 Minuten · Geld & Konzern

Kurz gesagt

Kommt darauf an, welche Zahl man nimmt. Im Tagesgeschäft hat die Bahn 2025 erstmals seit Jahren wieder ein kleines Plus gemacht: 297 Millionen Euro operatives Ergebnis. Unter dem Strich steht trotzdem ein Verlust von 2,3 Milliarden Euro, vor allem wegen einer Abschreibung im Fernverkehr. Und rechnet man den Verkauf der Logistiktochter Schenker mit, steht plötzlich ein Überschuss von 5,3 Milliarden. Alle drei Zahlen sind richtig. Sie beantworten nur verschiedene Fragen.

Im März legt die Bahn jedes Jahr ihre Bilanz vor.

Dann stehen in den Zeitungen am selben Tag drei Überschriften, die sich zu widersprechen scheinen.

„Bahn macht operativ Gewinn“, schreibt die eine.

„Bahn macht Milliardenverlust“, schreibt die zweite.

„Bahn mit Milliardenüberschuss“, schreibt die dritte.

Alle drei haben recht.

Die Bahn ist ein großes Haus, das dem Bund gehört: Die Mieter darin wirtschaften, der Eigentümer zahlt das Dach – und am Jahresende schaut jeder auf eine andere Rechnung.

Rangierbahnhof Maschen bei Hamburg
Rangierbahnhof Maschen bei Hamburg, der größte Europas – Herz des Güterverkehrs, der die Bilanz drückt. Foto: Benno Wiesmüller, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Zahl eins: Das Tagesgeschäft

Die erste Zahl heißt operatives Ergebnis, im Fachdeutsch „EBIT bereinigt“.

Sie sagt: Was bleibt übrig, wenn man von den Einnahmen die laufenden Kosten abzieht – Löhne, Strom, Wartung, Trassen.

2025 lag diese Zahl bei plus 297 Millionen Euro.

Das klingt nach wenig bei 27 Milliarden Euro Umsatz, ist aber ein Sprung: Im Jahr davor stand hier ein Minus von 333 Millionen.

Im Tagesgeschäft hat die Bahn also wieder mehr eingenommen als ausgegeben.

Die Bahn-Bilanz 2025 in Zahlen

27 Mrd. €

Umsatz

plus drei Prozent gegenüber 2024

+297 Mio. €

Operatives Ergebnis

EBIT bereinigt, Vorjahr minus 333 Millionen

−2,3 Mrd. €

Jahresergebnis nach Steuern

vor allem wegen 1,4 Milliarden Abschreibung im Fernverkehr

+5,3 Mrd. €

Mit Schenker-Verkauf

Jahresüberschuss inklusive Verkaufserlös

20,7 Mrd. €

Netto-Finanzschulden

minus 11,9 Milliarden im Jahresverlauf

22 Mrd. €

Investitionen

Rekord, davon rund 19 Milliarden in die Infrastruktur

Quelle: Deutsche Bahn, Bilanzpressekonferenz und Geschäftsbericht 2025, veröffentlicht Ende März 2026.

Zahl zwei: Der Strich unter allem

Die zweite Zahl heißt Jahresergebnis nach Steuern.

Hier kommen Zinsen, Steuern und Abschreibungen dazu – und 2025 vor allem eine große Abschreibung.

Die Bahn hat den Wert ihres Fernverkehrs in den Büchern um rund 1,4 Milliarden Euro nach unten korrigiert.

Das ist kein Geld, das aus der Kasse geflossen ist.

Es ist ein Buchverlust: Die Sparte ist weniger wert als gedacht, also muss das in der Bilanz stehen.

So wird aus dem kleinen Plus im Tagesgeschäft unter dem Strich ein Minus von 2,3 Milliarden Euro.

2023 waren es minus 2,4 Milliarden, 2024 minus 1,8 Milliarden – der Verlust ist also nicht neu, nur anders begründet.

Was eine Abschreibung ist

Wer ein Auto für 30.000 Euro kauft und feststellt, dass es nur noch 20.000 wert ist, hat 10.000 Euro verloren – auch wenn er es nicht verkauft.

Genau das hat die Bahn beim Fernverkehr getan. Der Verlust steht in der Bilanz, aber kein Euro hat die Kasse verlassen.

Deshalb kann ein Unternehmen im Tagesgeschäft Gewinn machen und trotzdem einen Jahresverlust melden.

Zahl drei: Der große Verkauf

Die dritte Zahl entsteht durch ein einmaliges Ereignis.

Die Bahn hat 2025 ihre Logistiktochter DB Schenker verkauft.

Rechnet man den Erlös mit, macht der Konzern einen Jahresüberschuss von 5,3 Milliarden Euro.

Das ist echtes Geld – aber es kommt nur einmal.

Es wurde deshalb nicht in neue Züge gesteckt, sondern vor allem in den Abbau von Schulden.

Der Schuldenberg schrumpft, bleibt aber ein Berg

Die Netto-Finanzschulden der Bahn sanken 2025 um 11,9 Milliarden auf rund 20,7 Milliarden Euro.

Zwei Dinge haben das möglich gemacht: der Schenker-Erlös und frisches Eigenkapital vom Bund.

Der Bund hatte im Februar 2024 angekündigt, das Eigenkapital der Bahn um 12,5 Milliarden Euro zu erhöhen.

20 Milliarden Schulden sind immer noch viel – aber sie kosten nun weniger Zinsen, und jeder gesparte Zins-Euro ist ein Euro für das Netz.

Wem das Haus gehört

Die Deutsche Bahn AG ist eine Aktiengesellschaft, aber alle Aktien gehören dem Bund.

Deshalb ist die Frage nach dem Gewinn nicht die einer Firma an der Börse.

Der Bund will keine Dividende; er will, dass Züge fahren.

Und er zahlt selbst den größten Posten: Rund 19 der 22 Milliarden Euro Investitionen 2025 flossen in Schienen, Brücken, Stellwerke und Bahnhöfe – größtenteils aus Bundesmitteln.

Seit 2024 ist das Netz in der Tochter DB InfraGO gebündelt, die ausdrücklich dem Gemeinwohl dienen soll und nicht dem Gewinn.

Das Sorgenkind

Der Güterverkehr DB Cargo schreibt seit Jahren rote Zahlen und muss auf Druck der EU bis 2026 profitabel werden – sonst gelten frühere Hilfen als unerlaubte Beihilfe.

Der Fernverkehr hat 2025 die große Abschreibung ausgelöst: zu viele Baustellen, zu viele Verspätungen, zu wenig Einnahmen für die eigenen Erwartungen.

Der Regionalverkehr dagegen läuft stabil – dort bestellen und bezahlen die Bundesländer die Züge.

Also: Macht die Bahn Gewinn?

Im Tagesgeschäft: ein kleines Ja, zum ersten Mal seit Jahren.

Unter dem Strich: Nein, 2,3 Milliarden Verlust – aber als Buchverlust, nicht als leere Kasse.

Mit dem Schenker-Verkauf: ein großes, einmaliges Ja.

Wer die Bahn verstehen will, muss alle drei Zahlen zusammen lesen – so wie man ein Haus nicht nach einer einzigen Rechnung beurteilt.

Häufige Fragen zur Bahn-Bilanz

Hat die Bahn 2025 Gewinn gemacht?
Operativ ja: 297 Millionen Euro Plus im Tagesgeschäft. Nach Steuern nein: 2,3 Milliarden Euro Verlust, vor allem wegen einer Abschreibung von 1,4 Milliarden auf den Fernverkehr. Mit dem Schenker-Verkauf ergibt sich ein Überschuss von 5,3 Milliarden.
Was ist der Unterschied zwischen Umsatz und Gewinn?
Der Umsatz ist alles, was reinkommt – 2025 rund 27 Milliarden Euro. Der Gewinn ist das, was nach allen Kosten übrig bleibt. Man kann viel Umsatz und trotzdem Verlust haben.
Warum ist eine Abschreibung ein Verlust, wenn kein Geld fließt?
Weil die Bilanz den Wert des Unternehmens abbildet. Ist eine Sparte weniger wert als in den Büchern steht, muss der Unterschied als Verlust verbucht werden – auch ohne Zahlung.
Wie hoch sind die Schulden der Bahn?
Ende 2025 rund 20,7 Milliarden Euro Netto-Finanzschulden, fast zwölf Milliarden weniger als ein Jahr zuvor.
Wem gehört die Deutsche Bahn?
Zu 100 Prozent dem Bund. Die Bahn ist eine Aktiengesellschaft, aber alle Aktien liegen beim Staat.
Zahlt der Bund die Verluste?
Nicht direkt. Der Bund finanziert vor allem die Infrastruktur und hat 2024 eine Eigenkapitalerhöhung von 12,5 Milliarden Euro angekündigt. Die Verluste bleiben in der Bilanz des Konzerns.
Welche Sparte macht die größten Probleme?
DB Cargo, der Güterverkehr. Er schreibt seit Jahren Verluste und muss aus EU-rechtlichen Gründen bis 2026 profitabel werden.
Wo kann ich die Zahlen nachlesen?
Im Geschäftsbericht 2025 der Deutschen Bahn, den der Konzern Ende März 2026 veröffentlicht hat, und in der Pressemitteilung zur Bilanz.

Quellen

Deutsche Bahn AG, Pressemitteilung „Schritt nach vorn bei Umsatz und operativem Ergebnis“ und Geschäftsbericht 2025; eisenbahn.de und NahverkehrsPraxis zur Bilanz 2025; Stuttgarter Zeitung zur Schuldenlast nach dem Schenker-Verkauf.

Alle Beträge gerundet. Stand: September 2026.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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