Bahn-Slam · Zahlen, bitte
„Sehr geehrte Fahrgäste, dieser Zug hat einen Preis. Er steht nur nirgends dran.“
Was kostet ein ICE?
→ Der Preis eines ICE ist der Preis eines ganzen Straßenzugs voller Einfamilienhäuser. Auf Rädern.
Lesezeit: 7 Minuten · Fahrzeuge & Geld
Kurz gesagt
Ein ICE 4 kostet die Deutsche Bahn rund 33 bis 34 Millionen Euro. Ein ICE 3neo liegt bei etwa 35 Millionen. Der neue ICE L aus Spanien ist mit grob 25 Millionen günstiger, fährt aber auch nur 230 statt 300 Kilometer pro Stunde. Insgesamt steckt die Bahn rund zwölf Milliarden Euro in neue Fernzüge. Gerechnet auf 30 Jahre Lebensdauer kostet ein ICE allein in der Anschaffung etwa eine Million Euro pro Jahr – bevor er einen einzigen Meter gefahren ist.
Es ist kurz nach sechs Uhr morgens im ICE-Werk.
Ein weißer Zug rollt langsam in die Halle, 200 Meter lang, noch warm von der Nachtfahrt.
Auf dem Bahnsteig draußen kostet ein Kaffee drei Euro, eine Fahrkarte nach Berlin vielleicht sechzig.
Aber was kostet eigentlich das Ding, in dem man sitzt?
Ein ICE ist ein Straßenzug voller Einfamilienhäuser, nur dass er fährt.
Wer sich das einmal klarmacht, versteht plötzlich, warum die Bahn so lange an alten Zügen festhält und warum jede Bestellung eine Schlagzeile ist.

Die Preisliste, die es offiziell nicht gibt
Die Bahn veröffentlicht keine Preisliste für ihre Züge.
Was wir wissen, wissen wir aus den Bestellungen: Wie viele Züge, wie viel Geld – und dann darf man teilen.
Beim ICE 4 hat die Bahn 2011 einen Rahmenvertrag mit Siemens über bis zu 300 Züge geschlossen.
Die ersten 220 Züge waren mehr als sechs Milliarden Euro wert.
Pro Zug ergibt das grob 33 bis 34 Millionen Euro – so bestätigt es auch die Bahn in ihren Medienunterlagen.
2018 legte sie nach: 18 zusätzliche siebenteilige ICE 4 und 50 einzelne Wagen, um bestellte Züge zu verlängern, für rund 610 Millionen Euro.
Was ein Zug kostet
≈ 34 Mio. €
ICE 4
Zwölfteiler, Rahmenvertrag mit Siemens seit 2011
≈ 35 Mio. €
ICE 3neo
43 Züge für 1,5 Milliarden Euro (2022)
≈ 25 Mio. €
ICE L
56 Züge zusammen mit 17 ICE 3neo für 2 Milliarden (2023), grob geteilt
12 Mrd. €
Gesamtprogramm
so viel investiert die DB nach eigenen Angaben in neue Fernzüge
Die Stückpreise sind aus den Bestellsummen abgeleitet und gerundet. Rabatte, Optionen und Ersatzteilpakete stecken in den Verträgen – offiziell nennt die Bahn keine Einzelpreise.
Warum der kürzere Zug pro Platz teurer ist
Der ICE 3neo ist mit acht Wagen und 439 Sitzplätzen deutlich kürzer als ein zwölfteiliger ICE 4.
Trotzdem kostet er etwa gleich viel.
Der Grund ist die Geschwindigkeit: 300 Kilometer pro Stunde brauchen mehr Antriebsleistung, mehr Bremstechnik, mehr Zulassungen für Frankreich, Belgien und die Niederlande.
Grob gerechnet zahlt die Bahn beim ICE 3neo rund 80.000 Euro pro Sitzplatz, beim ICE 4 nur etwa die Hälfte.
Der ICE L aus Spanien dreht das Prinzip um: 562 Sitzplätze, nur 230 Kilometer pro Stunde, dafür stufenloser Einstieg – und der niedrigste Preis pro Zug.
Was im Kaufpreis nicht steckt
Der Kaufpreis ist nur der Anfang. Ein Fernzug fährt viele hunderttausend Kilometer im Jahr und braucht dafür Wartung, Reinigung, Ersatzteile, Strom und Personal.
Über die Lebensdauer von rund 30 Jahren summieren sich Betrieb und Instandhaltung auf ein Vielfaches des Anschaffungspreises.
Deshalb entscheidet nicht der Kaufpreis über einen Zug, sondern die Rechnung über sein ganzes Leben.
Eine Million Euro pro Jahr – bevor er losfährt
Teilt man 34 Millionen Euro durch 30 Jahre Lebensdauer, kostet ein ICE 4 allein in der Anschaffung gut eine Million Euro pro Jahr.
Das ist die Zahl, die ein Zug „verdienen“ muss, bevor der erste Fahrgast einsteigt.
Dazu kommt der Preis für jeden gefahrenen Kilometer: Trassengebühren, Energie, Wartung.
Ein voller Zug ist deshalb für die Bahn Gold wert – und ein leerer Zug teuer wie ein leerstehendes Haus.
Warum alte Züge so lange fahren
Viele ICE 1 fahren seit 1991.
Das ist kein Zufall und keine Sparsamkeit aus Prinzip.
Ein Zug, der bezahlt ist und noch sicher fährt, kostet nur noch den Betrieb – der neue Zug kostet Betrieb plus 34 Millionen.
Deshalb modernisiert die Bahn lieber Innenräume, als ganze Flotten auf einmal zu tauschen.
Erst wenn Ersatzteile knapp werden oder die Technik nicht mehr zugelassen wird, lohnt sich der Neukauf wirklich.
Zum Vergleich
Ein Kilometer neue Schnellfahrstrecke kostet je nach Gelände oft mehr als ein ganzer ICE – Tunnel und Brücken treiben die Preise.
Ein einzelner Fahrgast zahlt für Berlin–München im Sparpreis manchmal unter 30 Euro. Bei 34 Millionen Euro Kaufpreis müsste ein Zug allein dafür weit über eine Million solcher Tickets verkaufen.
Häufige Fragen zum Preis eines ICE
Was kostet ein ICE 4 genau?
Was kostet ein ICE 3neo?
Was kostet ein ICE L?
Wie lange fährt ein ICE?
Warum ist ein kurzer Zug so teuer wie ein langer?
Wer zahlt die neuen Züge?
Steckt Wartung im Kaufpreis?
Wie viele neue Fernzüge kommen?
Quellen
Deutsche Bahn, Medienpaket ICE 4 („Der ICE 4: das Rückgrat der DB-Fernverkehrsflotte“); Siemens Mobility, Pressemitteilung zur Bestellung von 17 weiteren ICE 3neo; heise online vom 17. Mai 2023 („Deutsche Bahn kauft 73 neue ICE“); LOK Report zur ICE-4-Nachbestellung 2018.
Stückpreise sind aus den genannten Bestellsummen abgeleitet und gerundet. Stand: September 2026.
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