Bahn-Slam · Zahlen, bitte
„Der Zug wird auf Gleis 4 umgeleitet.“
Was kostet eine Weiche?
→ Das kleine Stück Stahl, das entscheidet, ob dein Zug links oder rechts fährt. Unscheinbar, teuer, und im Winter eine Diva.
Lesezeit: 6 Minuten · Zahlen-Explainer · Im Gleis
Kurz gesagt
Eine einfache Eisenbahnweiche kostet fertig eingebaut grob 100.000 bis 250.000 Euro, eine Hochgeschwindigkeitsweiche ein Vielfaches davon.
Im deutschen Netz liegen über 70.000 Weichen.
Und weil sie im Winter nicht einfrieren dürfen, heizt die Bahn tausende davon — für rund 44 Millionen Euro jeden Winter.
Die Weiche ist das kleinste, unauffälligste und heimlich teuerste Bauteil der Bahn.
Achte beim nächsten Mal darauf, wenn dein Zug den Bahnhof verlässt.
Dieses sanfte Ruckeln, dieses Klack-Klack unter den Rädern.
Das ist eine Weiche.
Das Bauteil, das dein Gleis mit einem anderen verbindet und entscheidet, wohin die Reise geht.
Ohne Weichen gäbe es keine Bahnhöfe, keine Überholungen, keine Umleitungen.
Jeder Zug führe auf einem einzigen, endlosen Gleis, hintereinander weg, für immer.
Die Weiche ist das Gelenk des Schienennetzes.
Und wie jedes Gelenk ist sie empfindlich — und teurer, als sie aussieht.
Die Weiche in Zahlen
100.000–250.000 €
Einfache Weiche
fertig eingebaut, grobe Größe
ein Vielfaches
Hochgeschwindigkeit
lange Weichen für Tempo 200+
über 70.000
Weichen im Netz
in ganz Deutschland
~44 Mio €
Heizkosten / Winter
damit nichts einfriert
Rund 50.000 Weichen sind beheizt; jede Heizung zieht im Schnitt 18 bis 20 Kilowatt.
Allein für Weichenbauteile gibt die DB etwa 30 Millionen Euro pro Jahr aus.

Warum ein Stück Stahl so teuer ist
Eine Weiche sieht aus wie ein bisschen gebogenes Gleis.
Tatsächlich ist sie Präzisionstechnik unter freiem Himmel.
Zwei bewegliche Schienen, die Zungen, müssen sich millimetergenau anlegen.
Bei jedem Wetter, unter tonnenschweren Zügen, tausende Male am Tag.
Dazu kommt ein Antrieb, der sie umstellt, eine Verriegelung, die sie sichert, und Sensoren, die dem Stellwerk melden, wie sie gerade liegt.
Eine Weiche ist verschleiß und muss regelmäßig gewartet, geschmiert und irgendwann ganz getauscht werden.
Sie ist kein Möbelstück, sondern eine Maschine.
Die Diva im Winter
Am teuersten wird die Weiche, wenn es kalt wird.
Denn eingefroren ist sie nutzlos — und dann steht der ganze Verkehr.
Klemmt Eis oder Schnee zwischen Zunge und Schiene, kann die Weiche nicht umschalten.
Ein Zug kann nicht das Gleis wechseln, ein Bahnhof verliert seine Flexibilität.
Deshalb heizt die Bahn ihre Weichen.
Rund 50.000 elektrische Heizungen halten den Stahl frostfrei — und verschlingen jeden Winter etwa 44 Millionen Euro an Strom.
Warum Schnee die Bahn lahmlegt
Nicht der Schnee auf den Schienen ist das Problem, sondern der in den Weichen. Friert das Gelenk fest, stockt das ganze Netz. Mehr dazu, warum ein bisschen Winter so viel Chaos macht, im Beitrag Warum fällt die Bahn bei Schnee aus?.
Häufige Fragen zur Weiche
Warum kostet eine Weiche so viel wie ein Haus?
Wie viele Weichen hat ein großer Bahnhof?
Warum heizt man Weichen, aber nicht die ganze Schiene?
Wie lange hält eine Weiche?
Kann man die Heizkosten senken?
Was passiert, wenn eine Weiche kaputt ist?
Das Fazit in einem Satz
Die Weiche ist das kleinste Bauteil mit der größten Wirkung — ein Gelenk aus Stahl, das so viel kostet wie ein Haus, und das im Winter mehr Aufmerksamkeit braucht als jeder Fahrgast.
Weiterfahrt
→ Bahn bei Schnee – warum Winter Chaos macht
→ Was kostet ein Kilometer Bahn? – der große Bruder der Weiche
→ Das Stellwerk – wer die Weichen stellt
→ Wie viel Strom braucht ein ICE? – noch mehr Zahlen
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