Wie viel Strom braucht ein ICE? Leistung und Verbrauch erklärt

Bahn-Slam · Zahlen, bitte

„Dieser Zug fährt mit Strom aus erneuerbaren Energien.“

Wie viel Strom braucht ein ICE?

→ Ein ICE zieht so viel Leistung wie tausende Wasserkocher zugleich. Und ist trotzdem eines der sparsamsten Dinge, in die du dich setzen kannst. Wie passt das zusammen?

Lesezeit: 6 Minuten · Zahlen-Explainer · Unter der Oberleitung

Kurz gesagt

Ein ICE 3 hat eine Leistung von rund 8 Megawatt — das ist die Momentanleistung von mehreren tausend Wasserkochern gleichzeitig.

Klingt gewaltig.

Doch verteilt auf hunderte Sitzplätze braucht ein gut besetzter ICE pro Person und 100 Kilometer nur etwa so viel Energie wie ein Liter Benzin.

Und dieser Strom ist im DB-Fernverkehr Ökostrom.

Der ICE ist ein Kraftpaket — und genau deshalb so effizient.

Halt einmal die Hand über einen Wasserkocher, wenn er läuft.

Diese Hitze, diese Energie, um einen Liter Wasser zum Kochen zu bringen.

Ein Wasserkocher zieht etwa zwei Kilowatt.

Ordentlich für eine Küche.

Ein ICE zieht acht Megawatt.

Das sind achttausend Kilowatt.

Also die Leistung von rund viertausend Wasserkochern — alle gleichzeitig, alle unter einem Zug.

Damit beschleunigt er vierhundert Tonnen Stahl auf dreihundert Stundenkilometer.

Kein Wunder, dass da eine Menge Strom fließt.

Und trotzdem ist der ICE eines der sparsamsten Verkehrsmittel überhaupt.

Der Trick liegt in der Aufteilung.

Der Stromhunger eines ICE in Zahlen

8 MW

Leistung ICE 3

ein Triebzug, rund 8.000 kW

16 MW

Doppeltraktion

zwei gekuppelte Züge

~1 Liter

pro Person / 100 km

Benzin-Äquivalent, voll besetzt

100 %

Ökostrom

im DB-Fernverkehr

Rund 10,7 kWh je 100 Personen-Kilometer bei mittlerer Geschwindigkeit und guter Auslastung.

Zum Vergleich: bei halber Besetzung steigt der Verbrauch pro Person auf gut zwei Liter.

Oberleitung und Stromabnehmer eines ICE gegen hellen Himmel
Symbolbild, mit KI erstellt.

Warum viel Leistung nicht viel Verbrauch heißt

Leistung und Verbrauch sind zwei verschiedene Dinge.

Das eine ist, wie kräftig der Motor zieht.

Das andere, wie viel dabei über die Strecke zusammenkommt.

Der ICE hat gewaltige Leistung, weil er schwer und schnell ist.

Aber er teilt diese Energie auf viele hundert Menschen auf.

Ein voll besetzter ICE braucht pro Fahrgast auf hundert Kilometern etwa so viel wie ein Liter Benzin.

Ein Auto mit einer Person drin schafft das nicht annähernd.

Die Rechnung kippt aber, wenn der Zug halb leer fährt.

Dann verteilt sich derselbe Strom auf weniger Köpfe, und der Vorteil schrumpft.

Der Bremstrick

Ein ICE gewinnt beim Bremsen Strom zurück. Statt die Energie in den Bremsen zu verheizen, speist er sie in die Oberleitung ein — ein Teil geht so an andere Züge. Von den fünf Megawattstunden einer typischen Fahrt kommt rund eine wieder zurück.

Woher der Strom kommt

Ein sparsamer Zug ist gut.

Ein sparsamer Zug mit sauberem Strom ist besser.

Der Fernverkehr der Deutschen Bahn fährt für die Reisenden mit hundert Prozent Ökostrom.

Wer im ICE sitzt, reist rechnerisch mit Wind und Wasser.

Der Strom kommt nicht aus der Steckdose neben dem Sitz, sondern über die Oberleitung.

Der Stromabnehmer auf dem Dach schleift an einem Kupferdraht, der unter Spannung steht.

Fällt dieser Draht aus, steht der Zug — auch mit vollen Tanks gäbe es hier nichts zu tanken.

Was dann passiert, steht im Beitrag zur Oberleitungsstörung.

Häufige Fragen zum Stromverbrauch

Ist der ICE wirklich sparsamer als ein Auto?
Pro Person ja, wenn er gut besetzt ist. Ein voll besetzter ICE braucht je Fahrgast rund einen Liter Benzin-Äquivalent auf 100 Kilometern. Ein durchschnittliches Auto mit nur einer Person verbraucht ein Vielfaches davon.
Warum fährt die Bahn mit Gleichstrom aus der Oberleitung — oder ist es Wechselstrom?
In Deutschland fährt die Bahn mit Wechselstrom von 15.000 Volt und 16,7 Hertz — einem eigenen Bahnstromnetz, getrennt vom normalen Haushaltsnetz. Deshalb hat die Bahn sogar eigene Kraftwerke und Leitungen.
Was heißt „100 Prozent Ökostrom“ genau?
Es bedeutet, dass für den Fernverkehr rechnerisch so viel Strom aus erneuerbaren Quellen ins Netz eingespeist wird, wie die Züge verbrauchen. Der Strom im Draht ist physikalisch gemischt, die Bilanz aber grün.
Verbraucht schnelleres Fahren viel mehr Strom?
Ja, deutlich. Der Luftwiderstand steigt mit dem Quadrat der Geschwindigkeit. Tempo 300 kostet spürbar mehr Strom als Tempo 250 — ein Grund, warum nicht jede Strecke auf Höchstgeschwindigkeit ausgelegt ist.
Was passiert mit dem Strom beim Bremsen?
Ein moderner ICE bremst elektrisch und speist dabei Energie zurück in die Oberleitung. Andere Züge in der Nähe können diesen Strom direkt nutzen. So geht weniger Energie verloren.
Wie viel Strom braucht die Bahn insgesamt?
Die Deutsche Bahn ist einer der größten Stromverbraucher des Landes — sie zieht rund zwei Prozent des gesamten deutschen Stroms. Dafür bewegt sie aber auch Millionen Menschen und Tonnen Güter jeden Tag.

Das Fazit in einem Satz

Ein ICE ist ein Kraftpaket mit dem Hunger einer Kleinstadt — aber weil er hunderte Menschen auf einmal bewegt, bleibt für jeden Einzelnen nur ein winziger Schluck Energie übrig.

Weiterfahrt

Oberleitungsstörung – wenn der Strom im Draht fehlt

Wie schnell fährt ein ICE? – Tempo und sein Preis

Was kostet ein Kilometer Bahn? – die Zahlen zum Bau

Ist Bahnfahren wirklich grün? – die ehrliche Ökobilanz

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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