Stimmt es, dass ein ICE dich ansaugen kann? Sog, Druckwelle und die weiße Linie erklärt

STIMMT ES, DASS …?

„Nächster Halt: hinter der weißen Linie. Bitte unbedingt zurücktreten.“

Stimmt es, dass ein ICE dich ansaugen kann? Sog, Druckwelle und die weiße Linie erklärt

→ Kurz gesagt: Der Sog ist real – und genau deshalb gibt es die Linie

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Kurz gesagt

Rast ein ICE durch den Bahnhof, spürt man den Wind bis auf den Bahnsteig. Kann so ein Zug einen Menschen wirklich ansaugen? Fast – der aerodynamische Sog ist stark genug, um aus dem Gleichgewicht zu bringen. Warum das so ist und was die weiße Linie damit zu tun hat.

Straßenbahn der Linie 68 am S-Bahnhof Grünau
Foto: Florian Fèvre, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die kurze Antwort

Nicht wie ein Magnet, aber gefährlich nah dran.

Ein mit hohem Tempo vorbeifahrender Zug schiebt und zieht die Luft um sich herum so kräftig, dass ein Mensch, der zu dicht steht, aus dem Gleichgewicht geraten und zum Gleis hin gezogen werden kann.

Der berüchtigte „Sog“ ist also kein Ammenmärchen, sondern handfeste Aerodynamik – und einer der wichtigsten Gründe für die Sicherheitsabstände am Bahnsteig.

Man wird nicht buchstäblich in den Zug gesaugt.

Aber die Luftbewegung reicht aus, um jemanden ins Straucheln zu bringen, Kinderwagen zu verrücken oder lose Gegenstände mitzureißen.

Bei Tempo 300 ist das eine ernste Gefahr.

Der Sog in Zahlen

bis 300 km/h

rast der Zug vorbei

ohne zu halten

Druck + Sog

zwei Kräfte

erst schieben, dann ziehen

weiße Linie

die Schutzzone

unbedingt dahinter bleiben

Je schneller der Zug, desto stärker die Luftbewegung.

Auch der Abstand zur Bahnsteigkante entscheidet über die Wucht.

Was beim Vorbeifahren passiert

Ein Zug verdrängt beim Fahren die Luft vor sich.

Direkt an der Front baut sich deshalb eine Druckwelle auf, die einen kurzen Stoß nach außen gibt – man wird zunächst ein wenig weggedrückt.

Kaum ist die Zugspitze vorbei, kehrt sich das Bild um: Hinter der Front strömt Luft nach, und es entsteht ein Unterdruck, der alles in der Nähe zum Zug hin zieht.

Dieses Wechselspiel aus Druck und Sog erwischt einen von zwei Seiten.

Erst der Stoß, dann der Zug: Wer darauf nicht gefasst ist und zu nah steht, verliert leicht den Halt.

Besonders tückisch ist der Moment, in dem der ganze Wagenzug vorbeirauscht und die Luft turbulent hinterherwirbelt.

Wie stark ist das wirklich?

Die Wucht hängt vor allem vom Tempo ab.

Ein langsam einfahrender Zug erzeugt kaum spürbaren Sog.

Ein durchfahrender ICE bei 250 oder 300 Stundenkilometern dagegen entfacht einen regelrechten Sturm entlang des Bahnsteigs.

Der Luftzug kann Hüte, Zeitungen und leichte Taschen mit sich reißen – und einen Menschen, der direkt an der Kante steht, gefährlich ins Wanken bringen.

Entscheidend ist der Abstand.

Schon ein Schritt zurück von der Bahnsteigkante verringert die Kraft deutlich, denn die Luftbewegung ist unmittelbar am Zug am stärksten und nimmt mit der Entfernung rasch ab.

Genau darauf zielt die bekannte Sicherheitsmarkierung.

Warum der Sog so wirkt

Vor dem Zug baut sich eine Druckwelle auf – ein Stoß nach außen.

Hinter der Front entsteht ein Unterdruck – ein Ziehen zum Zug hin.

Beides ist am stärksten direkt an der Bahnsteigkante.

Die weiße Linie

Nicht ohne Grund verläuft auf jedem Bahnsteig eine farbige Linie im Abstand zur Kante, oft weiß oder gelb, teils mit Noppen zum Ertasten.

Sie markiert die Grenze, hinter der man beim Durchfahren eines Zuges sicher steht.

Wer dahinter bleibt, ist dem stärksten Bereich von Druck und Sog entzogen.

Deshalb ertönt vor durchfahrenden Zügen oft eine Durchsage mit der Bitte, zurückzutreten.

Sie ist kein bürokratischer Reflex, sondern ein ernst gemeinter Schutz vor genau der Kraft, die man unterschätzt, bis man sie einmal gespürt hat.

Baureihe 422 im Dortmunder Hauptbahnhof
Foto: Clic, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Sicher am Bahnsteig

Für Reisende ist die Lehre einfach: Abstand halten, besonders wenn ein Zug ohne Halt durchfährt.

Kinder an die Hand nehmen, Kinderwagen und Gepäck festhalten und nicht an die Kante treten, um den nahenden Zug zu fotografieren.

Der schönste Schnappschuss ist keinen Sturz aufs Gleis wert.

Häufige Fragen

Nicht nur am Bahnsteig

Der Sog ist nicht nur auf dem Bahnsteig ein Thema.

Auch entlang der freien Strecke, etwa an Baustellen, wirkt er auf die Menschen, die dort arbeiten.

Gleisbauer und Techniker müssen bei jedem durchfahrenden Zug einen Sicherheitsabstand einhalten, denn die Luftbewegung ist überall dort gefährlich, wo man dem Zug zu nahe kommt.

Ähnliches gilt für Gegenstände am Gleis.

Lose Planen, Werkzeuge oder Schutt können vom Sog erfasst und mitgerissen werden – und dann selbst zur Gefahr werden.

Deshalb muss entlang der Strecke alles gesichert sein, was ein vorbeifahrender Zug in Bewegung setzen könnte.

Warum schnelle Züge besonders wirken

Der Zusammenhang zwischen Tempo und Sog ist nicht geradlinig, sondern verschärft sich mit der Geschwindigkeit überproportional.

Wird ein Zug doppelt so schnell, wächst die Wucht der Luftbewegung um ein Vielfaches.

Genau deshalb ist der Sog bei einem durchrauschenden ICE so viel stärker als bei einer gemächlichen Regionalbahn.

Auf Schnellfahrstrecken, wo Züge mit 250 oder 300 Stundenkilometern unterwegs sind, halten Bahnsteige deshalb oft besonders große Abstände zur Kante ein oder werden gar nicht erst zum Halten genutzt.

Wo es doch Bahnsteige gibt, ist die Sicherheitslinie umso wichtiger.

Kann der Sog einen erwachsenen Menschen wirklich umwerfen?
Direkt an der Kante und bei hohem Tempo ja – zumindest kann er so stark aus dem Gleichgewicht bringen, dass ein Sturz droht. Kinder und leichte Personen sind besonders gefährdet.
Warum spürt man bei haltenden Zügen fast nichts?
Weil der Sog mit dem Tempo wächst. Ein langsam einfahrender Zug bewegt kaum Luft; die Gefahr geht vor allem von schnell durchfahrenden Zügen aus.
Reicht ein Schritt zurück wirklich aus?
Er hilft enorm. Die Luftbewegung ist unmittelbar an der Bahnsteigkante am stärksten und lässt mit dem Abstand schnell nach. Hinter der Sicherheitslinie ist man deutlich geschützter.

Weiterfahrt

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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